So haben die amerikanischen Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger herausgefunden, dass manche Menschen ihre Inkompetenz nicht erkennen, weil ihnen eben auch dazu die Kompetenz fehlt. Andres ausgedrückt: Für die Erkenntnis, wenig zu wissen, ist schon ein gewisses Maß an Wissen nötig.

Zudem neigen die meisten Menschen zum Egozentrismus: Sie überlegen sich, wie gut die eigenen Fähigkeiten sind, richten ihr Augenmerk aber nicht darauf, wie gut die Fähigkeiten der Wettbewerber sind. In einem bekannten Experiment ließen Forscher einige Personen ein Marktspiel spielen. Das interessante Ergebnis war, dass besonders viele Teilnehmer sich entschieden, in den Markt einzutreten, wenn ihnen gesagt wurde, dass der Erfolg ihres Markeintritts nicht vom Zufall, sondern von ihrem eigenen Können abhing. Sie hatten nicht bedacht, dass ihre Mitspieler auch alles Personen sein würden, die sich selbst als kompetent einschätzen.

Diese „Referenzgruppen-Vernachlässigung“ führt dazu, dass die Teilnehmer im Durchschnitt in elf von zwölf Fällen Verluste erlitten. Die Konkurrenz zu unterschätzen, ist für Start-up-Unternehmer in neuen Geschäftsfeldern eine besonders große Falle. Schließlich ist die Konkurrenz meist noch nicht sichtbar.

Während diese beiden Erklärungen eher auf kognitiven Problemen beruhen, tritt bei anderen die Motivation stärker in den Vordergrund. Positive Illusionen können sich nämlich positiv auf das Wohlbefinden auswirken. Daher haben die meisten Menschen einen Hang dazu, Erfolge dem eigenen Können zuzuschreiben und Misserfolge unglücklichen Umweltbedingungen. Bei unseren Konkurrenten machen wir es genau andersrum. Und haben wir erst einmal eine gewisse Annahme getroffen – über unsere Fähigkeiten, die Marktchancen, den erwarteten Erfolg – dann achten wir besonders auf die Informationen, welche die Annahme bestätigen; der sogenannte Confirmation Bias (Bestätigungsfehler) entfaltet seine volle Blüte.

Spezialfall Gründer: Eine Henne-Ei-Frage

Doch warum sind Gründer besonders überzuversichtlich? Zum einen zieht das Gründertum bestimmte Menschen an. Menschen, die risikofreudig und generell optimistisch sind, die eher ihren Instinkten folgen statt rational abzuwägen und die vermehrt einen sogenannten inneren Locus of control haben. Das heißt, sie gehen eher als andere Menschen davon aus, dass sie Ereignisse beeinflussen und kontrollieren können.