In der Logistik sind Gabelstapler, Roboter und Waren künftig eigenständig unterwegs – das Frankfurter Start-up arbeitet daran, Chaos im Lager zu verhindern

Von der richtigen Seite an das Regal heranfahren, geschlossene Tore und Hindernisse rechtzeitig erkennen und alternative Wege einschlagen: Um ein Ortungssystem für selbststeuernde Lagerfahrzeuge wie Gabelstapler weiterzuentwickeln, erhält das Frankfurter Start-up Quantitec eine Wachstumsfinanzierung in Höhe von 3,9 Millionen Euro. Geldgeber sind LEA Partners, Vito Ventures, Tengelmann Ventures und einige nicht namentlich genannte Business Angels, wie das Unternehmen heute bekanntgab. Ziel sei es, einen Standard in der Logistikbranche zu setzen – und in Zukunft nicht nur Objekte im Lager möglichst ohne Zeitverzögerung orten, sondern auch optimiert steuern zu können, sagte Ersan Günes, Mitgründer und Geschäftsführer von Quantitec, im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Quantitec stattet Fahrzeuge und Warenbehälter in Lagerhallen mit Sensoren aus, die die Position derzeit auf 8,5 Zentimeter genau erfassen. Die Lagedaten fließen anschließend an eine IoT-Plattform, wo sie beispielsweise zur Steuerung von autonomen Fahrzeugen ausgewertet werden können. Noch bestehen Hürden: Zunächst müssen die jeweiligen Objekte unterwegs zuverlässig miteinander kommunizieren können. Ein neues Pilotprojekt startet das Frankfurter Start-up nun mit dem Autokonzern Daimler, der Behälter mit Ersatzteilen sowie die Transportfahrzeuge im Lager verfolgen lassen will. Insgesamt 35 Kunden konnte das Start-up nach eigenen Angaben inzwischen gewinnen.

Die Finanzspritze soll der 2013 gegründeten Firma dabei helfen, das Team bis Ende des Jahres von derzeit 25 Mitarbeitern auf 50 aufzustocken. Mit seinem Hauptsitz zieht das Start-up in den kommenden Monaten nach Eschborn bei Frankfurt und eröffnet zudem ein Büro in München. Quantitec will zunächst im deutschsprachigen Raum wachsen und ab Ende 2020 einen Vertrieb in Nordamerika aufbauen. Auch eine Ausdehnung über die Branchen Produktion und Logistik hinaus kommt für Geschäftsführer Günes in Frage: „Großes Potenzial sehen wir auch im Pharma- und Gesundheitsbereich – denkbar wäre zum Beispiel, selbstfahrende Betten und Pflegeroboter zu orten und künftig auch zu steuern“, so der 33-Jährige.

Hardware-Geschäft mit Ablaufdatum

Fest steht bereits, dass Quantitec einen Geschäftsbereich aufgeben will: „Die Hardware ist für uns momentan nur Mittel zum Zweck“, sagte Günes zu WirtschaftsWoche Gründer. „Wir wollen uns in Zukunft rein auf die Software konzentrieren und sie so weiterentwickeln, dass wir einen Standard bilden – wie das SAP geschafft hat.“ Der genaue Zeitpunkt für den Schritt sei allerdings noch nicht abzusehen. Denn derzeit liefere die Hardware anderer Hersteller noch nicht die notwendige Datenqualität – oder der Zugang sei beschränkt, so Günes.

Nicht auf der eigenen Hardware zu beharren, sieht der Firmengründer als wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz. Die ist derzeit vielerorts ebenfalls erfolgreich auf der Suche nach Investoren: Umgerechnet rund 13,2 Millionen Euro erhielt zum Beispiel das Start-up Nexiot aus Zürich im Januar, um das Tracking von Containern auf dem Schiff und Fracht auf Schienen zu verbessern.