Das Münchener Team berechnet aus Handyvideos die passenden Kleidergrößen für Online-Kunden. Das soll die Retourenquote senken. Ein US-Accelerator glaubt an Technik und Gründer.

Ein T-Shirt in M, L und vorsichtshalber XL, den Pullover gleich in dreifacher Größe dazu: Viele Nutzer in Online-Shops packen gleich mehrere Größenvarianten in den Einkaufskorb, um auf Nummer sicher zu gehen – und senden nach dem Anprobieren die unpassenden Exemplare zurück. Die hohe Retourenquote ist für viele E-Commerce-Händler ein teures Problem.

Ein noch junges Münchener Start-up will hier Abhilfe schaffen: Erst in diesem Jahr gründeten drei Absolventen des Center for Digital Technology and Management das Unternehmen Presize – zuvor hatten sie ein Jahr neben ihrem Studium an dem Produkt gearbeitet. Ihre Software berechnet aus einem fünfsekündigen Video, welches die Nutzer mit ihrem Smartphone aufnehmen. Vor der Kamera müssen sie sich einmal um die eigene Achse drehen. Das Programm erkennt dabei die Körpermaße – und kann entsprechende Kleidergrößen empfehlen.

Testeinsatz bei Maßschneidereien

Einige Maßschneidereien, die online um Kunden werben, haben das Tool bereits im Testeinsatz. Im Juni soll der reguläre Einsatz dort starten. Und bis zum Herbst wollen die Gründer auch größere Online-Händler gewinnen. Zu Beginn soll das Programm, das nach Angaben der Gründer in die bestehenden Online-Shops integriert werden kann, gegen eine Gebühr pro Nutzung vertrieben werden. „Den Mehrwert in Form von Retourenreduktion stellen wir derzeit in unseren Pilotprojekten unter Beweis“, sagt Leon Szeli im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. „Später könnte man durchaus auch leistungsorientiert abrechnen.“

Sorgt das Tool also tatsächlich für höhere Umsätze oder geringere Rücksendequoten, würde Presize daran beteiligt. Dafür greift das Start-up auch auf die Produktdatenbank zurück – schließlich fallen viele Größen bei unterschiedlichen Herstellern auch unterschiedlich aus. Die Software soll aus der Kombination von Körpermaßen, Käufen und Rücksendungen lernen, welche Maße wirklich zu welcher Kleidergröße führen.

Plug and Play investiert in Presize

Mit Technologie und Geschäftsmodell hat Presize jetzt schon einen namhaften US-Accelerator und -Investor überzeugt. Plug and Play, die zu den frühen Förderern von Google oder Dropbox gehören, führt eine erste kleine Investmentrunde über einen signifikanten sechsstelligen Betrag an. Plug and Play betreibt von München aus ein Programm für Handels-Start-ups. Auf dieses Netzwerk haben die Presize-Gründer nun Zugriff. Daneben beteiligen sich noch Privatinvestoren.

Für etwa ein Jahr sollte das Geld im Idealfall reichen, sagt Mitgründer Szeli. In der Zeit soll die Software bereits reif für die Skalierung gemacht werden. „Das Problem der Retouren ist ein bekanntes in der Branche“, sagt Szeli, „daher stoßen wir da auf sehr offene Ohren.“ Mit großen Ambitionen ist etwa das japanische Unternehmen Zozo unterwegs – sie nutzen einen Körperscan via Smartphone, um maßgeschneiderte Anzüge herzustellen. In Europa stellt das Start-up aber in diesen Tagen seine Dienste ein.