Um sich Nachschub für den Online-Shop zu sichern, treibt das Start-up einen Abo-Dienst voran. Das lockt neue Investoren an.

Gebrauchte E-Bikes wieder in Schuss bringen und mit deutlichem Abschlag zum Neupreis weiterverkaufen: Dass sie mit dieser Idee einen Nerv getroffen hatten, merkten der ehemalige Microsoft-Manager Sven Erger und der Seriengründer Thomas Bernik schon kurz nach dem Start ihres Online-Shops im Juni 2018. Gerade einmal fünf Stunden war Rebike überhaupt im Internet erreichbar, als die erste Bestellung reinkam. So sehr sich die Gründer über rasch steigende Verkaufszahlen auch freuten – der Blick auf den schrumpfenden Lagerbestand bereitete ihnen bald Kopfzerbrechen.

Die ersten E-Bikes hatte das Duo noch mühsam von Privatleuten gekauft. Bewaffnet mit der App von Ebay Kleinanzeigen sei er wochenlang quer durch Deutschland gefahren, berichtet Erger. „Uns war klar, dass das auf Dauer zu aufwendig sein würde“, sagt der Hobby-Rennradfahrer. „Wir sind deswegen an die Hersteller ran, um Test- und Vorführ-Bikes zu bekommen.“ Doch auch deren Bestände waren schneller erschöpft als erhofft.

Vier Millionen Euro Wagniskapital

So aufreibend die ersten Monate waren: Im Nachhinein waren die Nachschubsorgen für das Münchener Start-up ein Glücksfall. Denn sie brachten die Gründer dazu, Kurs auf einen Wachstumsmarkt zu nehmen: Seit September 2019 bietet das junge Unternehmen auf einem weiteren Portal neue E-Bikes zur Vermietung an. Die Rückläufer landen dann in der Kemptener Werkstatt, wo Verschleißteile erneuert werden und die Räder für der Verkauf vorbereitet werden. Versendet wird deutschlandweit.

Mehr als 1000 Abos sind Angaben der Gründer bereits abgeschlossen worden, jetzt wollen sie noch einmal einen Gang hochschalten: „Wir werden das Marketing für den Geschäftsbereich hochfahren“, sagt Erger. Spielräume eröffnen sich dem Start-up mit aktuell 50 Mitarbeitern durch eine neue Finanzierungsrunde, bei der die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft eingestiegen ist. Zusammen mit den Bestandsinvestoren Vorwerk Ventures und STS Ventures hat der Mittelstandsfinanzierer vier Millionen Euro in Rebike Mobility gesteckt.

Boomender E-Bike-Markt

Die Geldgeber lockt, dass das Start-up seinen Umsatz 2020 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln konnte – auf rund sieben Millionen Euro. Der allgemeine E-Bike-Boom sorgt für Rückenwind: Schon seit Jahren zeigen die Absatzzahlen nach oben, in der Corona-Krise ist die Nachfrage noch einmal stark gestiegen. Davon profitieren zunehmend Start-ups: So konnten die E-Bike-Hersteller Vanmoof und Cowboy im vergangenen Jahr reichlich Wagniskapital einsammeln. Auch Verleihmodelle, wie sie etwa Sigo mit elektrischen Cargo-Bikes anbietet, profitieren.

Rebike Mobility zielt mit Abo auf Kunden, die motorisierte Fahrräder erst einmal länger ausprobieren wollen, bevor sie mehrere Tausend Euro auf den Tisch legen. Eine weitere Zielgruppe seien E-Bike-Fans, die stets ein neues Modell fahren wollen, sagt Bernik. „Der technologische Wandel geht in dem Segment noch sehr schnell vonstatten.“ Vergleichbar sei das mit dem Smartphone- und Handy-Markt, wo Hersteller wie Apple inzwischen ebenfalls Abos anbieten.

Fahrräder von zwölf Marken hat das Start-up im Portfolio – vom City-Rad über Mountainbikes bis hin zu Rennrädern. Abhängig vom Modell und der Mietdauer, die mindestens drei Monate beträgt, werden Monatsraten zwischen 80 und 200 Euro fällig. Versprochen wird dafür eine sorgenfreie Nutzung: Enthalten sind eine Versicherung, Verschleißteile und Reparaturen. Rebike Mobility arbeitet dafür mit stationären und mobilen Fahrradwerkstätten zusammen.

Konkurrenz aus den Niederlanden

Dass Abo-Modelle auf dem Fahrradmarkt grundsätzlich angenommen werden, zeigt der Erfolg von Swapfiets. Das niederländische Start-up hat nach eigenen Angaben in Deutschland mehr als 60.000 Abonnenten. Neben klassischen Hollandrädern wird mittlerweile auch eine E-Bike angeboten. Mit Dance steht außerdem ein Berliner Start-up in den Startlöchern, das ein selbst entwickeltes Modell als Abo vertreiben will.

Die Rebike-Gründer sehen der Konkurrenz gelassen entgegen – und verweisen auf die wesentlich größere Auswahl ihrer eigenen Plattform. Auf ein Filialnetz wie bei Swapfiets wollen sie vorerst verzichten. Rebike Mobility betreibt allerdings in Bayern bereits zwei Ladenlokale, wo E-Bikes tageweise an Touristen verliehen werden. Mit dem Kapital aus der Finanzierungsrunde wollen die Gründer auch Geschäft mit Gebrauchtfahrrädern ausbauen. „Wir investieren darin, in kürzerer Zeit mehr Fahrräder durchschleusen zu können“, sagt Bernik. Außer aus der eigenen Flotte kommt der Nachschub inzwischen auch von anderen Fahrradverleih- sowie Leasinganbietern.