Vom Blind Booking bis zum Bootsurlaub. Diese sieben Start-ups wollen mit ausgefallenen Konzepten den Gang ins Reisebüro überflüssig machen. 

Von Jule Zentek

Ob ein Wanderurlaub auf Mallorca, ein Partywochenende auf Ibiza oder eine Museums-Tour durch Paris – wer eine Reise buchen möchte, muss schon lange nicht mehr ins Reisebüro gehen, ja nicht einmal die Couch oder den Schreibtisch verlassen – ein Internetanschluss genügt vollkommen.

Die Möglichkeit mit einem einfachen Klick bequem von zu Hause aus eine Reise buchen zu können, nehmen immer Menschen wahr: Weit über 50 % der Urlaubsreisen wurden laut der Studie „The Mobile Traveller” von Google und TUI Deutschland aus dem Jahr 2015, online gebucht. Der Online-Markt der Reisebranche boomt. Portale wie booking.com und holidaycheck.de haben sich dabei längst etabliert, doch auch Start-ups wollen von dieser Entwicklung profitieren. Dabei setzen sie in ihren Konzepten vor allem auf Nischenangebote.

Schnäppchenpreise als Erfolgsstrategie

So wollen einige Start-ups neue Standards setzen und Reisen in Luxushotels oder Bootsurlaube für jedermann möglich machen. Dazu gehen die Gründer Kooperationen mit Reiseveranstaltern, Hotels und Fluganbieter ein. So entstehen günstige Reisepreise,  die weit unter dem ursprünglichen Normalpreis liegen.

Andere Gründer bieten ihren Kunden Erlebnis und Abenteuer durch das sogenannte ´Blind Booking´: Kunden buchen dabei zum Fixpreis, ohne das Reiseziel zu kennen. Online-Portale wie „blookery“ oder „Unplanned“ übernehmen dabei die gesamte Organisation – Urlaub inklusive Überraschungseffekt.

Reisen – aber bitte individuell

Doch was ist mit der persönlichen Beratung? Ganz einfach: Auch die findet online statt. Einige Start-ups arbeiten dazu mit Reiseexperten oder Locals aus den Reiseländern zusammen. Die beraten die Kunden dann über die Online-Plattform. So sollen Urlauber stets ein individuelles Reise-Paket erhalten, angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse. Und die Anbieter sind sich einig: Nachfrage nach Individualreisen steigt.

Mit welchen Konzepten deutsche Start-ups in der Reisebranche überzeugen wollen, zeigen die folgenden sieben Beispiele. 

1. Blookery

Einfach nur weg, egal wohin – wer flexibel und abenteuerlustig ist, kann es mit „blookery“ versuchen. Das Portal arbeitet mit dem Prinzip von Blind Booking: Kunden buchen zu einem Festpreis, ohne das Reiseziel zu kennen. Blookery will Urlaubern eine abenteuerliche Reise ermöglich – und übernimmt dabei die gesamte Organisation. Denn anders als bei üblichen Blind Booking-Angeboten, vermittelt das Start-up Flug und Unterkunft direkt zusammen. Die Angebote entstehen dabei aus den Kooperationen mit dem Flugportal kiwi.com und dem Buchungsportal booking.com. Gegründet wurde das Start-up 2016 von Jannis Dorlöchter und Kevin Kiesewetter. Seither sind sie eigenfinanziert.

2. Unplanned  

Einen ähnlichen Ansatz wie Blookery verfolgt das Start-up „Unplanned“. Auch hier steht das Prinzip Blind Booking im Mittelpunkt: Kunden nennen ihr Budget und beantworten einige Fragen auf dem Online-Portal. Das Start-up entwickelt dann ein individuelles Reiseangebot. Die gesamte Organisation übernimmt dabei Unplanned. Urlauber erhalten so nicht nur Flug und Unterkunft, sondern auch ein „Travelbook“ mit Tipps von Locals. Die Idee kam der Touristik-Beraterin Frauke Schmidt und dem ehemaligen Red Bull Manager Christian Diener durch eine selbst geplante Überraschungsreise. 2016 gründeten sie daraufhin Unplanned mit Sitz in München und Berlin.

3. Travelcircus

Preiswerte Luxusreisen in Vier- und Fünfsternehotels bietet das Online-Portal „Travelcircus“ an. Die Angebote der Kurzreisen liegen durchschnittlich rund 30 Prozent unter dem Normalpreis. Das Berliner Start-up setzt dabei auf Kooperation mit Hotels: Sie vermieten noch leerstehende Zimmer unter dem üblichen Preis. Gegründet wurde Travelcircus von Bastian Böckenhüser, Jasmin Lucas, Mathias Zeitler, Robert Anders und Nils Brosch im Jahr 2014. Über 130.000 Urlauber sind Angaben des Start-ups zufolge seitdem über Travelcircus verreist. Mit ihrem Konzept überzeugten die fünf Gründer auch Kapitalgeber: 2016 investierten Howzat Partners, Tengelmann Ventures, Mairdumont und der VC-Fonds Kreativwirtschaft Berlin von der IBB Beteiligungsgesellschaft rund zwei Millionen Euro.

4. Zizoo

Statt Hotelurlaub einfach mal die Küste entlang schippern – ein außergewöhnliches Erlebnis, aber leider meistens ziemlich teuer. „Zizoo“ will solche Bootsurlaube für jedermann möglich machen. Urlauber können auf der Buchungsplattform vom Katamaran bis zum Segelboot wählen. Die Gründer Sinan Masovic, Ivan Miletic, Benito Gonzalez del Valle und Anna Banicevic arbeiten direkt mit den Charterfirmen zusammen – ohne Zwischenvermittler. Das hält den Mietpreis für die Kunden niedrig. Zizoo erhält für die Vermittlung eine Provision von den Anbietern. Seit der Gründung 2014 hat sich das Start-up zu eines der größten Buchungsportalen für den Bootsverleih entwickelt. Eine Seed-Finanzierung durch das Programm des Springer-Accelerators Plug and Play brachte Zizoo damals 800.000 Euro ein. 2016 erhielt das Start-up rund 1,7 Millionen von Investoren aus Europa und den USA. Vielversprechend ist auch das Wachstum: Durchschnittlich rund 35 Prozent monatlich konnte das Start-up eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr verzeichnen.

5. Tourlane

Wer lieber individuell verreist statt eine Pauschalreise zu buchen, wird im Reisebüro oft nicht richtig beraten. Das fanden zumindest Julian Stiefel und Julian Weselek. Daher gründeten sie 2016 das Beratungsportal „Akawy“. Seit Juni 2017 arbeitet das Start-up unter dem Namen „Tourlane“. Kunden können online eine Auswahl treffen, erhalten Angebote – und werden dabei von Reiseexperten beraten. Auch die Buchung ist direkt über die Plattform möglich. Das Konzept des ehemaligen Airbnb-Mitarbeiters Stiefel und des ehemaligen Rocket Internet Mitarbeiters Werselek stieß auf großes Interesse: Im ersten Jahr registrierten sich rund 26.000 Nutzer. Das monatliche Wachstum von 27 Prozent im vergangenen Jahr überzeugte namenhafte Investoren. Der Airbnb-Gründer Nathan Blecharczyk, Holtzbrinck Ventures und der Swoodoo Gründer Holfgang Heigl, investierten. Das ehrgeizige Ziel des Start-ups: Tourlane soll Marktführer auf dem Online-Markt für Individual-Reisen werden.

6. Juvigo

Ein Feriencamp in den Sommerferien ist für Kinder ein spannendes Erlebnis. Damit auch jedes Kind ein passendes Abenteuer erlebt, hat Björn Viergutz „Juvigo“ gegründet. Die Idee kam Viergutz noch im Studium 2015. Anfang 2016 folgte der Launch für die Online-Plattform: Eltern können dort Ferienlager, Jugend- und Sprachreisen für Kinder und Jugendliche finden und buchen. Die Camps finden nicht nur in Deutschland statt – Ferienlager und Reisen in rund 15 Ländern sind möglich. Der Gründer legt dabei großen Wert auf den Beratungsservice. In der Kategorie Start-up gewann Juvigo den diesjährigen „Sprungbrett“-Wettbewerb vom Verband Internet Reisevertrieb (VIR).

7. Fairaway

Nachhaltige Reisen stehen bei dem 2016 gegründeten „Fairaway“ im Mittelpunkt. Das Start-up vermittelt Fernreisen in die ganze Welt – und will die Reisen dabei so nachhaltig wie möglich gestalten. Die Gründer Saskia Griep und Freek ten Broeke setzen auf die Beratung durch Experten vor Ort: Urlauber erhalten so Insider-Tipps, eine persönliche Beratung und ein maßgeschneidertes Angebot. Zusätzlich gleicht das Unternehmen die CO2-Emissionen seiner Reisen vollständig aus – und das auf eigene Kosten. Dazu spendet Fairaway Geld an ein CO2 Projekt mit dem CDM Gold Standard in Ghana. Die Gründer starteten mit der Idee bereits 2014 in den Niederlanden – dort läuft das Start-up unter dem Namen „Better Places“.