Wir bereiten uns vor, indem wir …

… uns um eine BaFin-Lizenz bemühen, um frühzeitig die hohen regulatorischen Anforderungen der europäischen und nationalen Aufsichtsbehörden zu erfüllen. Wir müssen einen Erlaubnisantrag einreichen, um die Zulassung als Kontoinformationsdienst und Zahlungsauslösedienst zu erhalten. Die Deadline ist im April. Dafür haben wir einen Projektplan mit 15 Teilbereichen aufgestellt. Unter anderem bauen wir eine Compliance-Abteilung im Unternehmen auf. Ab Januar wird ein externer Berater die Interne Revision begleiten. Außerdem bewerten wir Betrugsrisiken bei den Zahlungsdiensten, bauen komplexe und rechtlich verifizierte Überwachungsverfahren aus, um auf Sicherheitslücken reagieren zu können. Vom TÜV Saarland sind wir bereits im Hinblick auf die Einhaltung der deutschen und EU-weiten Datenschutzvorschriften zertifiziert.

Wann wir die BaFin-Lizenz bekommen, ist unklar. Es gibt nur Mutmaßungen darüber, wie lange der Prozess mit allen Rückfragen dauert – einerseits eine Belastung. Andererseits ist die Lizenz die Voraussetzung, um im Bankenumfeld erfolgreich ein Produkt platzieren zu können.

Für unsere Geldgeber ist die neue Vorschrift relevant, weil …

… sie die PSD II als klare Bestätigung unseres Geschäftsmodells sehen. Zwar ist der organisatorische Aufwand sehr hoch, aber dieses Risiko hat für die Investoren in der vergangenen Finanzierungsrunde über 4,5 Millionen Euro eine untergeordnete Rolle gespielt. Wichtig war vielmehr, dass wir Stabilität in der Organisation signalisieren. Daher setzen wir lieber auf wenige Gesellschafter, die dafür ein gewisses Renommee vorweisen können. Sie brauchen ein tiefes, solides Verständnis der neuen Anforderungen durch die PSD II.

Unsere Prognosen zeigen, dass …

… die Kosten definitiv steigen werden, zum Beispiel durch Compliance- und Prüfprozesse. Den zusätzlichen Kosten werden nicht immer direkte Erträge gegenüberstehen. Trotzdem sind wir stabil aufgestellt, unser Umsatz liegt im siebenstelligen Bereich. Ob wir in Zusammenhang mit PSD II neue Mitarbeiter einstellen werden, steht noch nicht fest. An den Bankenstandorten Hamburg und München ist es derzeit schwierig, Experten zu finden. Außerdem setzen wir auf eine schlanke und effiziente Struktur und nicht auf eine rein effektvolle Anzahl an Mitarbeitern.

Ein Effekt ist …

… nicht sofort zu erwarten. Es wird eine Weile dauern bis Verbraucher eine Veränderung spüren, weil sich die Geschäftsprozesse bei Banken erst verändern müssen, beispielsweise indem neue Schnittstellen für die technische Kooperation mit den Fintechs geschaffen werden. Bereits die Umstellung von Kontonummer und Bankleitzahl auf die internationale IBAN und BIC war für die IT der Banken ein riesiges technisches Problem. Jetzt sollen ganze Datenbanken für den Zugriff von Außen freigegeben werden. Es würde mich nicht wundern, wenn dabei Komplikationen auftreten. Zudem liegt eine Menge Arbeit vor den Regulierungsbehörden, um die rechtlichen Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer zu präzisieren. Aber solange wir und die Banken an einem Strang ziehen, besteht ein Anlass zur Hoffnung.

Morgen auf WiWo Gründer: Wie ein Start-up dank der Betriebsrente auf eine erfolgreiches neues Jahr hofft.