Einblicke in die Wasserversorgung will Pydro liefern – mit einem Turbinensystem, das energieautarke Sensoren in Leitungen ermöglicht. Als neuer Standort hat nun Rostock überzeugt.

Die Entwicklung und Produktion seiner Turbinensysteme verlagert das Hamburger Start-up Pydro nach Rostock. „Investitionsklima, Fachkräfte und starke regionale Partner bieten uns hier ein tolles Umfeld für unsere weitere Entwicklung“, lässt sich Gründer Mulundu Sichone in einer aktuellen Pressemitteilung zitieren. Punkten konnte die Stadt insbesondere durch die Nähe zu Sparringspartnern aus der Wissenschaft: So sucht Pydro engeren Kontakt zur Universität Rostock und dem Lehrstuhl für Strömungsmaschinen unter der Leitung von Frank-Hendrik Wurm.

Pydro verfolgt mit seinem Turbinensystem das Ziel, die Wasserinfrastruktur transparenter machen. Hintergrund sind neue rechtliche Regeln, die mehr Daten aus dem Leitungsnetz erfordern – wie etwa Trinkwasserrichtlinien der EU. So will Gründer Sichone ein Problem bei der Digitalisierung von Wassernetzen lösen: Turbinen in den Leitungen sollen Versorgern ermöglichen, energieautarke Sensoren und Messgeräte einzusetzen. Denn batteriebetriebene Systeme sind meist wartungsintensiv, und die Installation an häufig schwierig zugänglichen Stellen zusätzlich kompliziert und teuer.

Stadt lockt mit „Warnow-Valley“

Vom Umzug an die Warnow erhofft sich der Gründer von Pydro zusätzliche Unterstützung: „Beim Schritt hierher war Rostock Business für uns ein wichtiger Faktor“, äußert sich Sichone zur Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung der Stadt. „Angefangen bei der Suche unseres Büros, über die Vermittlung von Partnern, bis hin zur Investorensuche.“ Der Kontakt zu den Gründer-Beratern der Stadt kam über die Förderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Genius Venture Capital, zustande. Der regionale Risikokapitalgeber richtet sich an innovationsgetriebene Technologieunternehmen in der Gründungs- und frühen Wachstumsphase.

Künftig kommt die 2016 gegründete Firma Pydro bei dem Coworking-Anbieter „@Work-Office-Spaces“ unter – einer von drei Standorten in Rostock, die sich gezielt an Gründer richten, wie Andreas Kurz von Rostock Business auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer erklärt. Raum für junge Unternehmen bieten auch das „Haus der Innovation“ und „Projekt:Raum“ im sogenannten Warnow-Valley, einem Gewerbezentrum am Rostocker Stadthafen. Sechs zusätzliche Innovationszentren sollen künftig nach dem Willen der Landesregierung an Hochschulstandorten in Mecklenburg-Vorpommern entstehen. Ein entsprechender Beschluss fiel im Frühjahr 2018 mit der Digitalen Agenda.

Ausgründungen als Aushängeschild

Die regionale Wirtschaftsförderung wirbt aktiv um junge Firmen, indem sie direkte Kontakte zu Professoren, Ministern, Bürgermeistern und Geschäftsführern verspricht. „Im Gegensatz zu den großen Metropolen wir Hamburg, Berlin, Köln oder München sind die Start-ups nicht einfach eines von vielen. Wir bieten den Gründern kurze Kommunikationswege“, sagt Berater Andreas Kurz zu WirtschaftsWoche Gründer. Er verweist außerdem auf Start-up-Netzwerke in der Stadt, die zum Beispiel auch durch das Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) und den Forschungsverbund MV entstünden.

Wie Pydro profitierten viele junge Unternehmen auch vom Kontakt zu den in der Stadt ansässigen Wissenschaftlern, so Kurz. Die Universität sei sehr offen für Kooperations- und Forschungsvorhaben von Start-ups – allen voran der Lehrstuhl für Informations- und Kommunikationsdienste unter Leitung von Clemens Cap. Als Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen durch Studierende nennt Kurz den 3D-Drucker-Hersteller Aim3D und DEJ Technology hinter der Marke Koopango, die sich auf ortsabhängige Kundenkommunikation in Geschäften fokussiert. Die Idee zu Peilsendern zur Verhinderung von Fahrrad-Diebstählen stammt ebenfalls aus Rostock – die Firma Million Hunters musste jedoch ein Jahr nach dem Marktstart aufgeben, wie im November vergangenen Jahres bekannt wurde.