Wie schwierig ist es, die örtlichen Kontakte aufzubauen?
Mittlerweile werden wir angefragt aus den Städten, viel geht dabei über meine Person. Wir spüren aber generell großes Interesse von Unternehmen vor Ort wie Energieversorgern, Sparkassen und Volksbanken, und vor allem von Hochschulen: Den Unis mangelt es in der Regel an Räumen, um Ausgründungen unterzubringen. Außerdem spielt uns in die Karten, dass im Koalitionsvertrag Gründer-Förderung durch Hochschulen festgelegt ist. Auch die Stadtregierungen sind angetan: Hildesheim bewirbt sich zum Beispiel um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 – dabei sind wir ein kleiner Teil der Infrastruktur und besetzen das Thema Gründerkultur.

Vor welchen Hürden stehen Sie beim Aufbau der Gründer-Zentren – trotz der Bekundungen Ihrer Unterstützer?
Wenn wir in Regionen gehen, in denen es noch gar nichts vergleichbares gibt, sorgen wir für einen großen Aha-Effekt. Viele Politiker und Unternehmer dort wissen nicht, wie es in einem Coworking-Space aussieht, haben noch nie eine Tischtennis-Platte im Großraum-Büro gesehen. Wir merken aber auch, dass viele Menschen das Thema Start-ups nicht richtig greifen können: Es gibt wenig Verständnis dafür, wie eine junge Firma bereits mit sechs bis acht Millionen Euro bewertet sein kann. Das geht gegen das eingesessene Unternehmertum.

Ist die Unterstützung von Neugründungen nicht eigentlich Kernaufgabe der lokalen Wirtschaftsförderung?
Am Beispiel Niedersachsen lässt sich gut erkennen: Die Wirtschaftsförderung hat ihre Kernkompetenz sehr breit aufgestellt – das muss auch so sein, weil Selbständige aller Art mit Fragen kommen, ob Maler, Frisör oder Internetunternehmer. Meiner Meinung nach funktioniert die Unterstützung hier sehr gut. Denn die lokale Wirtschaftsförderung muss nach dem Standard-Modell vorgehen, um alle abzuholen. Wenn es aber um spezielle Anliegen in Verbindung mit Digital-Themen oder Technologie geht, ist die nötige Kompetenz im Detail nicht vorhanden.

Selbst bei anfänglich hohem Interesse seitens der Städte – wird sich das Konzept aus Ihrer Sicht langfristig tragen?
Was mich positiv stimmt, ist die Entwicklung der Coworking-Spaces, die wir in Berlin oder London sehen – zum Beispiel bei Wework ist die Auslastung enorm und es gibt noch viele weitere Player am Markt. Natürlich ist der Start in kleineren Städten ein Stück weit eine Wette, dass dieser Trend sich fortsetzt. Persönlich wäre ich bei einer Auslastung von 70 oder 80 Prozent schon glücklich.

Um Gründer vor Ort professionell zu fördern, brauchen Sie gut vernetztes Personal mit spezifischem Know-how. Wie wollen Sie die nötigen Mitarbeiter finden?
Die Orangery wird dort eröffnet, wo es bereits eine Hochschule oder eine Uni mit einem Lehrstuhl für Entrepreneurship gibt. Das heißt, dort gibt es schon Affinität zum Thema Gründen. Durch die eine oder andere Erfolgsmeldung werden wir außerdem Leute überregional anziehen. Berlin hat zwar den Vorteil, viele Fachkräfte anzulocken – auch durch eine große Entwicklercommunity –, aber die Gehälter und die Fluktuation sind bereits sehr hoch.

Wie finanzieren Sie den Wachstumskurs der Orangery?
Wir stellen uns rein privatwirtschaftlich auf, beteiligt sind bekannte Investoren wie Martin Kind, Gründer des Hörgeräte-Herstellers Kind und Vorstandsvorsitzender des Fußball-Klubs Hannover 96. Ich selbst stecke auch mein Privatvermögen in die Orangery. Ich bin seit dem 21. Lebensjahr als Gründer unterwegs und habe 2014 mein erstes Start-up verkauft. Darüber hinaus bewerben wir uns um Fördergelder des Landes Niedersachsen. Ein Jahr nach der Gründung decken unsere monatlichen Mieteinnahmen aus dem Coworking bereits die Kosten auch des Accelerator-Programms – mit inzwischen einem leichten Plus.