Mit automatisierter Schadenbearbeitung will Omnius in den USA überzeugen – noch braucht die junge Firma jedoch Anlaufzeit. 

Seit 2018 treibt das Berliner Software-Start-up Omnius seine US-Expansion voran, ein erster großer Kunde ist mit dem Arbeitnehmer-Unfallversicherer Am Trust an Bord. Das Team am Standort Boston soll in den kommenden Monaten von drei auf sechs Personen wachsen, sagt Geschäftsführerin Sofie Quidenus-Wahlforss zu WirtschaftsWoche Gründer. Noch fehlen allerdings wichtige Erfahrungwerte, um die Plattform zur automatisierten Schadenbearbeitung für US-Kunden zu optimieren: „Wir schnuppern gerade erst rein in den Markt und versuchen zu verstehen, wo die großen Schmerzpunkte liegen. 2021 planen wir dann ein größeres Investment“, so die Gründerin.

Das nötige Kapital schießen Investoren nun nach: Umgerechnet knapp zwölf Millionen Euro erhält Omnius, hinter dem die Berliner Qidenus Group steht, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr. Die Gesamtfinanzierung erhöht sich damit auf 30,3 Millionen Euro. Zum Investorenkreis gehören der israelische Viola-Fintech-Fonds sowie Commerz Ventures, Investmentarm der Commerzbank-Gruppe. Eine Finanzierungsrunde Ende 2018 hatte der Risikokapitalgeber Target Global angeführt.

Kooperation mit Wiener Versicherungsgruppe

Wichtiger Sparringspartner und zugleich Kapitalgeber ist die Wiener Versicherungsgruppe Uniqa, mit der das Start-up eng kooperiert – etwa bei der Datennutzung. Konkret entwickelt Omnius eine Software, die Versicherer dabei unterstützt, Schadenmeldungen einfacher und schneller zu bearbeiten. 2015 gestartet mit der Analyse von Handschriften, erkennt und verarbeitet das System Informationen etwa aus Rechnungen, Policen oder Formularen, die die Versicherungskunden einreichen. Das erspart den Mitarbeitern das aufwendige Übertragen per Hand.

Die Nähe zu Investor Uniqa sieht Gründerin Quidenus-Wahlforss positiv, Nachteile durch Abhängigkeiten befürchtet sie nicht: „Uniqa ist bekannt als klein, wendig und innovativ. Das ist die für uns perfekte Größenordnung.“ Den deutschen Branchenriesen Allianz zählt Omnius zu seinen Kunden, daneben auch andere Start-ups wie das Berliner Insurtech Wefox. Auch das amerikanische Vorzeige-Start-up Oscar, das mit einer digitalen Krankenversicherung unterwegs ist, hat Omnius laut der Gründerin im Blick. Insgesamt 85 Mitarbeiter beschäftigt ihr Start-up aktuell, bis zum Sommer sollen 15 neue Teammitglieder dazukommen.

Strategische Wende

Omnius wirbt damit, auf sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) zurückzugreifen, um die Schadenabwicklung zu automatisieren. Um auf dem Feld gegen Wettbewerber bestehen zu können, hat sich die als Searchink gestartete Firma einen klaren Branchenschwerpunkt verordnet: „Uns zeichnet aus, dass wir uns reduziert haben auf Versicherer. Auch wenn unser Markt dadurch kleiner ist, hilft uns der Fokus auch im Hinblick auf die Konkurrenz“, sagt Quidenus-Wahlforss. „Wir sehen nicht so viele Wettbewerber, die sich auf den Backend-Prozess stürzen und Versicherern ein Toolkit an die Hand geben.“