Der Essener Energiedienstleister gründet ein Start-up, das privaten Vermietern bei der Abrechnung helfen soll. Die Bank unterstützt nun mit Kapital und Kontakten. Einge Konkurrenten gibt es bereits.

Etwa vier Millionen private Vermieter gibt es in Deutschland – gemeinsam verwalten sie etwa 14 Millionen Wohnungen und Häuser. Häufig geschieht das im Nebenberuf, neben dem eigentlichen Beruf.  Nicht selten mit selbst gebauter Excel-Liste und einem Aktenordner voller Kontoauszüge. Mit einer Software will Objego dieser Zielgruppe nun die Arbeit erleichtern.

Das frisch gegründete Start-up bietet aktuell ein Cloud-Lösung an, über die Vermieter die Nebenkostenabrechnung einfach erstellen können. Auch eine Schnittstelle zu den Bankkonten ist möglich, um den Eingang von Miete oder anderen Auslagen zu verfolgen. Das soll jedoch erst das Fundament sein: „Wir wollen mehr Wissen und Automatisierung in die Software kriegen“, sagt Objego-Chef Philip Rodowski, „in der Vision soll das Programm einmal den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie und der Mieter-Vermieterbeziehung abbilden“.

Ista holt jetzt die Aareal Bank dazu

Hilfreich bei diesem großen Ziel: Die Unterstützung durch zwei große Partner. Entwickelt wurde die Idee zu Objego im Ista Venture Hub. Dort bündelt der gleichnamige Essener Energiedienstleister, bekannt vor allem durch das Ablesen von Heizungszählern, seine Start-up-Aktivitäten.

Neu dazu kommt jetzt die Aareal Bank. Das im MDax-notierte Finanzinstitut übernimmt – vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden – 40 Prozent an Objego, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfahren hat. Wie viel Geld die Wiesbadener Immobilienspezialisten dafür auf den Tisch legen, ist nicht bekannt. „Damit werden wir zwei starke Marken aus dem Immobilienbereich an unserer Seite haben, die in unterschiedlichen Feldern unterwegs sind“, sagt Rodowski, der für den Objego-Start bei Ista an Bord gekommen ist.

Die Nähe der Gesellschaftern zu privaten Vermietern – über die Erstellung der Nebenkosten oder die Immobilienfinanzierung – soll nun bei der Marktbearbeitung helfen. Das wird eine Herausforderung. Zum einen sind die Profile der privaten Vermieter sehr unterschiedlich. Nicht alle sind heute bereits offen für digitale Lösungen – und bereit, für eine hilfreiche Software eine monatliche Gebühr zu zahlen.

Viele Anbieter mit ähnlichen Visionen

Zum anderen gibt es bereits Start-ups mit einer ähnlichen Idee: So zum Beispiel Vermietet.de, das ebenfalls eine digitale Nebenkostenabrechnung anbietet. Nach eigenen Angaben hat das Berliner Start-up bereits 100.000 Nutzer. Dazu kommt ein ähnlich strukturierter Gesellschafterkreis: Hier haben sich neben einem Immobilieninvestor bereits die Commerzbank, die Deutsche Bank oder Versicherer Axa beteiligt. Auch etablierte Anbieter von Hilfesoftware, wie etwa Buhl oder Lexware, haben seit Jahren Programme für private Vermieter im Angebot.

„Wir sind der Ansicht, dass Konkurrenz das Geschäft belebt“, sagt Objego-Chef Rodowski und ist trotzdem überzeugt, dass sich das junge Essener Team von den Wettbewerbern absetzen kann – wie genau, soll sich in den kommenden Monaten zeigen. Mit dem neuen Kapital, dass die Aareal Bank an Bord bringt, soll das heute bereits 20-köpfige Team noch einmal anwachsen.

Parallele Start-up-Strategien

In seinem Venture Hub will Ista daneben auch andere Möglichkeiten ausprobieren. Im Februar gab der Konzern die Beteiligung an dem Berliner Start-up Facilioo bekannt, das nach eigenen Angaben „Hausverwaltungen, Mieter, Handwerker und Eigentümer auf dem Weg in die digitale Zukunft“ begleitet. Beim Aufbau von Objego half zudem eine Innovationsagentur – diese Company Builder bringen gegen Honorar oder Anteile ihr Wissen bei der schnellen Entwicklung ein. Der jetzt gewählte Ansatz erinnert dabei an ein wenig an den neuen Plan des Tech-Konzerns Körber. Der hatte Anfang der Woche verkündet, künftig eigene Start-ups aufzubauen – und sich nach den ersten eineinhalb Jahren nach möglichen Co-Investoren umzuschauen.

Objego-Mitgesellschafter Aareal Bank setzt ebenfalls auf verschiedene Strategien, um Start-ups im Blick zu behalten. So hat das Institut etwa 2018 eine Partnerschaft mit der globalen Start-up-Plattform Plug & Play geschlossen. Beteiligt hat sich die Bank außerdem an dem auf die Immobilienbranche spezialisierten Investor Proptech1 Ventures. Ein bereits größeres Münchener Softwareunternehmen wurde Ende des vergangenen Jahres übernommen. Auch einen Anbieter für Online-Mietkautionsbürgschaften hatten sich die Aareal Bank bereits gekauft.