Das Saarbrücker Start-up erhält im Rahmen des EU-Innovationsprogramms Horizont 2020 rund zwei Millionen Euro und will nun die Expansion vorantreiben.

Regional gefertigte Möbel nach Maß in Zeiten von Ikea und Co. Mit diesem Versprechen wirbt das junge Saarbrücker Unternehmen Okinlab – und konnte mit diesem Konzept im Jahr 2016 bereits die Jury des Deutschen Gründerpreises von sich überzeugen. Zwar reichte es nach der Nominierung nicht zur Siegertrophäe, doch die deutschlandweite Bekanntheit war dem Start-up damit sicher. 

Nun erregt Okinlab mit einer Förderung durch die Europäische Union erneut Aufmerksamkeit. Im Rahmen des EU-Innovationsprogramms „Horizont 2020“ erhielten die Gründer Nikolas Feth, Architekt, und Alessandro Quaranta, Betriebswissenschaftler, und ihr zurzeit 20-köpfiges Team rund zwei Millionen Euro. Die Jury lobte das „große  Potenzial“ des Geschäftsmodells mit einem enormen Netzwerk-Effekt sowie das gute Timing der Innovation inmitten des weltweiten Trends zur Individualisierung von Produkten.

Netzwerk aus 80 Schreinern und Tischlern

Auf Okinlabs Design-Plattform form.bar können Nutzer dank einer eigens entwickelten Software ihre Möbel selbst entwerfen, die dann von zurzeit über 80 regionalen Schreinern und Tischlern hergestellt werden. So sollen die Kunden von kurzen, umweltfreundlichen Lieferwegen und günstigen Preisen profitieren.

Das Geld soll in  die Optimierung des Design-to-Production-Prozesses sowie in die Internationalisierung fließen. „In den kommenden fünf Jahren wollen wir die führende Plattform für individuelles Möbeldesign und Möbelfertigung in Europa werden“, sagt Alessandro Quaranta. Dazu sollen auch die Marketingmaßnahmen im Ausland verstärkt werden. Das Start-up hat bereits Kunden in der Schweiz, in Österreich,  Frankreich, Luxemburg, Holland und Dänemark. Die meisten Bestellungen kommen aktuell noch aus Deutschland. Eine Verzehnfachung des Jahresumsatzes sowie der Ausbau des vorhandenen Schreiner-Netzwerks sind geplant.

Saarländer traten gegen rund 2000 Konkurrenten an

„Horizont 2020“ ist das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation und zielt darauf ab, EU-weit eine wissens- und innovationsgestützte Gesellschaft und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen sowie gleichzeitig zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen und zukunftsfähige Arbeitsplätze in Europa zu schaffen.

In einem mehrstufigen Auswahlverfahren mussten sich die Saarländer gegen rund 2000 Konkurrenten durchsetzen und am Ende vor einer Experten-Jury in Brüssel bestehen; in der Regel werden weniger als vier Prozent der Anträge bewilligt. Neben Okinlab wurden in der jüngsten Runde unter anderem Krebs- und Parkinson-Forscher sowie ein Projekt zur effektiveren Datenverschlüsselung gefördert.