Offenbar sei zudem die Umzugshilfe – also die Hilfe dabei, Daten wie E-Mails oder Kalender in eines neues Postfach zu verlegen – bei anderen miteingeflossen in die Bewertung. „Bei uns wurde diese hingegen nicht berücksichtigt und bewertet“, sagt Löhr. Rechtliche Schritte will Posteo nicht gehen. „Wir sind ein kleines Unternehmen mit einem kleinen finanziellen Rahmen“, sagt Löhr.

Nicht nur Posteo regte sich über den Artikel auf. Der Anbieter Mail.de teilte laut „Zeit Online“ mit: „Unserer Meinung nach hätten Veränderungen an den Testurteilen stattfinden oder gar ein neuer Test veranlasst werden müssen.“ Der E-Mail-Dienst Freenet prüft nach Angaben von „Golem.de“ sogar rechtliche Schritte. Freenet, im Test Letzter, beschwert sich anders als Posteo allerdings nicht über die Mängel, sondern über die Bewertung seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

„Das darf uns nicht passieren“

Die Stiftung Warentest hingegen bedauert die falschen Aussagen. „Das darf uns nicht passieren“, sagt eine Sprecherin. Wie es zu den Fehlern gekommen ist, kann sich die Verbraucherinstitution nicht erklären. Wenn die Stiftung Warentest einen Test herausbringt, geht dieser im Normalfall über mehrere Ebenen – es gibt einen Projektleiter, der den Test betreut, einen Journalisten, der die Ergebnisse in einem Artikel zusammenfasst, und einen sogenannten Verifizierer, der die Fakten untersucht, um nur ein paar Instanzen zu nennen.

Um herauszufinden, wie die Fehler zustande kamen, müssten sich alle zusammensetzen, so die Sprecherin. Da der Verifizierer aber gerade in Neuseeland sei, sei es dazu noch nicht gekommen. Doch: „Es liegt in unserem eigenen Interesse, das aufzuklären, damit das nicht noch mal vorkommt.“

Intransparenz will sich die Stiftung deshalb nicht vorwerfen lassen. „Wir haben uns intensiv damit auseinander gesetzt“, heißt es von der Institution. Das Urteil insgesamt in der Tabelle bleibe aber auch nach neuer Bewertung bestehen. Das, von dem andere denken würden, dass es bewertungsrelevant gewesen sei, „war eben nicht relevant“, so die Sprecherin.

Über die Meinungsverschiedenheiten mit Posteo sagt sie: „Wir sind uns in den meisten Punkten einig, aber nicht in allen.“ Der E-Mail-Anbieter sei durch den Test ja nicht benachteiligt. In der neuen Ausgabe widmet die Stiftung dem umstrittenen Test immerhin eine dreiviertel Seite: zu den Themen Verschlüsselung, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Umzugsdienst. Mehr Aufklärung gibt es nicht. Bislang.