Die Bilderkennungstechnologie des Start-ups aus Wildau bei Berlin hält dem kritischen Blick von Investoren stand. Eine Millionenfinanzierung soll neue Produkte anschieben.

Das Smartphone als Mikroskop: Mit dieser Geschäftsidee sichert sich Oculyze eine siebenstellige Finanzierung von Venture-Capital-Investor Constantia New Business (CNB) aus Wien. Die Millionensumme will das Start-up mit Sitz in Wildau bei Berlin vorrangig in die Entwicklung neuer Produkte stecken, wie Marketingchef Gordon Andrade heute auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer erklärte. Die genaue Investmentsumme nannte er nicht. Bereits investiert ist neben CNB seit 2017 auch BFB Brandenburg Kapital.

Oculyze entwickelt Mikroskope, die sich auf Smartphones stecken lassen und mittels einer speziellen Linse die Handykamera verstärken. Über eine App lassen sich dann die Aufnahmen analysieren. Verwendet wird die Lösung derzeit vor allem von Brauereien, die Hefezellen mit Hilfe der Bilderkennungssoftware untersuchen. Konkret gleicht das Programm die Aufnahmen vom Smartphone-Mikroskop über die Cloud mit einer Datenbank ab. Im Fall der Hefe-Analyse liefert die Software beispielsweise eine Einschätzung, ob die Zellen als lebensfähig sind.

Die 2015 von Kilian Moser, Ulrich Tillich und Katja Schulze gegründete Firma beschäftigt derzeit mehr als zehn Mitarbeiter und will in nächster Zeit um sechs Teammitglieder wachsen – vor allem im Vertrieb und der Softwareentwicklung. Ein neues Produkt soll in zwei Wochen auf den Markt kommen, kündigte Marketingchef Andrade an, jedoch ohne Details zu verraten. Bereits jetzt steht fest, dass das Start-up in der zweiten Jahreshälfte in den Bereich der Tiermedizin vordringen will. Geplant ist, Tierärzte bei der Erkennung von Fruchtbarkeitsstörungen bei Kühen zu unterstützen.

Kooperation soll US-Markt erschließen

Um den internationalen Vertrieb voranzubringen, kooperiert Oculyze seit Ende des vergangenen Jahres mit Biotecon Diagnostics, einem Anbieter von Lösungen für Qualitätsprüfungen in der Lebensmittelbranche. „Als lokales Start-up mit Sitz in Brandenburg haben wir es schwer, neue Kunden etwa in den USA zu gewinnen. Deshalb setzen wir hier im Vertrieb auf eine strategische Partnerschaft“, sagte Andrade zu WiWo Gründer.

Neue Standorte zu eröffnen, sei derzeit noch nicht geplant. Im Vordergrund stehe der Ausbau des eigenen Online-Shops. Auch hierfür soll das frische Kapital verwendet werden. „Diese jüngste Finanzierung kommt zu einem sehr interessanten Zeitpunkt für Oculyze, da wir unsere Position als weltweit führende Plattform für mobile Bildanalyse festigen und behaupten wollen“, lässt sich Kilian Moser, Mitbegründer und CEO von Oculyze, in einer Pressemitteilung zitieren.

Ziel ist der Masseneinsatz

Die Gründungsidee entstand aus einem Forschungsprojekt zur Bildanalyse an der Technischen Hochschule Wildau, wo die Firma auch ihren Sitz hat. Ziel des Start-ups ist es, mobile und automatisierte Bildanalysen für den Masseneinsatz zu entwickeln – auch für Anwender ohne spezielles Fachwissen. Kunden in 26 Ländern konnte die junge Firma nach eigenen Angaben bereits gewinnen. Mögliche weitere Anwendungsgebiete erkennt das Start-up zum Beispiel in der Landwirtschaft, der Biotechnologie oder auch der humanmedizinischen Diagnostik.

An Lösungen zur Bilderkennung arbeiten derzeit einige Start-ups wie zum Beispiel Anyline aus Wien. Die junge Firma konnte vor wenigen Wochen zwei Millionen Euro in einer Finanzierungsrunde einsammeln. Die Bilderkennungs-Software von Anyline ist auf den Einsatz in Unternehmen ausgerichtet und hilft etwa dabei, Stromzähler, Ausweise, Nummernschilder oder Seriennummern auszuwerten. Zu den Kunden zählen der Kamerahersteller Canon und Autobauer Porsche.