Mit Mikrospiegel-Systemen will das Start-up aus Itzehohe den Weltmarkt erobern. Die Technologie wird gleich in mehreren Zukunftsbranchen händeringend gesucht.

Das Produkt ist winzig klein, die Pläne enorm groß: Vorsichtig balanciert Ulrich Hofmann den Kasten mit einer Kantenlängen von wenigen Millimetern auf seiner Fingerspitze. Darin verbaut sind viele Jahre Spitzenforschung. Gemeinsam mit Thomas von Wantoch hat Hofmann an Mikrospiegel-Systemen gearbeitet. Im Vakuum des Gehäuses können sich die Mini-Spiegel bis zu 100.000 Mal in der Sekunde bewegen – und so Laserstrahlen ablenken und messen.

Die Systeme sind in gleich mehreren Branchen heiß begehrt: In der Konsumelektronik können sie sogenannte Augmented Reality ermöglichen, etwa verbaut in modernen Datenbrillen. Und in der Fahrzeugentwicklung helfen sie als Miniatur-Laserscanner, in hoher Geschwindigkeit das Umfeld für selbstfahrende Autos abzutasten.

Seit knapp zwei Jahren sind die beiden Gründer auf dem Weg aus der Forschung auf den Markt. Oqmented heißt ihr Start-up. Das konnte in den vergangenen Wochen und Monaten die ersten Gesellschafter überzeugen, die insgesamt knapp sechs Millionen Euro bereitgestellt haben.

Von Itzehohe in die Welt

Von Itzehohe aus, gut 60 Kilometer nördlich von Hamburg, wolle man nun den Markt von „Shenzen bis zum Silicon Valley“ bearbeiten, sagt Benedikt Kläs, der bei Oqmented früh als Chief Commercial Officer an Bord gekommen ist. Dabei helfen Netzwerk und Erfahrung der beiden Gründer. „Man muss nicht bei Null anfangen“, sagt Kläs. Hofmann und von Wantoch haben zuvor für das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (IST) an der Technologie gearbeitet. Um das Start-up nun unabhängig aufbauen zu können, floss jedoch ein Teil der Startfinanzierung auch an die Fraunhofer-Gesellschaft – die sichert sich bei Ausgründungen ihrer Wissenschaftler in der Regel einen Anteil.

Mit mittlerweile 25 Mitarbeitern will sich Oqmented nun im ersten Schritt auf die Konsumelektronik fokussieren. Smartphonehersteller oder Datenbrillen-Spezialisten suchen nach Möglichkeiten, die notwendige Technologie platzsparender zu verbauen. Statt klobiger und helmartiger Brillen sollen auch mit normalen Brillengestellen smarte Geräte werden – Gründer Hofmann spricht vom „Sonnenbrillenfaktor“, um die Technik attraktiv für den Massenmarkt zu machen. Die Mikrospiegel-Systeme können Bilder und Informationen direkt auf das Auge des Trägers zu projizieren. „So kann die AR-Brille zukünftig das Display des Smartphones ablösen“, sagt Hofmann.

Früher Fokus für das Spiegel-Start-up

Schon in den kommenden Jahren ist hier mit Modellen für den Massenmarkt zu rechnen – und Oqmented will dabei mit seinen Systemen eine wichtige Rolle spielen. Die Schleswig-Holsteiner treten dabei selbstbewusst gegen Konkurrenten wie Bosch, Infineon oder STMicroelectronics an. Darum steckt das Start-up aktuell viel Energie in den Aufbau eines Netzwerks aus Zulieferern und Fertigern, um auch große Stückzahlen bedienen zu können. „Wir können nicht von heute auf morgen zum Massenfertiger werden“, sagt Hofmann.

Als technologieintensives Start-up standen die Gründer vor der Herausforderung, sich früh aus einer Vielzahl von möglichen Anwendungen entscheiden zu müssen. Schließlich sind auch bei sogenannten Deeptechs die Ressourcen begrenzt. Bis zu 80 Produktmöglichkeiten habe es zu Beginn gegeben, berichtet Mitgründer von Wantoch: „Wir fokussieren uns nun auf etwa drei Produkte, um richtig an Fahrt aufnehmen zu können.“ Die Anwendungen für den Automobilsektor, an denen auch Lidar-Spezialisten wie Blickfeld arbeiten, müssen daher aktuell noch warten.

An diese Strategien glauben auch die Investoren. Angeführt wurde die Runde vom Münchener Tech-Fonds Vsquared. Ebenfalls mit dabei ist Helmut Jeggle – der Aufsichtsratschef von Impfstoff-Entwickler Biontech hat zuletzt auch in Start-ups wie die Quantencomputer-Spezialisten IQM investiert. Zudem haben sich einige Business Angels sowie die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft des Landes Schleswig-Holstein an dem Unternehmen beteiligt.