Die Software des Start-ups soll die Zusammenarbeit in der Immobilienbranche erleichtern – und bei Bauprojekten von der Planung bis zur Schlüsselübergabe genutzt werden.

Vom Planer über die Handwerker bis zu den späteren Nutzern: Es sind viele Parteien involviert, bis aus einer Skizze ein Gebäude wird – und oft genug gibt es Reibereien, die zu Verzögerungen und einer Kostenexplosion führen. „Die Prozesse in der Bauwirtschaft sind wenig effizient, die Produktivität liegt etwa 30 Prozent unter dem Level der Gesamtwirtschaft“, sagt David Uhde. Mit seinem Start-up Reinvent (Eigenschreibweise: reINVENT) will der Gründer diesen Zustand nun verbessern.

Reinvent bietet eine Cloud-Software zur Steuerung von Bau- und Immobilienprojekten, die alle Beteiligten verbinden soll. „Wir erleichtern die Kommunikation und den Datenaustausch zwischen allen Projektbeteiligten und bieten eine einheitliche Datengrundlage für alle“, sagt Uhde. Die Idee: Jeder Nutzer sieht in einer Art digitalem Cockpit die für ihn jeweils relevanten Aufgaben, Zeitpläne und Dokumente. Umständliche Excel-Tabellen, Telefonate und viele Ortsbegehungen sollen dadurch überflüssig werden.

Erstes Alstin-Investment in ein Proptech

Profitieren sollen von dem Tool alle Parteien, den größten Nutzen ziehen daraus aber Projektentwickler, Projektsteuerer und Bauunternehmen. Entsprechend wendet sich Reinvent an diese Gruppe, wenn es um den Vertrieb der Software geht. Erster großer Kunde war Ende 2017 HI Wohnbau in München, unter den aktuellen Referenzen sind beispielsweise auch Isaria, Neubauwerte, Otto Wulff, Quest und Züblin. Eine Zusammenarbeit gibt es zudem mit dem Projektmanagement-Unternehmen Drees & Sommer.

Ende 2018 hat das Münchener Start-up bereits Bayern Kapital, den High-Tech Gründerfonds (HTGF) sowie Foundamental und Astutia Ventures als Investoren gewonnen. Im Zuge einer siebenstelligen Finanzierungsrunde ist nun außerdem Alstin Capital beim Start-up eingestiegen. Geschäftsführer des Wagniskapitalfonds ist Carsten Maschmeyer, der als Start-up-Investor auch durch die Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ große Bekanntheit erlangt hat.

Finanzieller Anschub für Plattformen

Zu den letzten Investments von Alstin gehören der Online-Versicherer Neodigital und der Identitätsprüfungs-Spezialist Nect. Reinvent ist das erste sogenannte Proptech, also Immobilien-Start-up, in die Maschmeyers VC Fonds investiert hat. „Uns hat das Top-Team und der ganzheitliche Ansatz überzeugt, der Reinvent von anderen Start-ups in der Bau- und Immobilienwirtschaft unterscheidet“, sagt Kiana Mardi, „Investment Director“ bei Alstin. Im März hatte etwa Planradar aus Wien 30 Millionen Euro eingesammelt, auch Capmo aus München hat in diesem Jahr eine Millionen-Finanzierung gemeldet. Beide konzentrieren sich mit ihrer Software stark darauf, die Arbeit auf der Baustelle zu erleichtern.

Reinvent-Gründer Uhde sieht sein Unternehmen vor allem als Helfer für die Projektsteuerung und das Management – eine unmittelbare Konkurrenz zu Capmo und Planrader gebe es deswegen nicht. Ein weiterer Unterschied: Reinvent bezieht auf seiner Plattform auch die späteren Nutzer der Immobilie – also Käufer oder Mieter – mit ein. Sie können beispielsweise in einem 3D-Konfigurator die Ausstattung einer Eigentumswohnung verändern und bleiben über den Baufortschritt informiert.

Von Wohnungen zu Büros

Das frische Kapital wollen Uhde und Co-Geschäftsführer Julian Stieghorst nun nutzen, um die Software für Immobilienprojekte außerhalb des Wohnungsneubaus anzupassen. Künftig soll Reinvent auch für Gewerbeimmobilien und öffentliche Bauvorhaben genutzt werden. Unterstützt werden sollen zudem Umbauten von Bestandsgebäuden. Dafür seien beim Dokumenten-Management und bei den Workflows Anpassungen nötig, sagt Uhde. Auch personell soll das Start-up, das aktuell 25 Mitarbeiter beschäftigt, wachsen.

Weitgehend unbeschadet ist das Start-up bisher durch die Corona-Krise gekommen. Die Branche entdecke zunehmend die Vorzüge digitaler Plattformen, sagt Uhde. Auch der wachsende Kostendruck befördert die Digitalisierung, wie andere Proptechs berichten: So konnte Alasco mit seiner Finanzmanagement-Software in der Corona-Krise stark wachsen. Spannend zu sehen sein wird, inwiefern Bauunternehmen bereit sind, mehrere Software-Plattformen mit jeweils unterschiedlichen Stärken zu nutzen. „Ich glaube, die Zukunft ist kollaborativ“, sagt Uhde. „Wir möchten das derzeitig entstehende digitale offene Ökosystem durch Schnittstellen zu anderen Lösungen aktiv mitgestalten.“