Der digitale Marktplatz für die Vermittlung von Pflegekräften und Alltagshelfern erhält eine Finanzspritze. Das Geld fließt in Marketing und Produktentwicklung.

Fast genau ein Jahr ist es her, dass das Start-up Pflegix seine erste Finanzierungsrunde verkündete. Damals steckte der Berliner Business-Angel Thomas Wötzel, der selbst ein Software-Unternehmen im Pflegesektor aufgebaut, eine sechsstellige Summe in die Bochumer Plattform für die Vermittlung von Pflegekräften und Alltagshelfern.

Nun konnte Pflegix erneut einen Investor für sich gewinnen: Geldgeber ist das französische Unternehmen Europ Assistance, ein hunderprozentiges Tochterunternehmen der Generali Gruppe. Wie hoch die Summe ist, bleibt ein Geheimnis: „Wir haben mit Europ Assistance vereinbart, die Höhe des Investments nicht offenzulegen. Es handelt sich jedoch um eine signifikante Summe, mit der es uns möglich sein wird, uns längerfristig und strategisch auf dem Markt zu positionieren“, sagte Tim Kahrmann auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer.

Konkret soll das Geld in Marketingmaßnahmen und in die Produktentwicklung fließen. „Neben der Optimierungen unserer bestehenden Dienstleistungen ist zum Beispiel die Integration von medizinischen Zusatzleistungen in unsere Plattform eine Option. Die Ausarbeitung der konkreten Leistungen erfolgt in den kommenden Wochen“, so Tim Kahrmann. Auch das aktuell 13-köpfige Team soll vergrößert werden. „Durch Europ Assistance haben wir ganz neue Möglichkeiten, auf verschiedene Netzwerke zuzugreifen, die uns helfen werden, unser Wachstum zu beschleunigen.“

Pflegix wurde 2016 von Tim Kahrmann, Andreas Helget und Patrick Schramowski, der nicht mehr an Bord ist, im Entrepreneurship Zentrum Witten (EZW) der Universität Witten/Herdecke gegründet.

Der digitale Marktplatz vermittelt eigenen Angaben zufolge mehr als 11.000 Helfer, die Senioren zu Hause unterstützen. Die angebotenen Leistungen reichen von Haushaltsdiensten wie Einkaufen, Putzen und Reparaturen bis zur qualifizierten Pflege. Familien können anhand von Profilen der Helfer ihre individuellen Pflegebedürfnisse mit den Angeboten abgleichen. Die Dienstleistungen können online gebucht werden, Pflegix kümmert sich um die monatliche Abrechnung und bietet eine Haftpflichtversicherung.

In den vergangenen Jahren hat eine Reihe von Gründern das Thema Altenpflege für sich entdeckt, darunter das Berliner Start-up Careship, das über seine Plattform Betreuer vermittelt, die älteren Menschen im Haushalt helfen, einkaufen, sie zu Terminen begleiten oder einfach Gesellschaft leisten und kürzlich Geld von dem auf soziale Unternehmen spezialisierten Wagniskapitalgeber Ananda Impact Ventures einsammeln konnte. Auf die Betreuung außerhalb der eigenen vier Wände fokussiert das Thüringer Unternehmen Pflegeplatzmanager das zurzeit an einer Software arbeitet, um Patienten, die aus der Klinik entlassen werden einfacher an Pflegeheime zu vermitteln. Ein Sektor mit Zukunft: Schätzungen nach sollen allein in Deutschland bis 2020 mehr als 3,5 Millionen Pflegebedürftige leben.