Einige Antworten gab Kopp dafür, so beispielsweise zur entscheidenden Frage, wie das Unternehmen überhaupt Geld verdienen will: “Kern des Geschäftsmodells ist unsere Plattform”. Denn Number26 will um das eigene Konto herum Angebote anderer Fintechs bündeln und an der Vermittlung mitverdienen. Erster und bisher einziger Partner ist dabei TransferWise, das Auslandsüberweisungen einfach und günstig ermöglicht.
Der Ansatz, Fintech-Angebote zu bündeln, ist vielversprechend. “Die Kunden wollen keine zehn Apps”, sagte auch Pertlwieser. Doch wer diese künftig liefert sei eine Vertrauensfrage. Bei Finanzangelegenheiten haben die traditionellen Geldhäuser trotz aller Skandale dabei noch immer einen Vorteil und die jungen Herausforderer müssen aufpassen, dass sie ihren Sympathievorschuss nicht schnell verspielen.
Zumal viele ihrer Angebote auch schnell von den Etablierten geklont werden können. Ein Beispiel ist Visualvest, ein weiterer Anlage-Roboter zur automatisierten Geldanlage. Dahinter steht Union Investment, der Fondsanbieter der 1000 Volks- und Raiffeisenbanken. Vermittelt werden jedoch nicht die eigenen Fonds, sondern Angebote von Drittanbietern. Eigentlich versuchte Alexander Del Toro Barba zu erklären, warum Visualvest “nicht einfach ein weiterer Robo-Advisor” sei. Doch damit tat er sich schwer und sagte mehrfach, man unterscheide sich “ein bisschen”. So gebe sieben Risikoklassen statt sonst meist drei.

Weder Robo noch Advisor

Doch Ähnlichkeit ist genauso ein Problem für die Fintechs, deren Ideen im Prinzip von den Etablierten schnell nachgeahmnt werden können. Zudem versprechen die digitalen Anlageberater mehr als sie halten. “Man nennt sie Robo-Advisor, doch weder die der Konkurrenz noch unserer sind sehr viel Roboter oder Berater”, sagt Del Toro Barba. Dafür sei eine Einbindung von Chatbots oder Künstlicher Intelligenz nötig, woran Visualvest nun arbeite. Auch Pertlwieser von der Deutschen Bank stimmt der Einschätzung zu: “Die meisten Robo-Advisor sind keine richtigen.”
Ob die nächste Generation von Fintech-Produkten von Banken oder Start-ups kommt ist noch nicht ausgemacht. Der Lack der Start-ups beginnt bereits abzublättern, doch die Geldhäuser haben auch noch einiges aufzuholen. Wobei laut Number26-Manager Kopp der Shitstorm sogar geholfen haben könnte, das Unternehmen bekannt zu machen: “Die Neuanmeldungen sind höher als vorher”.