Erste Anlaufstelle für altersgerechte Renovierung will das Berliner Start-up werden. Mit Vonovia ist ein wichtiger Partner an Bord.

Noch errichtet Seniovo seine Baustellen ausschließlich im Badezimmer: Das Start-up verwandelt Wannen in Duschen, beseitigt Hindernisse – damit sich ältere Menschen mit Einschränkungen länger selbstbestimmt bewegen können. Bevor weitere Wohnräume ins Visier rücken, konzentriert sich das 2015 gegründete Start-up erstmal auf digitale Prozesse: Denn Ziel der Berliner Firma ist es, barrierefreie Umbauten zu vereinfachen und vor allem zu beschleunigen: vom Antrag an die Pflegekasse für Zuschüsse über die Bestellung des Materials und der Monteure bis hin zum fertigen Umbau.

Sein IT-Team will Seniovo deshalb in nächster Zeit aufstocken. Außerdem sollen neue Mitarbeiter den Kontakt zu Pflegekassen intensivieren und für mehr Umsatz mit Großkunden sorgen. So konnte das Team aus 40 Beschäftigten bereits Deutschlands größten Vermieter Vonovia als Kooperationspartner gewinnen. Im Auftrag der Mieter will das Start-up Badezimmer barrierefrei modernisieren. Weitere Partnerschaften mit Immobiliengesellschaften und Hausverwaltungen sollen Seniovo auf einen steilen Wachstumskurs bringen.

Dritte Finanzierungsrunde in drei Jahren

Erst einmal floss jedoch frisches Kapital mit staatlicher Hilfe: Über die Beteiligungsgesellschaft der IBB Investitionsbank Berlin konnte Seniovo eine Finanzierungsrunde über 2,5 Millionen Euro abschließen, wie die junge Firma vergangene Woche mitteilte. Ein Teil der Mittel stammt dabei aus den staatlichen Corona-Hilfen für Start-ups („Säule 2“). Zu den Investoren zählen außerdem der Risikokapitalgeber Proptech1 Ventures sowie der German Media Pool, der gegen eine Beteiligung etwa TV-Werbeauftritte bietet. Für Seniovo ist es die dritte Finanzierungsrunde innerhalb von drei Jahren. Bereits 2019 sicherte sich das Start-up zwei Millionen Euro.

Die Berliner Firma arbeitet direkt im Auftrag seiner Kunden, die die Umbauten in den meisten Fällen komplett von der Pflegekasse bezahlt bekommen. Die Kosten dafür können bis zu 4.000 Euro betragen. Mit der Umsetzung beauftragt Seniovo eigene Monteure oder seine derzeit fünf Partnerbetriebe deutschlandweit. Die externen Handwerker-Kapazitäten will das Start-up bis Jahresende von aktuell 50 auf mehr als 5.000 erweitern. Möglich werde das, weil in den kommenden Monaten und insbesondere in 2021 Kapazitäten aus kommunalen Bauvorhaben frei würden, erklärt das Unternehmen auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer.

Kapazitätsplanung für Monteure

Anreize für Partnerbetriebe aus dem Handwerk will Seniovo mit einem digitalen Planungstool schaffen, das künftig Lücken bei Montagekapazitäten aufzeigen – und so auch das Geschäft bei den Partnern ankurbeln soll. Mehr als 1.000 Umbauten konnte Seniovo bis zum ersten Quartal 2020 abschließen. Aufträge nimmt das Start-up deutschlandweit entgegen, in den Regionen Berlin, Nord-Ost, Nordrhein-Westfalen und Sachsen ist Seniovo auch mit den eigenen derzeit 18 Monteuren vertreten.

Was die Geschäftsführer Jonathan Kohl und Martin Schmidt vorerst weiter beschäftigen dürfte, sind die Hürden im Antragsprozess. So zögert gerade die Abstimmung mit den Pflegekassen und die Genehmigung der Umbauten die Projekte deutlich hinaus: Vom ersten Kontakt bis zum fertigen Bad vergehen im Schnitt zwei bis drei Monate. Sind alle offiziellen Unterlagen da, ist der Auftrag laut Schmidt dann innerhalb von knapp einem Monat erledigt. „Systematische Kommunikation mit den Hausverwaltungen und Pflegekassen“ soll da Abhilfe schaffen, wie der Geschäftsführer sagt.

Insgesamt bewegen sich Handwerker-Start-ups auf einem schwierigen Markt. Ursprünglich als Renovinga gestartet, hat sich auch Seniovo bereits nach wenigen Wochen für einen Strategieschwenk entschieden. Das Start-up Home3sixty hinter der Handwerker-Plattform Homebell hält sich nach mehreren Krisen inzwischen von privaten Wohnungen fern.