Seit sechs Jahren ist Planradar aus Wien mit einer Baumängel-Software unterwegs – und sieht seinen Markt noch weitgehend unbearbeitet.

Mit neun weiteren Standorten in Europa, Australien, Russland und auf der Arabischen Halbinsel will Planradar im Laufe des Jahres näher an potenzielle Kunden rücken. Der persönliche Kontakt zählt nach wie vor in der Baubranche, erklären die Gründer Sander van de Rijdt und Ibrahim Imam. Seit 2014 arbeiten sie an einer Software, die Stift und Papier von Baustellen verbannen soll – gerade am Anfang mit viel Überzeugungsarbeit verbunden.

„Dass Proptechs seit ein paar Jahren immer mehr Aufmerksamkeit bekommen, hat uns auch geholfen“, sagt van de Rijdt zu WirtschaftsWoche Gründer. Etwa seien Smartphones inzwischen auf der Baustelle angekommen. „Wir sind jetzt in einer Situation, in der unsere Ansprechpartner wissen, dass sie bei der Digitalisierung reagieren müssen“, so der Geschäftsführer von Planradar. Viel Luft nach oben sehen die Chefs des Wiener Proptechs dennoch: 8000 Kunden sollen allein in diesem Jahr dazukommen. Gelingt der Sprung, hätte das Start-up bereits 15.000 Unternehmen wie Strabag, Siemens und Vonovia überzeugt.

Experimente mit Geodaten

Planradar lockt Bauleiter und -sachverständige sowie Projektentwickler mit Zeitersparnis: Statt mit Fotoapparaten, Diktiergeräten und Excel-Tabellen zu hantieren, lassen sich in einer App oder am PC Mängel direkt vor Ort digital festhalten. Die Software hilft außerdem dabei, ausstehende Arbeiten im Blick zu behalten und Aufgaben zwischen mehreren Beteiligten zu übergeben. Bis zu sieben Arbeitsstunden in der Woche soll die Software einsparen, erklären die Gründer mit Verweis auf Nutzerumfragen. Momentan aber stehen viele Unternehmen noch am Anfang: So bleibe die Dokumentation auf Baustellen oftmals ganz auf der Strecke, weil der Prozess so mühsam sei. „Dabei fehlen so die wichtigen Nachweise, um zum Beispiel Streitfälle zu lösen“, sagt Geschäftsführer Ibrahim Imam.

Künftig will Planradar auch Standortdaten nutzen, um etwa Besichtigungen auf der Baustelle einfacher und schneller zu dokumentieren: So soll das System die eingetragenen Informationen automatisch auf bis zu 20 Zentimeter genau im Plan markieren. „Eine Verknüpfung mit Geodaten finden wir vor allem bei größeren Infrastrukturprojekten interessant – zum Beispiel im Straßen- und Schienenbau oder im Tourismus etwa bei Hotelprojekten“, so Imam.

Aufbau von Management-Strukturen

Um seinen Vorsprung vor jüngeren Wettbewerbern wie Capmo aus München auszubauen, bekommt das Wiener Start-up kräftigen Anschub von namhaften US-Investoren: Insight Partners und Eventures steigen in einer aktuellen Finanzierungsrunde über 30 Millionen Euro ein, wie Mitte der Woche bekannt wurde. Insgesamt erhöht sich damit die Gesamtfinanzierung auf 33 Millionen Euro, nach einer in 2017 abgeschlossenen Runde. Damals wie heute beteiligt: die österreichische Venture Capital-Gesellschaft AWS Gründerfonds, der Berliner Frühphasenfonds Cavalry Ventures sowie die Beteiligungsgesellschaft der Berliner Volksbank.

Der Einstieg der US-Investoren kommt zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt: Das Team soll in den kommenden Monaten von derzeit knapp 100 auf 160 Beschäftigte wachsen. Bereits vertreten ist Planradar mit Büros in London, Zagreb und Sunnyvale im US-Bundesstaat Kalifornien. Mit fünf Personen gestartet, beschäftigt die junge Firma inzwischen Mitarbeiter im mittleren Management.

Austausch im Portfolio

Als „Leuchtturm für die gesamte Proptech-Bewegung“ soll das neue Investment laut van de Rijdt wirken. Für Planradar selbst erhoffen sich die Gründer strategische Vorteile: „Der Einstieg von US-Investoren verschafft uns einen besseren Zugang zu Know-how – vor allem der Austausch mit CEOs und CFOs der Portfoliounternehmen ist ein riesiger Mehrwert für uns“, sagt Imam. Insight Partners ist etwa an der Datenanalyse-Firma Qualtrics oder dem Lieferdienst Delivery Hero beteiligt.

Mit anderen Proptechs, die auf Baustellen unterwegs sind, will Planradar vorerst koexistieren: „Aktuell ist unsere größte Herausforderung, Kundenanfragen abzuarbeiten, deshalb sind Zukäufe für uns kein Thema“, sagt Gründer van de Rijdt. Ganz schließt er die Option jedoch nicht aus: „In Zukunft wird sicher irgendwann die Zeit kommen, in der Unternehmen zusammenwachsen.“