Bei dem Start-up steigt der renommierte Tech-Investor Index neu mit ein. Personio will es nun zum europäischen Marktführer schaffen – trotz breiter Konkurrenz.

Der Angestellte stellt seinen Urlaubsantrag in die Software, seine Vorgesetzte gibt ihn digital frei, die Personalabteilung verbucht die Stunden: Als firmenweite Plattform für HR-Themen positioniert sich das in München ansässige Start-up Personio seit der Gründung 2015. Jetzt soll ein Sprung folgen: Mit einer Finanzierungsrunde über umgerechnet 35 Millionen Euro setzt das Start-up zu einem großen Wachstumsschub an.

Neu als Investor dabei ist nun der amerikanische Technologie-Investor Index Ventures, der in Deutschland unter anderem an dem Powerpoint-Konkurrenten Pitch oder dem Tagessgeld-Portal Raisin beteiligt ist. Danben erhöhen bei Personio die Gesellschafter Northzone und Global Founders Capital ihre Einlage, die bereits an der 10,5-Millionen-Euro-Finanzierung vor eineinhalb Jahren beteiligt waren.

Bereits im Sommer 2017 hatte das Start-up die Devise ausgegeben, sich in ganz Europa auszubreiten. Noch immer stamme aber der überwiegende Teil des Umsatzes mit den etwa 1000 Unternehmenskunden derzeit aus dem deutschsprachigen Raum, sagt Mitgründer Hanno Renner im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. 2019 solle nun aber der gezielte Sprung in andere europäische Länder folgen: „Die Strategie ist in der Mache“, so Renner.

Suche nach dem passenden Marktsegment

Personio ist dabei überzeugt, sich das passende Marktsegment für die große Expansion zurechtgelegt zu haben: Im Fokus stehen mittelständische Unternehmen mit 10 bis maximal 2000 Mitarbeitern, die ihre Personalarbeit digitalisieren wollen. Drumherum lauert durchaus auch große Konkurrenz: Spezialisierte HR-Tech-Firmen wie Workday oder Cornerstone on Demand setzen eher auf die Budgets von größeren Konzernen. Auch Softwareriesen wie Oracle oder SAP haben spezielle Module für die Personalarbeit in ihrem Angebot.

Im Mittelstand will Personio mit kurzen Einführungszeiträumen punkten. „Wir glauben, dass der Markt das Potenzial hat, einen großen Player aufzubauen“, sagt Renner. Neu-Investor Index teilt diese Vision und hofft darauf, dass Personio „das HR-Betriebssytem  für kleine und mittlere Unternehmen“ werden kann.

In den vergangenen Monaten hat das Start-up daher nach eigenen Angaben an der eigenen Organisation geschraubt und etwas da Management verstärkt. Große Teile des Investments sollen nun ebenfalls in den Ausbau von Vertriebs- und Kundenservice-Teams fließen. 150 Angestellte arbeiten bereits für das Start-up, das noch keine vier Jahre alt ist. Die eigene Software half dabei auch beim Abarbeiten der Bewerbungen: 9000 Kandidaten habe man im vergangenen Jahr begutachtet, berichtet Mitgründer Renner.