In einer neuen Finanzierungsrunde wirbt der Betreiber von „Weltsparen“ über 100 Millionen Euro ein – und will nun weiter expandieren.

Ein gutes Jahr ist es her, dass Raisin in einer Finanzierungsrunde den Zahlungsdienstleister Paypal als Unterstützer gewonnen hat. Nun haben Bestandsinvestoren – neben Paypal sind das die Wagniskapitalfirmen Index Ventures, Ribbit Capital und Thrive Capital – nachgelegt, wie das in Deutschland unter dem Markennamen Weltsparen bekannte Unternehmen heute mitteilte. Demnach verbuchte das in Berlin ansässige Start-up einen Geldeingang in Höhe von 100 Millionen Euro.

Angaben dazu, wie hoch die Unternehmensbewertung nun ist, macht Raisin nicht. Sie dürfte aber vergleichbar sein mit des Hamburger Konkurrenten Deposit Solutions: Der Betreiber der Portale Zinspilot und Savedo hatte vergangenen Sommer 100 Millionen Dollar eingesammelt und eine Bewertung von 500 Millionen Dollar genannt. Beide Unternehmen dürften also gute Chancen haben, nach der Smartphone-Bank N26 als nächste deutsche Fintechs in den Club der „Einhörner“ aufzusteigen.

Sowohl Raisin als auch Deposit Solutions vermitteln über ihre Portale europaweit Sparprodukte. So können beispielsweise Anleger aus Deutschland Geld auf dem Festgeld- oder Tagesgeldkonto einer finnischen Bank parken, ohne dort direkt ein Konto zu eröffnen. Trotz Niedrigzinsen sollen Sparer so zumindest noch eine kleine Rendite einfahren. Raisin gibt an, seit dem Start 2012 mehr als zehn Milliarden Euro an Partnerbanken vermittelt zu haben und insgesamt 80 Millionen Euro Zinsen erzielt zu haben.

Hohe Marketingausgaben

Profitabel ist das Berliner Start-up indes noch nicht, wie CEO Tamaz Georgadze im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer bestätigte. Ein Grund sind die hohen Marketingausgaben: „Die Akquisitionskosten für Neukunden sind in der Finanzbranche generell sehr hoch“, sagte er. „Entscheidend für uns ist, dass wir sehr loyale Kunden haben, die unsere Dienste wiederholt in Anspruch nehmen.“

Raisin setzt deswegen darauf, das Portfolio um zusätzliche Angebote zu erweitern. Bereits seit knapp einem Jahr bietet das Fintech zusammen mit dem Finanzdienstleister Vanguard und der Depotbank DAB BNP Paribas ETF-Portfolios an. Diese passiv gemanagten Fonds investieren in Aktien und Anleihen weltweit. „Ein hoher einstelliger Prozentsatz unserer Kunden nutzt das neue Angebot bereits“, so Georgadze.

Außer in einer breiteren Produktpalette sieht der ehemalige McKinsey-Berater Wachstumspotenzial im europäischen Ausland, in den kommenden Monaten sollen mindestens zwei Länder hinzukommen. Schon jetzt gibt es Seiten für Frankreich, Spanien und Österreich. In Großbritannien – dem nach Unternehmensangaben zweitgrößten Einlagenmarkt in Europa – hatte Raisin das britische Fintech PBF Solutions gekauft.

Übernahmen geplant

„Strategische Übernahmen sind auch für unsere nächsten Expansionsschritte eine Option“, sagte Georgadze. Für eine bessere Auslastung der Plattform strebt das Start-up zudem Kooperationen mit Banken an, die das komplett in das eigene Angebot integrieren. Bisher nutzen diese Möglichkeit in Deutschland sowie Telefónica mit dem Ableger o2 Banking. Für die Wachstumspläne soll auch das Team aufgestockt werden – aktuell sind in Berlin und Manchester bereits 260 Mitarbeiter beschäftigt.

Ein Börsengang ist für das Start-up laut Georgadze noch kein Thema – „zumindest nicht in den nächsten drei bis vier Jahren“. Er verweist darauf, dass Raisin am 12 Billionen Euro schweren Gesamtmarkt für private Bankeinlagen im Euro-Raum noch einen verschwindend geringen Anteil hat. Vor einem Gang aufs Parkett soll die Kundenzahl, die aktuell bei 160.000 liegt, noch deutlich steigen.