Doch die bissige Seite des netten Herrn Samwer kam manchmal doch noch allzu deutlich durch. Mit der Frage „Was machst du eigentlich noch, außer auf Konferenzen herumzusitzen?“ leistete sich der Rocket-Geschäftsführer einen Frontalangriff auf Moderator Rodzynek, der am Dienstag viele Fragen stellte, aber wenig interessante. Als der Gründer der Noah-Konferenz von Samwer wissen wollte, wann sich dieser entscheide, in einen neuen Markt einzutreten, holte der Unternehmer noch einmal aus und sagte, er werde sich künftig auf den Markt von Konferenzen konzentrieren.

Manchmal wirkte Oliver Samwer aber auch schlicht gelangweilt, nahezu abwesend. Etwa bei der Frage, wie er mit einem Typen wie sich selbst in seiner Firma umgehen würde. „Ob es mir gefallen würde mein Boss zu sein – diese „Würde“-Fragen sind immer schwierig zu beantworten“, sagte Samwer. Ähnlich reagierte er, als ein Zuschauer ihn nach drei Investments fragte, die der Rocket-Chef verpasst habe. Samwer beantwortete die Frage zwar – er würde heute seine Facebook-Aktien länger halten –, doch der Start-up-Fabrikant sagte auch, er stehe selten herum und denke über die Vergangenheit nach. Man glaubt ihm das sofort.

„Habt ihr aus der Bank noch mehr herauspressen können?“

An einigen Stellen ging es in dem Interview tatsächlich auch um Inhalte. Als sich das Gespräch auf den Börsengang konzentrierte, berichtete Samwer davon, wie sich Zalando und Rocket regelmäßig vor ihren nur 24 Stunden auseinander liegenden IPOs absprachen: „Habt ihr aus der Bank noch ein wenig mehr herauspressen können? Wie können wir an dieser Stelle noch Geld sparen?“ Die Anekdote soll ein Spaß sein, doch sie verdeutlicht auch, wie Oliver Samwer Geschäfte macht.

Wie man Investoren gewinnt, darüber sprach Samwer auch im Zusammenhang mit dem IPO von Rocket Internet. „Ich denke definitiv, dass Unternehmen früher an die Börse gehen sollten“, sagte Samwer. Rocket Internet war selbst erst im vergangenen Oktober an die Börse gegangen. Zwar gehe es für ein Unternehmen nach dem IPO ständig auf- und ab, mehr Artikel würden erscheinen, mehr Analystenchecks, doch: „Man wird durch Börsengänge größere Unternehmen bauen“, so Samwer. Deutschland brauche daher mehr IPOs, „auch kleinere wie den von Windeln.de“, sagte er – ein kleiner Seitenhieb auf den nicht ganz so erfolgreichen Börsengang des Babyartikelhändlers im Mai.

Einen seiner berüchtigten Vergleiche brachte der Rocket-Chef, als er über die Arbeit der Start-up-Schmiede sprach. „Ich bin ein Bäcker“, sagte Samwer. Er musste den Satz noch einmal wiederholen, das Publikum lachte zunächst. „Ich backe Kuchen aus drei Zutaten: Ideen, Menschen und Kapital.“ Allerdings muss der Geschäftsführer von Deutschlands größter Start-up-Schmiede mit einem Problem leben: „Irgendwo gibt es immer einen Engpass: Manchmal haben wir nicht genügend Ideen, manchmal nicht genügend gute Leute, manchmal nicht genügend Kapital.“ Auch, wenn man kaum glauben mag, dass es einem Samwer angesichts der vielen Finanzierungsrunden seiner vielen Start-ups jemals an Geld mangelt.