Das Start-up kauft Verbrauchern deren Forderungen gegenüber Fluggesellschaften, Unternehmen oder Vermietern ab. Aus der Medien- und Finanzwelt kommen nun 8,5 Millionen Euro, um neue Märkte und Modelle zu erschließen.

Ein Blick geht immer nach Luxemburg: Der dort ansässige Europäische Gerichtshof fällt immer wieder Entscheidungen, die die Rechte von Verbrauchern stärken. Und das Düsseldorfer Start-up Right Now will möglichst bald nach solchen Urteilen sein Angebot erweitern: „Wir wollen immer flexibler werden, um auch schnell auf die neue EuGH-Rechtsprechung reagieren zu können“, sagt Mitgründer Torben Antretter. Bereits im ersten Quartal 2021 sei ein neues Thema in Sicht, dass ein jüngeres Urteil aufgreife, sagt Antretter – mehr Details will er sich noch nicht entlocken lassen.

Das Start-up positioniert sich als Helfer der Verbraucher: Die haben immer wieder Ansprüche auf Entschädigungen oder Rückzahlungen durch Unternehmen – doch viele Firmen blocken ab und lassen es auf zeitraubende Verfahren ankommen. Right Now prüft diese Ansprüche – und kauft sie den Kunden dann mit einem Abschlag ab, wenn ein Erfolg wahrscheinlich scheint. Die Kalkulation: Der Verbraucher kommt zügig an sein Geld. Das Start-up wiederum kann auch mehrere kleinere Ansprüche von Verbrauchern bündeln, um die Forderungen effizient durchsetzen zu können.

„Unser Geschäftsmodell lebt davon, dass sich große Konzerne immer wieder rechtswidrig verhalten“, sagt Antretter, der Right Now gemeinsam mit Philip Eischet und Benedikt Quarch gegründet hat. Hier und da reicht schon ein Schreiben des Start-ups – deutlich mehr als die Hälfte der Forderungen werden jedoch tatsächlich vor Gericht durchgesetzt. Das Risiko, möglichst viele der Prozesse dann auch tatsächlich zu gewinnen, trägt Right Now selbst.

Von Flugreisen zum Mietrecht

Los ging es für Right Now 2017 unter der Marke „Geld für Flug“ mit Flugreisen. Auch wenn Verbraucher selbst eine Reise nicht antreten, bleibt häufig ein Anrecht auf eine Erstattung von Steuern und Gebühren. Damit grenzt sich das Start-up von Anbietern wie Wir-kaufen-deinen-Flug oder Flightright ab, die sich vorrangig um die Verbraucherrechte bei stornierten oder annullierten Flügen kümmern. Im Corona-Jahr 2020 blieben Menschen und Maschinen jedoch grundsätzlich am Boden – schlecht für das Geschäft von Right Now.

„Für uns ist es wichtig, das Portfolio zu diversifizieren“, betont Antretter darum heute. Das soll zum einen über neue Rechtsgebiete geschehen. Aufgebaut wird aktuell etwa der Forderungsabkauf bei Problemen mit dem Mietrecht und bei Verstößen gegen das Datenschutzrecht – wenn etwa Kreditkartendaten durch ein Leck bei einem Unternehmen sichtbar werden. „Diese Bereiche werden in 2021 eine zunehmende Bedeutung für uns spielen“, sagt Antretter.Der Plan: Möglichst viele Prozesse sollen automatisiert im Hintergrund ablaufen – im Vordergrund werden dann die Details auf die relevanten Rechtsfragen angepasst. Insgesamt 350.000 Kunden habe man in den vergangenen dreieinhalb Jahren über alle Rechtsgebiete helfen können.

8,5 Millionen Euro für das Wachstum

Zum anderen will Right Now mit seinen bald 40 Mitarbeitern auch auf günstige Gelegenheiten warten – etwa durch wegweisende EuGH-Urteile. In diesem Jahr sorgte die Corona-Pandemie für ein ungewöhnliches Zusatzgeschäft. Pauschalreiseanbieter mussten ihre Kunden mit Wertgutscheinen entschädigen. Right Now kaufte diese Forderungen zum vollen Wert ab, kann sich auf eine Staatsgarantie verlassen – und verdient sein Geld mit Zahlungen der Reiseveranstalter. Die sind froh, die Forderungen über einen längeren Zeitraum bedienen zu können.

Nach eigenen Angaben arbeitet das Legaltech mit Verbraucherfokus bereits profitabel. Eine Finanzierungsrunde über 8,5 Millionen Euro, die Right Now heute bekanntgibt, soll nun aber ein schnelleres Wachstum ermöglichen. Neu als Gesellschafter dazu kommt der Risikokapitalgeber VR Ventures – dahinter stecken eine Reihe an Genossenschaftsbanken. „Für viele Konsumentenforderungen lohnt sich der Gang zum Anwalt oder das Betreiben eines langwierigen Inkasso-Prozesses nicht“, sagt VR-Ventures-Geschäftsführer Timo Fleig, „Mit seinem innovativen Ansatz hat RightNow die Chance, den Markt für die Durchsetzung von Rechtsansprüchen nachhaltig zu verändern“. Daneben investiert auch die private Vermögensverwaltung hinter dem Schwarzwälder Boten. 2019 waren bereits die Gründer der Hotelsuchmaschine Trivago bei Right Now eingestiegen.