Für die Entwicklung brauchte es etwa drei Jahre, rund zwölf Millionen Euro Investitionen und den richtigen Partner. Zeiser ist unter anderem für die Sicherheitsmerkmale auf Banknoten sowie nun für die Scan-Technologie von 4ARTechnologies verantwortlich. Diese bewährte sich in der Pilotphase mit tausenden Test-Scans und ist bereit für den Markteintritt – ausgerichtet auf Massenapplikation. Bei einem Handelsvolumen von rund 63 Milliarden US-Dollar wechselten 2017 beinah 40 Millionen Kunstwerke den Eigentümer; 2018 wuchs der globale Kunstmarkt laut UBS Art Basel Report um weitere sechs Prozent auf seinen zweithöchsten Stand seit zehn Jahren. Dokumentation der Stationen eines Bildes sowie Zustandsbericht mit Blick auf mögliche Beschädigungen erledigt die App – kostengünstiger und effizienter als alle anderen Verfahren, verspricht Kipouros.

Spotify als Vorbild

Ob seine Argumente die Branche überzeugen, wird sich zeigen. „Als wir erstmals mit unserer Idee an die Öffentlichkeit gingen, gab es viel Skepsis“, sagt Kipouros, der mittlerweile im Gespräch mit Versicherungen und großen Galerien sei. „Aber am Ende des Tages kann man sich einer Innovation nicht verschließen, die sinnvoll anwendbar, kostengünstig und prozesseffizient ist. Zudem werden Galeristen wie Künstler jünger. Für sie sind Digitalisierung und der Umgang mit entsprechenden Techniken Alltag.“

Schnurre sieht die Branche an dem Punkt, wo die Musikindustrie vor rund 20 Jahren stand. Kaum jemand rechnete damals mit dem Erfolg etwa von Spotify, doch letztlich war es der Branchenneuling und kein etabliertes Label, der als Streamingdienst den Markt wandelte. „Es stellt sich die Frage, wann diese Entwicklung im Kunstmarkt einsetzt. Bisher blenden die führenden Kunstmedien in Deutschland das Thema Digitalisierung weitgehend aus“, sagt Schnurre, der sich im Sektor vorzugsweise jenseits der Branche mit Investoren und Kooperationspartnern vernetzt – und beispielsweise Kontakt zu einem Spotify-Investor aufnimmt.

Künstler auf Tournee

Die Innovationsscheu sei auch ein Grund, warum Pinkwhy im ersten Anlauf scheiterte. Als 2013 kurzfristig ein Investor abgesprungen war, zwang ihn Geldmangel vom Start-up in eine Festanstellung – zumindest vorübergehend. 2015 versuchte er es erneut angespornt auch von technischen Entwicklungen. Etwa zu der Zeit als Pinkwhy seinen Online-Shop launchte, präsentierte Samsung The Frame: ein Flachbildschirm gerahmt wie ein Bild, der vom Fernseh- in den Kunst-Modus wechselt. „Der Hersteller hat in technischer Hinsicht verstanden, was wir schon lange propagieren: Ein Fernseher kann mehr als Bewegt- und Schwarzbild“, sagt Schnurre. Dieses Verständnis setze sich allmählich durch – und eröffne Marktchancen.

Schnurre denkt mit verschiedenen Unternehmen über Kooperationen nach, für deren Geräte eine Galerie wie die von Pinkwhy Mehrwert bietet. Zudem ist eine App in Planung und Schnurre denkt analog. Ein letzter Vergleich zur Musikindustrie: „Die generiert mehr als die Hälfte ihres Umsatzes über Downloads. Gleichzeitig erlebt die Schallplatte ein Revival.“ Was für Musik die Tonträger sind, sind für digitalisierte Kunst die Drucke. Mit diesen könnten die Pinkwhy-Künstler auf Tournee gehen.