Das Berliner Start-up hinter „Weltsparen“ will seine Plattform auf dem US-Markt etablieren. Bis dort erste Kunden gewonnen sind, vergehen aber noch Monate.

Das Fintech Raisin hinter dem Zinsportal „Weltsparen“ wagt den Schritt in die USA. Derzeit sei eine US-Gesellschaft in Gründung, außerdem arbeite das Berliner Start-up am Vertragswerk etwa zur Anstellung neuer Mitarbeiter, wie Geschäftsführer Tamaz Georgadze im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer sagte. Das US-Team startet in einem New Yorker Büro – organisiert vom „German Accelerator“-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums. Der Leiter der amerikanischen Geschäftseinheit Paul Knodel arbeitet aber noch von Kalifornien aus. „Wir befinden uns in den USA in einer frühen Gründungsphase und haben uns noch nicht final entschieden, welchen Standort wir wählen“, so Georgadze.

Das 2012 gegründete Fintech betreibt eine Plattform, die Sparprodukte an Verbraucher vermittelt – verbunden mit dem Versprechen, im Niedrigzinsumfeld die Ersparnisse zu optimieren. So können etwa Anleger aus Deutschland Geld auf dem Festgeld- oder Tagesgeldkonto einer Bank in Skandinavien parken und dadurch im Optimalfall insgesamt höhere Zinsen erzielen – ohne dort ein extra Konto zu eröffnen. Bislang konnte Raisin damit nach eigenen Angaben 175.000 Kunden aus mehr als 30 Ländern in Europa gewinnen. Die Höhe der Spareinlagen beziffert das Fintech auf 13 Milliarden Euro.

Gedacht ist die Plattform als grenzüberschreitendes Angebot. Allerdings werden die Kunden in den USA aufgrund der rechtlichen Vorgaben und unterschiedlichen Zahlungssysteme erst einmal nur auf Sparproduke amerikanischer Banken und Institute zugreifen können. Bis Raisin damit in den USA gezielt auf Kundenfang geht, wird zudem noch einige Zeit vergehen. „Wir wollen das innerhalb der kommenden zwölf Monate erreichen, also bis zum Frühsommer 2020 soweit sein“, sagte Georgadze im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer. Zunächst müssten unter anderem Schnittstellen zu Partnerbanken geschaffen werden.

Suche nach Kooperationen

Mit welchen amerikanischen Instituten Raisin zusammenarbeiten will, verrät der Gründer nicht. Er verweist auf laufende Gespräche. In Europa konnte das Gründerteam aus CEO Tamaz Georgadze, Finanzchef Frank Freund und COO Michael Stephan inzwischen 75 Partnerbanken auf die Plattform ziehen. Kooperationen bestehen etwa mit der Digitalbank N26 und der Commerzbank. Neue Hausbank ist die Frankfurter MHB-Bank, die das Fintech erst Anfang März übernommen hat. Einen ähnlichen Vorstoß in den USA schließt Georgadze nicht aus: „Wir stehen dem Gedanken, ein lokales Team einzukaufen, grundsätzlich offen gegenüber und sehen uns alle Optionen an.“

Von der Starthilfe durch das „German Accelerator“-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums erhofft sich Raisin organisatorische Vorteile. Als hilfreich erachtet Georgadze zum Beispiel die Unterstützung und Beratung zu Visa-Anträgen für die Mitarbeiter. Eine Empfehlung kam von der Partnerbank N26, die das New-York-Programm selbst durchlaufen hat, erklärte Georgadze.

Mit dem Schritt in die USA will sich das Fintech mit aktuell insgesamt 300 Mitarbeitern Anteile am gewichtigen US-Einlagengeschäft sichern – Raisin sieht ein Marktpotenzial von 12,7 Billionen US-Dollar. Für die amerikanischen Anleger rechnet das Start-up, bis zu 2,7 Prozent Zinsen und somit das 270-fache des üblichen Satzes erzielen zu können.

Finanziert mit 170 Millionen Euro

Frisches Kapital nimmt die Plattform für die Expansion nicht auf. Mit der aktuellen Finanzierung soll das Fintech bis zur Profitabilität kommen, kündigt der Geschäftsführer an. Bislang flossen 170 Millionen Euro an die Berliner Gründer, zuletzt kamen bei einer Finanzierungsrunde im Februar 100 Millionen Euro zusammen. Zu den Kapitalgebern zählen der amerikanische Zahlungsdienstleister PayPal sowie Index Ventures, Orange Digital Ventures, Ribbit Capital und Thrive Capital.

Bei der Gesamtbewertung sind Raisin und der Hamburger Rivale Deposit Solutions auf Kurs, um in den Club der sogenannten Einhörner mit einem Firmenwert von mehr als einer Milliarde Euro aufzusteigen. Deposit Solutions konnte sich mit seinen Portalen Zinspilot und Savedo im vergangenen Sommer 100 Millionen Dollar sichern.