Mit seinem „Tinder für Sprachen“ begeisterte Ehsan Allahyar Parsa die Löwen. Einer bot Geld, der andere einen Job. Einen Deal gab es am Ende aber nicht.

Ehsan Allahyar Parsa war der erste Kandidat in der neuen Staffel der „Höhle der Löwen“. Der Gründer aus Gießen ist erst Mitte 20, spricht aber bereits zehn Sprachen – Deutsch, Persisch, Afghanisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch, Afrikaans und Mandarin. Mit seinem Sprachtalent und seiner eloquenten Art beeindruckte er die Jury. Doch es ging nicht um ihn, sondern um sein Start-up Rootify. Mit der neuartigen Sprachlern-App, so sein Versprechen, sollen sich Nutzer zukünftig schneller und einfacher neue Sprachen aneignen können. 

Für 175.000 Euro bot er 18 Prozent seiner Firmenanteile und stieß auf offene Ohren – und Geldbeutel. Frank Thelen war schließlich bereit sich am Unternehmen zu beteiligen – und das, obwohl die App nicht einmal gebaut war. Seiner Forderung von 20 Prozent Anteile plus zehn Prozent Anteile für einen potentiellen CTO, kam Ehsan nach kurzem Überlegen nach. Warum der Deal am Ende nicht zustande kam und wie es für Rootify weiterging, erzählt er im Interview.

Ehsan, du hast die Löwen mit deinem Auftritt ziemlich begeistert. Am Ende hat Frank Thelen dir ein Angebot gemacht. Ist es zur Zusammenarbeit gekommen? 
Der Deal kam nicht zustande – das lag vor allem daran, dass wir uns nicht wirklich auf einen gemeinsamen Ansatz einigen konnten. Ich schätze Frank und seine Firma Freigeist sehr, sie sind schon ziemlich progressiv und trauen sich, auch in Unternehmen abseits des Mainstreams zu investieren, aber was Rootify anging hatten wir andere Visionen. 

Inwiefern?
Freigeist hatte sich gewünscht, dass die App bis zur Ausstrahlung der Sendung auf dem Markt sein sollte, aber das wäre nur mit Hilfe von Programmieren möglich gewesen, die nicht zum Team gehören und mit dieser Vorstellung konnte ich nicht leben. Ich gehe einen langsamen Weg, aber ich hoffe, er ist nachhaltiger. Außerdem gab es strategische Diskrepanzen. Ich war dafür, dass wir uns gleich international aufstellen, Freigeist wollte erst den deutschen Markt bearbeiten.  

Wie entstand die Idee zu Rootify?
Ich bin in einer persischen Familie in Deutschland aufgewachsen und habe schon als Kind gesehen, wie wichtig Sprache für eine erfolgreiche Integration ist. Später war ich ehrenamtlicher Mentor für Geflüchtete, um ihnen die gleichen Chancen zu bieten, die ich durch den Zugang zu kostenloser Bildung bekommen habe. Rootify soll diese Idee noch einen Schritt weitertragen – so wird es in der App die Möglichkeit geben, dass sich Nutzer untereinander vernetzen können, um sich gegenseitig zu unterrichten und man kann anderen Menschen, die es sich ansonsten nicht leisten könnten, einen Zugang schenken.

Es gibt schon jede Menge erfolgreicher und bekannte Sprachlern-Apps auf dem Markt, wie willst du dich von ihnen abheben?
Wir unterscheiden uns ganz klar durch unsere Methodik: Viele Sprachen entspringen einer Sprachfamilie und das macht sich unsere App zunutze. Wir versprechen, dass unsere Nutzer basierend auf den eigenen Muttersprachkenntnissen sowie eventuell bereits gelernten Sprachen in kürzester Zeit eine neue Sprache lernen kann. Man beginnt also nicht bei Null und wenn man sieht, dass man mehrere hundert Begriffe im Prinzip schon kennt, ist das eine große Motivation. 

In der Sendung sprachst du davon, auf der Suche nach einem Co-Gründer zu sein.
Nicht nur eine Co-Founderin ist mittlerweile an Bord, die sich um das Thema Finanzen kümmert, sondern ich bin nun Teil eines Teams und nicht mehr länger Solopreneur. Wir sind sechs Personen und sitzen in Nigeria, auf Curaçao, im Silicon Valley, in Holland und in Deutschland. Nach wie vor suchen wir aber nach einem CTO, der genauso brennt für unser Thema, und der bereit ist, unentgeltlich zu arbeiten – denn wir zahlen uns alle noch kein Gehalt.

Carsten Maschmeyer hätte dich vom Fleck weg angestellt. Warst du in Versuchung?
Ich habe es als Kompliment gesehen, dass er mich als „Outstanding Sales-Guy“ bezeichnet hat. Aber: Rootify ist mein Baby – also auf keinen Fall. Außerdem habe ich während meines Studiums  bei verschiedenen Beratungsgesellschaften als Angestellter gearbeitet und gemerkt, dass ich durch und durch Gründer bin. Ich will kein Zahnrad sein, sondern jemand, der Zahnräder verbindet – das ist mein Ziel.

Wo steht Rootify in zehn Jahren?
Puh, das ist eine schwierige Frage. Ich hoffe, dass es dann ein ganzes Rootify-Imperium gibt. Ich verstehe Rootify ja nicht als ein Start-up, sondern mehr als eine Bewegung, die dafür sorgt, dass wir in einer besseren und nachhaltigeren Gesellschaft leben. Die Sprach-App trägt dazu bei, dass sich Menschen im wahrsten Sinne des Wortes besser verstehen. Die Modelinie, die wir vor einiger Zeit gestartet haben, verkauft ausschließlich Bio -und Fairtrade-Produkte, und mit meinem Podcast will ich anderen Tipps geben, wie sie selbst ein Unternehmen aufbauen können. Außerdem gibt es Rootify Media, eine Agentur mit der ich Start-ups in Sachen Social Media, Digital Marketing und Storytelling berate. Mit diesen Einnahmen finanziere ich den Aufbau der App. 

Apropos Finanzierung. Ihr habt keinen Investor. Mit welchem Geld hast du Rootify aufgebaut?
Das Start-up ist von Anfang an gebootstrapped und ich habe an vielen Wettbewerben teilgenommen und das Glück gehabt immer mal wieder Preisgelder zu erhalten.

Verrätst du uns zum Schluss noch, welche Sprache du aktuell lernst? Oder sind zehn Sprachen ausreichend?
Keineswegs! Aktuell lerne ich Papiamentu, das ist die Muttersprache der Ureinwohner von der Karibikinsel Curaçao, wo ich das letzte halbe Jahr im Rahmen des Erasmus for Young Entreprenuer Programms gelebt habe.