Noch vor dem Marktstart überzeugt Wunderlist-Gründer Christian Reber renommierte Investoren von seiner Präsentations-Software.

Einmal Konzern und zurück: Lange hielt es Christian Reber bei Microsoft nicht aus – zu kompliziert die Strukturen, zu lange die Entscheidungswege. 2015 hatte der Gründer sein Unternehmen 6Wunderkinder für eine stattliche Summe an den IT-Riesen verkauft und wurde selbst zum Angestellten. Das Produkt der Begierde: Wunderlist, eine App, mit der sich digitale To-do-Listen geräteübergreifend pflegen ließen. Nach zwei Jahren kehrte Reber seinem neuen Arbeitgeber frustriert den Rücken – und baut seither zusammen mit anderen aus dem Wunderlist-Team ein neues Start-up auf.

Microsoft dürfte das aufmerksam verfolgen, denn: Reber will den IT-Riesen frontal angreifen – mit einem Powerpoint-Konkurrenten. Pitch versteht sich als „Präsentations-Tool für die Generation Slack“. Wie beim Unternehmens-Messenger soll man mit der Software leicht zusammen an Projekten arbeiten können, zudem soll es dank zahlreicher Schnittstellen einfacher machen, Inhalte von anderen Quellen einzubinden. Auch ansprechende Vorlagen für Präsentationen werden versprochen.

Geldgeber von 6Wunderkinder steigt ein

Sich als Nutzer davon ein Bild zu machen, ist schwierig: Erst im kommenden Jahr soll die Software öffentlich verfügbar zu sein, vorher kann man sich auf einer Warteliste eintragen. Das Urteil von Wagniskapitalgebern scheint indes sehr positiv auszufallen. Wie Pitch heute mitteilte, hat das in Berlin ansässige Start-up gerade 30 Millionen Dollar eingesammelt. Erst vor einem Jahr kamen 19 Millionen Dollar bei einer Finanzierungsrunde zusammen – unter den Investoren damals war passenderweise auch Slack.

Lead-Investor nun war den Angaben zufolge Thrive Capital. Die Wagniskapitalfirma von Josh Kushner, dem Bruder von Trump-Berater Jared Kushner, war auch einer der Geldgeber von 6Wunderkinder. „Wir glauben zum einen an Pitch wegen der Produkt-Vision und zum anderen wegen des Teams“, lässt sich Josh Kushner zitieren. Das Start-up sei in einer „starken Position“, um einen Markt aufzumischen, der reif für eine Veränderung sei.

Allerdings: Pitch ist bei Weitem nicht das erste Unternehmen, dass Powerpoint vom Präsentationsthron stoßen will. Dazu gehört etwa das Linzer Start-up Presono und Prezi aus Ungarn. Der Suchmaschinenkonzern Google bietet mit „Google Slides“ ein auf Zusammenarbeit angelegtes Präsentationsprogramm an. Microsoft selbst hatte Powerpoint in den vergangen Jahren zudem ebenfalls Funktionen für ein gemeinsames Arbeiten an Präsentationen spendiert.

Reber will Wunderlist zurück

Dass Investoren dem aktuell 43-köpfigen Pitch-Team dennoch zutrauen, in dem Markt Fuß zu fassen, dürfte stark mit dem Erfolg von Wunderlist zusammen. Auch damals gab es bereits andere Apps für To-Do-Listen, dennoch konnten sich die Berliner eine treue Fangemeinde aufbauen. Während Microsoft verspricht, beim Nachfolgeprodukt „Microsoft To-Do“ einen deutlich größeren Funktionsumfang zu übertreffen, wünschen sich viele Wunderlist-Nutzer eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Software.

Auch Reber trauert dem Dienst offenbar nach: Via Twitter hat er unlängst Microsoft-Chef Satya Nadella das durchaus ernstgemeinte Angebot gemacht, Wunderlist zurückzukaufen.