Der Düngemittelproduzent sucht die Nähe zu Innovationen aus Landwirtschaft und Ernährung – und bringt dafür einen Accelerator mit dem Spinlab HHL auf den Weg. Weitere Unternehmen sollen sich anschließen.

Von Unkrautrobotern bis hin zu Drohnen-Technologie für Landwirte: Aussichtsreichen B2B-Start-ups bietet der Düngemittel- und Salzproduzent K+S aus Kassel in Zukunft Unterstützung an. So sollen im Oktober die ersten jungen Firmen im sogenannten Root Camp in Hannover starten, wie das neue Accelerator-Programm des Konzerns heißt. Mit der Umsetzung beauftragt ist das Leipziger Spinlab HHL, Sitz des Smart Infrastructure Hub Leipzig. Ziel ist es, Start-ups in Kooperationsprojekte mit dem Kasseler Unternehmen zu vermitteln – künftig sollen sich aber weitere etablierte Firmen anschließen.

Interessiert ist K+S vor allem an bereits pilotfähigen oder annähernd marktreifen Lösungen rund um die Entstehung von Lebensmitteln. Gerade mit der neuen Düngemittelverordnung zum Schutz des Grundwassers, die im März vom Bundesrat abgesegnet wurde, rückt für den Konzern der Bereich Boden stärker in den Fokus: Wie lässt sich Saatgut und Dünger künftig auf dem Feld ausbringen? Wie wirken sich Trockenheit und verschiedene Methoden zur Bewässerung aus? In Kontakt kommen will K+S auch mit Gründerteams, die die Lieferketten von morgen gestalten: von der Optimierung von Transportwegen in der Logistik bis hin zu neuen Materialien, um Verpackungen und Gebinde mehrfach zu nutzen.

Fokus auf Geschäftskunden

An ihrer Idee sollen die Start-ups im Root Camp drei bis zwölf Monate lang tüfteln und erhalten bis zu 55 000 Euro als Zuschuss aus den Innovationstöpfen von K+S sowie Workshop- und Networking-Programm organisiert vom Leipziger Spinlab. „Viele Produkte von Start-ups aus dem Bereich haben das Potenzial, in die breite Anwendung zu kommen“, sagt der Leiter des Root Camps Philipp Rittershaus (Mitte im Bild). Vor allem im B2B-Bereich liefen allerdings noch viele Projekte unter dem Radar.

„Was man von Start-ups aus der Branche kennt, findet sich eher auf der Konsumentenseite.“ Zahlreiche Projekte drehten sich zum Beispiel um Fleischersatz aus neuen Proteinbestandteilen, so Rittershaus, der zuletzt als Investmentmanager im Bereich Life Sciences für den High-Tech Gründerfonds tätig war. Seit April ist er nun mit dem Aufbau des Root Camps beschäftigt, das für sein Accelerator-Programm auf die Ressourcen des Spinlabs zurückgreift und etwa Workshops und Investorentage gemeinsam mit Leipzig organisiert.

Anschub für die interne Entwicklung

Im ersten Jahr sollen insgesamt sechs Start-up-Teams teilnehmen, später rechnet Rittershaus mit acht jungen Firmen, die die Coworking-Fläche in Hannover jeweils für eine gewisse Zeit mitbenutzen. Dazu kommen Mitarbeiterteams von K+S selbst, die dort ihre Ideen für interne Projekte oder Ausgründungen vorantreiben sollen. Für den Konzern ist es das zweite Inkubator-Projekt, das verstärkt auch den sogenannten Intrapreneuren zugute kommen soll. Für die Abstimmung der Projekte mit dem Root Camp stellt K+S laut Rittershaus ein eigenes Team bereit.

Eine Exklusivveranstaltung soll der Inkubator aber nicht bleiben. „In Leipzig haben wir gute Erfahrungen gemacht mit Multi-Corporate-Acceleratoren“, sagt Rittershaus. Mit mehr Unternehmenspartnern könnten entsprechend auch mehr Start-ups gefördert werden. Außerdem steigt die Auswahl an möglichen Kooperationsprojekten und Einsatzfeldern, was die Attraktivität für die jungen Firmen verbessern dürfte.

Netzwerk für die Agrarindustrie

Mit vielfältigen Kontakten wirbt schon jetzt der Gründer und CEO des Spinlab, Eric Weber: „Das Spinlab konnte in den letzten fünf Jahren ein Netzwerk aus über 20 strategischen Partnern wie Dell Technologies, Porsche oder Helios aufbauen und gemeinsam Start-ups bei Marktzugang und Finanzierung unterstützen“, lässt sich Weber in einer Pressemitteilung zitieren. „So ein Netzwerk werden wir mit Fokus auf die Agrar- und nahrungsmittelverarbeitende Industrie auch beim Root Camp in Hannover etablieren und weitere Partner aufnehmen.“

Fündig werden dürfte das Team im Mittelstand, der rund um den international bekannten Agrarindustrie-Standort vertreten ist: etwa beim Landmaschinenkonzern Claas in der Nähe von Bielefeld, der Molkerei DMK auf halbem Weg zwischen Bremen und Hamburg oder Dr. Oetker in Bielefeld. Seitens der Start-ups hat Rittershaus 600 möglicherweise passende Kandidaten auf dem Zettel, auch aus dem europäischen Ausland. Haussprache im Root Camp ist Englisch – damit zum Start möglichst viele Kontakte zustande kommen.