Weltweit ziehen immer mehr Menschen in urbane Räume. 2150 und Eurazeo fokussieren sich mit neuen Fonds und reichlich Kapital auf Gründer, die nach Lösungen für zukünftige Städte suchen.

Der neue Fonds setzt im Wortsinn beim Fundament an: „Wir haben direkt mit dem härtesten Problem angefangen – dem Beton“, sagt Jacob Bro, Gründungspartner von 2150. Der gerade gestartete Risikokapitalgeber mit Büros in Kopenhagen, Berlin und London hat sich an CarbonCure beteiligt. Das kanadische Start-up arbeitet daran, bei der energieintensiven Herstellung von Beton recyceltes CO2 zu benutzen – das soll den Kohlenstoffausstoß beim Bauen senken.

2150 (im Bild das Team des Investors) fokussiert sich auf Start-ups, die den „urbanen Raum neu denken und nachhaltig umgestalten“ wollen. Mit den Baumaterialien geht es dabei los, Bauverfahren können ebenso dazu gehören, dazu kommt die Energieversorgung der Zukunft und weitere städtische Versorgungsleistung. „Wir analysieren die drängendsten Probleme und suchen dann Start-ups, die sich dieser Herausforderungen annehmen“, beschreibt Bro die konkrete Investmentstrategie.

2150 will 200 Millionen Euro bereitstellen

130 Millionen Euro stehen dem Fonds dabei zu Beginn bereits zur Verfügung, weitere 70 Millionen Euro sollen bis zum Sommer dazukommen. Das Geld des Investors stammt unter anderem von der dänischen Investmentgesellschaft Chr. Augustinus Fabrikker, einem Nachhaltigkeitsfonds der dänischen Regierung sowie Novo Holdings. Daneben seien Immobilienfirmen, Bau- und Logistikunternehmen aus ganz Europa beteiligt, berichtet Bro.

Sie alle setzen auf einen Megatrend: Bis 2050 könnte mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten wohnen. Das sorgt für eine enorme Verdichtung in vielen Regionen und steigert den Druck, Lösungen für drängende Fragen von Wohnen, Mobilität und Energieversorgung zu finden. Start-up-Investoren setzen daher zunehmend auf Fonds, die neben einer soliden Rendite auch eine Verbesserung von Gesellschaft, Umwelt und sozialem Raum mit sich bringen sollen.

80 Millionen Euro und mehr von Eurazeo für Smart Citys

So hat auch die französische Investmentgesellschaft Eurazeo kürzlich bereits ihren zweiten Smart-City-Fonds auf den Weg gebracht. 80 Millionen Euro stehen hier vorerst bereit. Das Ziel: Kapital für Start-ups bereitstellen, die „eine nachhaltige Transformation von Städten ermöglichen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Mögliche Beteiligungen will Eurazeo etwa in den Bereichen Logistik, Proptech, Energie oder Mobilität finden.

Auch hinter dem französischen Fonds, der von der Eurazeo-Tochter Idinvest Partners organisiert wird, stehen bekannte Geldgeber, unter anderem der frisch fusionierte Automobilriese Stellantis oder Energieversorger EDF. Aus Deutschland beteiligen sich unter anderem der Energieversorger Mainova sowie das Logistikunternehmen Duisport. Mit dem ersten Smart-City-Fonds wurden unter anderem das Proptech Allthings sowie der Scooter-Anbieter Circ unterstützt, der Ende 2019 von Bird übernommen wurde.

Vom Gründer bis zum Gigacorn

Die Konkurrenz der Geldgeber fürchtet 2150-Investor Bro, der zuvor lange Zeit bei Rocket Internet tätig war, nicht: „Es ist brillant zu sehen, dass mehr Investoren und mehr talentierte Gründer ihre Chancen in diesem Bereich suchen“. 20 Start-ups will sein Fonds in den kommenden Jahren ins Portfolio holen – erfolgreiche Unternehmen könnten dabei mit bis zu 40 Millionen Euro unterstützt werden.

Etwa die Hälfte des gesamten Kapitals soll dabei in Europa investiert werden – auch wenn die Megastädte des 21. Jahrhunderts auf anderen Kontinenten entstehen. Das Tech-Ökosystem Europas könne jedoch Geburtsstätte von weltweit erfolgreichen Start-ups in diesem Bereich sein, ist Bro überzeugt. Neben einem wirtschaftlichen Erfolg hat sich 2150 eine neue Kategorie ausgedacht, um die eigene Leistung zu messen: Man wolle sogenannte „Gigacorns“ aufbauen, heißt es von den Partnern. Dahinter stecken Start-ups, die kommerziell erfolgreich sind – und jeweils das Potenzial haben, Gigatonnen an Kohlenstoffdioxid einzusparen.