Das Würzburger Start-up hat eine internationale Lieferantendatenbank aufgebaut und will mit seiner Software Ausschreibungen vereinfachen.

Digitale Unterstützung für die Einkaufsabteilung: Die Software von Scoutbee soll bei Großunternehmen die Suche nach neuen Lieferanten deutlich verkürzen. Dazu setzt das Würzburger Start-up auf Künstliche Intelligenz. Algorithmen durchforsten das Internet, um relevante Unternehmen zu identifizieren. Neben Firmenwebseiten sind spezielle Datenbanken– etwa von Zollbehörden oder Logistikanbietern – Informationsquellen. Nach eigenen Angaben hat Scoutbee inzwischen weltweit knapp zehn Millionen Lieferanten aufgestöbert und kategorisiert.

Erst vor einem halben Jahr hat das Start-up umgerechnet 3,5 Millionen Euro Wagniskapital bekommen. Nun haben die Würzburger auch eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 10,6 Millionen Euro (12 Millionen Dollar) abgeschlossen. Angeführt wurde diese von den Bestandsinvestoren HV Holtzbrinck Ventures und Toba Capital. Beteiligt war zudem der Münchener Wagniskapitalgeber 42CAP. „Das gibt uns die Möglichkeit, nun schneller international zu expandieren“, sagte Scoutbee-Geschäftsführer Fabian Heinrich im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Der frühere Manager von Rocket Venture führt das Unternehmen zusammen mit Gregor Stühler (Ingenieur und Entwickler der Software), dem Ex-Lidl-Manager Lee Galbraith und dem Supply-Chain-Experten Christian Heinrich.

90 Mitarbeiter an vier Standorten

Gegründet worden war Scoutbee 2015. Seither ist das Team auf nunmehr knapp 90 Mitarbeiter gewachsen. Sie verteilen auf sich die Standorte Würzburg, Berlin, Kiew und Washington. Die US-Vertriebsniederlassung wurde Anfang des Jahres eröffnet. Unter den über 40 Kunden von Scoutbee sind große Namen wie Airbus, Bosch und Audi. Der offizielle Marktstart der Software, die Heinrich als „ganzheitliche Procurement Suite“ bezeichnet, liegt gut ein Jahr zurück.

Scoutbee verspricht Kunden deutliche Zeit- und Kostenersparnisse. Laut Stühler fallen bei Großunternehmen im Schnitt 170 Arbeitsstunden an, bis ein neuer Lieferant gefunden ist. „Bei uns sind es im Schnitt 15 Arbeitsstunden.“ Erreicht wird das, indem die Software eine Vorauswahl trifft und dann bei der Ausschreibung unterstützt: Per Mausklick können die in Frage kommenden Unternehmen angeschrieben und um die Abgabe eines Angebots gebeten werden. Der Kontakt läuft dabei über die Scoutbee-Software. Die Vision des Start-ups: „Wir wollen unsere Cloud-Software zu einer B2B-Plattform weiterentwickeln“, sagte Stühler. So sollen sich ab dem kommenden Jahr auch Lieferanten aktiv registrieren können.