Mit Kaffeekapseln aus Holz haben die Stuttgarter bei „Die Höhle der Löwen“ gepunktet. Mitgründer Julian Reitze erklärt, warum der Millionendeal doch geplatzt ist.

Gleich vier der fünf Juroren von „Die Höhle der Löwen“ wollten bei Rezemo einsteigen: Frank Thelen bot 500.000 Euro gegen 20 Prozent der Firmenanteile, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer boten zuletzt zusammen eine Million Euro – ebenfalls für ein Fünftel der Anteile. Begeistert hat die Investoren vor allem das große Markt-Potenzial. 60 Milliarden Einweg-Kaffeekapseln aus Alu oder Plastik werden laut den Gründern Julian Reitze und Stefan Zender derzeit jährlich verkauft. Ihre patentgeschützten Kapseln sind dagegen aus Holz und dem Biokunststoff PLA hergestellt.

In der gestern ausgestrahlten Folge der Start-up-Show sind sich die Gründer mit dem Investoren-Trio Dümmel, Wöhrl und Maschmeyer einig geworden. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erklärt Reitze, warum der Millionen-Deal nach der Aufzeichnung doch noch gescheitert ist – und welchen Schwerpunkt das Start-up nun setzen will.

Herr Reitze, in der Sendung haben Sie hartnäckig auf Ihrer Bewertung bestanden und hatten damit Erfolg. Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Löwen-Trio nun?
Der Deal kam gar nicht zustande. Wir haben uns über mehrere Wochen mit den Investoren und ihren Teams ausgetauscht. Die Gespräche – sowohl mit den Löwen als auch mit deren Mitarbeitern – waren auch sehr konstruktiv. Aber am Ende hatten wir einfach zu unterschiedliche Vorstellungen darüber, wo es strategisch hingehen soll.

An welchen konkreten Punkten ist es denn gescheitert?
Wir haben miteinander vereinbart, das öffentlich nicht auszuführen. Ich kann nur sagen: Es gibt Themen, die man in den zwei Stunden bei der Aufzeichnung nicht besprechen kann.

Die Investoren wollten ihre Kapseln schnell großflächig in den Handel bringen – das klingt nach einer Riesenchance. Wie sieht denn Ihre Vision für das Unternehmen aus?
Die Expansion im Handel ist im Moment zweitrangig. Ich sehe in Rezemo in erster Linie ein Technologieunternehmen, das umweltfreundliche Verpackungen herstellt. Extrem wichtig ist uns aber, ein direktes Feedback von Nutzern zu bekommen. Deswegen die Kaffeekapseln. Mit dem Know-how können wir dann in andere Bereiche vordringen – und beispielsweise Verpackungen für Kosmetika, Reinigungsmittel oder andere Produkte entwickeln.

Sie zielen also eher auf andere Unternehmen als auf Endverbraucher?
Ja, langfristig sehen wir uns eher als B2B-Unternehmen. Wir verkaufen auch jetzt schon leere Kapseln an eine Rösterei in Luxemburg. Es ist aber schwierig, als Newcomer im Verpackungssegment auf sich aufmerksam zu machen. Da hilft uns die mediale Aufmerksamkeit durch die Sendung natürlich.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie sich mit Verpackungen beschäftigen?
Mein Mitgründer und ich waren während des Studiums beide im Ausland – er bei einem Mittelständler in Schanghai, ich bei der Deutschen Bahn in Saudi-Arabien. Das Problem des Plastikmülls ist in beiden Ländern sehr viel präsenter, das hat uns geprägt. Die Initialzündung, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen, kam aber in der WG-Küche: Dort haben wir eine Kapsel-Kaffeemaschine. Wir waren dann erstaunt, dass alle Kapseln auf dem Markt aus Alu oder Plastik hergestellt sind – und noch niemand eine umweltfreundliche Alternative entwickelt hat.

Also haben Sie sich selbst rangesetzt – haben Sie denn eine technische Ausbildung?
Wir sind beide Wirtschaftsingenieure, aber mit Fokus auf BWL. Dass wir als Quereinsteiger mit dem Tüfteln begonnen haben, ist ein großer Vorteil. Wir konnten da offen und vorurteilsfrei rangehen. Holz ist als nachwachsender Rohstoff relativ naheliegend. Wir wussten auch, dass Sägewerke einen großen Ausschuss in Form von Hobelspänen haben. Die Herausforderung war es, ein passendes Bindemittel zu finden. Üblicherweise werden da Kunststoffe auf Erdölbasis verwendet. Wir nutzten dagegen PLA – ein Polymer, das aus Pflanzenstärke hergestellt.

Sie geben an, über drei Jahre entwickelt zu haben. Das fand aber nicht alles in der WG-Küche statt, oder?
Nein, wir haben uns an einen Professor an der Uni gewandt. Irgendwann gab er uns dann auch einen Termin – es war ja nicht unser Fachbereich. Aber er hat uns dann sehr stark unterstützt und uns Zugang zu Spritzgussanlagen verschafft. Dort konnten wir experimentieren.

Wie produzieren Sie heute?
Wir haben hier vor Ort eine eigene Produktion aufgebaut. Das ist sehr reizvoll: Es fühlt sich wie bei einem kleinen Mittelständler an, auch wenn wir erst fünf Leute sind. Wenn es irgendwann um andere Verpackungen geht, werden wir den Produktionsstandort ausbauen. Es macht Spaß, sich da reinzuhängen – auch wenn wir oft noch nachts und am Wochenende arbeiten.

Und wie steht es um die Ökobilanz? Sind die Holzkapseln nicht auch umweltbelastend, wenn sie am Ende auf dem Restmüll landen?
Im Vergleich zu Alu- oder Plastikkapseln ist unser Produkt deutlich ressourcenschonender. Sowohl Kunststoffe auf Erdölbasis als auch Aluminium brauchen bei der Herstellung viel Energie – hinzu kommt die Umweltzerstörung bei der Gewinnung der Rohstoffe. Unsere Holzspäne fallen als Ausschuss ab. Grob geschätzt ist die CO2-Bilanz bei der Produktion um mindestens die Hälfte besser. Und nach dem Gebrauch kann man unsere Kapseln kompostieren. Aber selbst wenn sie in einer Müllverbrennungsanlagen landen, gibt es einen positiven Effekt: Die Energieausbeute ist relativ hoch, was bei der Stromerzeugung vorteilhaft ist.

Wie geht es bei nun weiter? Fehlt Ihnen nach dem geplatzten Deal Wachstumskapital?
Natürlich haben wir als Start-up den Anspruch schneller zu wachsen, als es bei einer klassischen Finanzierung über Bankkredite geht. Wir sind bereits mit einigen potenziellen Geldgebern im Gespräch – in Frage kommen da durchaus auch mittelständische Unternehmen.