Mit dem Netzwerk „Women in E-Commerce“ wollen sich Gründerinnen in der männerdominierten Start-up-Szene ab heute gegenseitig helfen. Was die Frauen erreichen wollen – und was sie anderen Gründerinnen raten. 

Das Netzwerk „Women in E-Commerce“, das am heutigen Donnerstag gelauncht wird, richtet sich an Frauen, die entweder schon im E-Commerce tätig sind oder in diesen Bereich streben – und soll ihre Geschichten und sie zusammenbringen. Im Mittelpunkt sollen die Fragen stehen: Wie gründen Frauen? Welche Herausforderungen begegnen ihnen dabei und welche Tipps haben sie für andere Frauen?

„Die Frauen mit ihren (Lebens-)Geschichten stehen im Vordergrund der Initiative“, sagt Tijen Onaran, Leiterin Kommunikation beim Händlerbund und Initiatorin des Netzwerkes. „Mir war und ist es wichtig aufzuzeigen, wie viele spannende Frauen es im E-Commerce gibt, die ihren eigenen Weg gehen und damit andere zu inspirieren etwas Eigenes zu schaffen“, begründet sie ihre Idee.

Die Auftaktveranstaltung von „Women in E-Commerce“ findet am 16. September 2015 in Berlin statt. Danach soll es weitere Veranstaltungen zu den Themenschwerpunkten Lifestyle, Wissenschaft und IT geben. Es ist auch geplant, Lunchformate in unterschiedlichen Städten anzubieten, bei denen eine Frau aus ihrem (Alltags-) Business berichtet.

WirtschaftsWoche Gründer hat mit einigen der Frauen des Netzwerkes vorab über ihre Erlebnisse und Erfahrungen als Gründerinnen gesprochen – und darüber, was sie anderen Frauen raten.

Annett Möller

Annett Möller von Amco (Foto: Pressebild)

Ein eigenes Label – ein eigenes Unternehmen: Moderatorin Annett Möller hat sich diesen Traum erfüllt.  „Mode ist für mich ein Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung“, sagte sie in einem Interview. Hier erklärt sie, warum ein Netzwerk so wichtig ist.

Was heißt es, als Frau zu gründen?
Ich glaube, dass es für uns Frauen doch noch ein bisschen schwerer ist, ein Unternehmen zu gründen. Es erfordert eine Menge Mut und Hartnäckigkeit, das eigene Projekt gegen alle Wiederstände und Bedenken auch in die Tat umzusetzen. Wir Frauen neigen ja oft dazu, alles abzuwägen und auf andere Rücksicht zu nehmen. Wir sollten mehr Mut haben, auch einfach mal ins kalte Wasser zu springen und nicht alles durchzuplanen. Eine Gründung ist mit vielen Risiken verbunden. Aber wenn es klappt, ist Frau ihr eigener Herr und das hat auch sehr viele Vorteile.

Was raten Sie jungen Frauen, die Angst vor dem Gründen haben?
Informieren Sie sich umfassend, bauen Sie sich ein Netzwerk auf mit Kontakten, die für Ihr Business wichtig sind und unterstützen Sie sich gegenseitig mit Rat und Tat. Halten Sie nicht starr an Ihren Plänen fest, wie Sie Ihr Projekt zum Erfolg führen wollen. Es ist wichtig, flexibel zu bleiben und neue Chancen auch zu nutzen.

Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen hin?
Wir möchten für Frauen, die schöne feminine Businessoutfits zu vernünftigen Preisen suchen, über Jahrzehnte ein zuverlässiger Anbieter werden und unser Label AMCO fashion dauerhaft nicht nur am Deutschen Markt etablieren.

Freya Oehle

Freya Oehle von Spottster (Foto: Presse)

Das Start-up Spottster will das Einkaufen im Netz leichter machen: Auf einer digitalen Merkliste speichern die Nutzer ihre Produkte ab, und werden alamiert, sobald das vorgemerkte Produkt billiger wird. Kauft der Kunde, erhält Spottster sechs Prozent des Preises. Gemeinsam mit Tobias Kempkensteffen gründete Freya Oehle 2013 in Hamburg das Unternehmen. Im Gespräch rät sie Frauen, einfach zu gründen.

Was heißt es, als Frau zu gründen?
Das gleiche, wie für einen Mann. Harte Arbeit, Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen. Nur dass man sich als Frau manchmal an die überwiegend männliche Gesellschaft gewöhnen muss und man rationaler und selbstsicherer auftreten muss, als es vielen von Natur aus anheim ist.

Was raten Sie jungen Frauen, die Angst vor dem Gründen haben?
Mit erfahrenen Gründern sprechen und sich einfach mal überlegen, warum man selbst glaubt, das nicht mindestens genauso gut zu schaffen. Es gibt nämlich keinen wirklichen Grund dazu, daher ist die ultima ratio: MACHEN!

Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen hin?
Zu einem selbsttragenden, wachsenden und für seine Team-Kultur bekannten, europäischen Player, der die Vernetzung zwischen Kunde und Händler im E-Commerce neu gestaltet.

© Jennifer Fey Photogtaphy, Berlin

Lea Lange von Juniqe (Foto: Jennifer Fey Photogtaphy)

Die Berliner Jungunternehmer von Juniqe bieten die Werke von Hunderten internationaler Künstler auf Leinwänden, T-Shirts, Bettwäsche und Handyhüllen an: Lea Lange gründete das Unternehmen zusammen mit Sebastian Hasebrink und Marc Pohl im Herbst 2013. Im Interview erklärt sie, warum Frauen das Risiko scheuen.

Was heißt es, als Frau zu gründen?
Das kommt ganz auf die Person an. Für mich bedeutet es vor allem: genau das machen, wofür ich brenne. Zusammen mit einem Team von jungen Leuten, mit denen ich jeden Tag gerne zusammen arbeite. Natürlich nimmt man auch viel Risiko und eine große Verantwortung auf sich. Vor allem mit der Verantwortung sollte man sehr bedacht umgehen und bei Unternehmensentscheidungen beachten, wie viele Leute davon betroffen sind.

Was raten Sie jungen Frauen, die Angst vor dem Gründen haben?
Frauen sind oft risikoaverser und trauen sich oft weniger zu als Männer – obwohl sie genauso qualifiziert sind. Es ist wichtig, dass immer mehr Frauen ihre Gründungerfahrungen mit der Öffentlichkeit teilen, um so auch andere Frauen zu motivieren und ihnen Mut zu machen.

Meine Tipps:
Team: Das richtige Team ist sehr wichtig. Im besten Fall hat man mit seinen Partnern schon einmal zusammen gearbeitet und Stärken und Schwächen ergänzen sich gut. Man wird vor allem in der ersten Zeit der Gründung an Grenzen stoßen und da ist es immer gut, wenn man seinen Partnern absolut vertrauen kann.
Idee: Schaue deine Idee von allen Prespektiven an. Kenne deinen Wettbewerb, deine Zahlen, den Markt in- und auswendig.
Fundraising: Plane immer mehr Zeit für das Fundraising ein, das Timing von Investoren ist immer anders als deins.
Ganz wichtig: Nicht zu viel nachdenken, nicht die eigenen Fähigkeiten unterschätzen. Manchmal muss man einfach machen und sich trauen. Und was auch passiert, man wird auf jeden Fall eine Menge lernen.

Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen hin?
Wir wollen Juniqe als europaweite Destination für bezahlbare und kreative Kunst abseits des Mainstreams aufbauen. Wir sind überzeugt, dass Kunst in jeden Haushalt und jeden Alltag gehört. Gleichzeitig wollen wir mit den Geschichten und Werken unserer Künstler mehr und mehr Leute begeistern.

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Maru Winnacker von Oona (Foto: Pressebild)

In ihrem Online-Shop Oona vertreibt Maru Winnacker hochwertige Handtaschen und andere Lederwaren, die individuell designt werden. 2012 hat sie das Unternehmen in Berlin gegründet. Im Gespräch erklärt sie, warum es manchmal auch gut ist, zu scheitern.

Was heißt es, als Frau zu gründen?
Ich vertrete den Standpunkt, dass es für eine Frau genauso einfach zu gründen ist wie für einen Mann. Gründen an sich ist ja nur ein administrativer Schritt. Was man dann daraus macht ist eine andere Frage. Hier gehen, glaube ich, Frauen oft anders, vorsichtiger vor, als Männer – was teilweise auch gut ist, um Risiken vorzubeugen. Allerdings heißt es nach wie vor: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Also einfach machen!

Was raten Sie jungen Frauen, die Angst vor dem Gründen haben?
Ich spreche häufig mit jungen Gründerinnen, die mich fragen, wie sie am besten gründen sollen. Da bekommt man schnell auch einen Blick dafür, ob die jeweilige Person auch wirklich gründen will und ihr Ding durchzieht. Letzteres ist wichtig. Klare Vorstellung und Vision haben von dem Produkt oder der Dienstleistung, das oder die man anbieten möchte. Ein gutes Gefühl für den Markt haben und vor allem einen guten Verkaufssinn und Willen dafür. Auch wenn ein Produkt rein online vertrieben wird – die Kunden sind überall, ob Kooperationen, Investoren etc. Gründen hat immer mit dem Risiko zu tun, dass auch etwas nicht funktioniert. Das tut es sogar in den meisten Fällen. Aber nur daraus lernt man, kann verbessern und schliesslich das Produkt immer besser machen. Es gibt zahlreiche tolle Programme , die junge Gründerinnen unterstützen, unter anderem das HVB Mentoring des HVB Frauenbeirats, dessen Beiratsmitglied ich auch seit diesem Jahr bin.

Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen hin? 
Ich möchte mit Oona eine weltweit beliebte Marke für personalisierbare Taschen und Accessoires aufzubauen, die für Qualität steht – und dies auch zum Großteil Made in Germany. Wir haben so viele herausragende Manufakturen in Deutschland, mit denen wir teils schon zusammenarbeiten. Diese Handwerkskunst sollte erhalten bleiben. Und wenn wir damit auch noch Taschen vor Ort personalisieren, ist das das schönste Endprodukt, das sich unsere Kundinnen vorstellen können. Ein gutes Stück internationale Bekanntheit haben wir schon geschafft. In Korea ist unsere Marke bei Kennerinnen bereits heute beliebt und auch in New York habe ich kürzlich schon einige Oona-Besitzerinnen gesehen. 

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Miriam Wohlfarth von Ratepay (Foto: Pressebild)

Bereits 2009 gründete Miriam Wohlfarth – gemeinsam mit Alexis Giesen und Michael Röbbecke – in Berlin das Start-up Ratepay, ein Dienstleister für sicheres und einfaches Bezahlen im Internet.  Im Unternehmen verantwortet sie die Bereiche Marketing und Vertrieb. Im Interview erklärt sie, wie langfristiger Erfolg möglich wird.

Was heißt es, als Frau zu gründen?
Es bedeutet leider immer noch, sich mit dieser Frage auseinander zu setzen. Ich hoffe, dass es in der Zukunft keine Rolle mehr spielt Frau oder Mann zu sein. Erfolgreiches Gründen entsteht durch Begeisterung und die Fähigkeit umzusetzen und durchzuhalten. Das ist nicht geschlechtsspezifisch. Wir müssen stereotypes Denken ändern, daher kann ich Frauen nur raten, keine Angst vor Männerdomänen zu haben.

Was raten Sie jungen Frauen, die Angst vor dem Gründen haben?
Sich die Frage stellen, was habe ich zu verlieren und was kann ich gewinnen. Die Verlustfrage ist gerade bei jungen Frauen in der Regel nicht so existenziell. Mit Anfang 20 hat man weniger finanzielle Verpflichtungen und wenn man kinderlos ist, auch mehr Zeit. Finanzielle Einbußen kann man leichter verkraften und ein erhöhtes Arbeitspensum muss man nicht mit einer Familie koordinieren.

Der Gewinn ist groß! Man lernt man die Dinge nicht nur einseitig zu betrachten, man erlebt echtes „learning by doing“ und entwickelt Ausdauer und Eigenmotivation. Dadurch wächst die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein. Das wiederum ist die beste Grundlage für langfristigen Erfolg.

Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen hin?
Wir sind heute 80 Mitarbeiter, haben Großes vor und wollen weiter wachsen. Der Enthusiasmus aus der Gründungsphase bricht nicht ab, sondern überträgt sich auch auf die Mitarbeiter, welches sich in unseren Werten wiederspiegelt. So haben wir es geschafft in fünf Jahren einer der führenden Anbieter im Bereich Zahlungssysteme in Deutschland zu werden.

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Cécile Gaulke von Rebelle (Foto: Pressebild)

Mit Rebelle hat Cécile Gaulke 2013 eine Online-Plattform für Designer Second Hand Fashion gegründet. Sie gilt als der kreative Kopf des Unternehmens. Mode ist ihr Leben: Schon vor der Gründung arbeitete sie mehrere Jahren im Fashion-Bereich, darunter auch für die Mercedes Benz Fashion Week. Im Gespräch spricht sie darüber, warum es wichtig ist, etwas unbedingt zu wollen.

Was heißt es als Frau zu gründen?
Eigentlich gibt es hier keinen Unterschied, allerdings sind Gründungen im Internet-Bereich immer noch eine Männerdomäne. Was hilft, ist, die Risiken zu kennen, aber nicht zu viel darüber zu grübeln. Vor allem ist es aber wichtig, es richtig zu wollen! Der Moment, in dem man sich alles einfacher vorgestellt hat, kommt früh genug.

Was raten Sie jungen Frauen, die Angst vor dem Gründen haben?
Vor dem Gründen muss man keine Angst haben! Allerdings sollte man vorher in sich hinein hören, ob ein eigenes Unternehmen mit allen Hochs und Tiefs wirklich das Richtige für einen ist. Wenn man diese Frage mit Ja beantworten kann,  heißt es mit ganzem Herzen loslegen und nicht mehr zweifeln.

Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen hin?
Unser Ziel ist es, Rebelle in Deutschland noch bekannter zu machen und in weiteren europäischen Märkten Fuß zu fassen. Wir wollen die zentrale Anlaufstelle für Designer Secondhand Fashion werden, die über Expertise für Investment Pieces über alle Epochen hinaus verfügt.

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Franziska Hardenberg von Bloomy Days (Foto: Pressebild)

Aus ihrer Liebe zu Blumen gründete Franziska von Hardenberg 2012 Bloomy Days. Dahinter versteckt sich ein Blumen-Abonnement, das für den Kunden zusammengestellt und deutschlandweit direkt verschickt wird. Im Interview erklärt sie, warum Frau nicht mehr als „Randgruppe“ betrachtet werden sollten.

Was heißt es, als Frau zu gründen?
Eigentlich nichts anderes als als Mann zu gründen. Ich habe es nie als Nachteil empfunden, eine Frau zu sein. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir aufhören müssen, Frauen als „Randgruppe“ zu betrachten, die es zu unterstützen gilt. Erst wenn wir diese Barrieren abbauen, werden wir es schaffen, dass es zur Normalität wird, auch als Frau zu gründen. Ich bin mir sicher, dass es in zehn Jahren völlig normal sein wird, dass viele Unternehmen von Frauen geführt oder auch gegründet werden. Immerhin sind wir doch auch 50 Prozent der Bevölkerung und was für ein Verlust wäre es, wenn wir den eigenständigen Weg der Frauen nicht weiter fördern. Meiner Ansicht nach mangelt es aktuell noch an Vorbildern, aber auch daran arbeiten wir. Je mehr Frauen erfolgreich sind, desto mehr werden auch den Mut haben nachzueifern.

Was raten Sie jungen Frauen, die Angst vor dem Gründen haben?
Lasst es sein. Das klingt hart, aber wenn man noch nicht bereit ist, ist es der falsche Zeitpunkt. Ich hatte nie Angst vor dem Gründen, habe aber recht lange gewartet, bis ich mich reif dazu gefühlt habe. Das ist eine sehr typisch weibliche Einstellung, ich denke, dass sie gut ist. Ich wollte erst relevante Arbeitserfahrung sammeln und dann mit diesem Wissen gründen. Meiner Ansicht nach teilt sich die Menschheit in drei Drittel. Ein Drittel ist zum Gründen geboren und kann gar nicht anders, ein Drittel kann lernen zu gründen und wird auch damit erfolgreich sein und ein Drittel empfindet weder das Bestreben nach einer Gründung noch wollen sie die Verantwortung eines eigenen Unternehmens übernehmen. Man muss also sehr genau abwägen, in welchem Drittel man sich selbst einordnet und wenn einen die Angst dominiert, sollte man besser nicht anfangen, da so viele Herausforderungen auf einen zukommen, dass man sehr gut mit Angst und Druck umgehen können muss, um den Aufbau eines Unternehmens auch durchzuhalten. Angst schüttet auch Adrenalin aus, deswegen gehört sie dazu und schärft die Sinne. Aber sie darf einen nie bestimmen.

Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen hin?
Mein Wunsch ist es ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen, mit zufriedenen Kunden und glücklichen Mitarbeitern. Wir sagen immer, dass wir kein Start-up sein, sondern ein Unternehmen werden wollen. Dafür arbeiten wir jeden Tag mit der größten Motivation und Leidenschaft. Wir sind der festen Überzeugung, dass es irgendwann selbstverständlich sein wird, Blumen zu abonnieren und das in ganz Europa. Noch vor vier Jahren gab es diese Idee auf der ganzen Welt nicht, bis ich Bloomy Days gegründet habe. Heute gibt es viele Nachahmer, die auch beweisen, dass der Zeitpunkt genau richtig war und der Markt riesig groß. Auch wenn wir das Rad an sich nicht neu erfunden haben, bin ich stolz, dass wir einen Teil dazu beigetragen haben, die Welt ein Stückchen zu verändern und damit sind wir noch lange nicht fertig.