Dazu trägt auch bei, dass große Ketten wie H&M und C&A ihre eigenen „grünen Linien“ anbieten. Die Kunden denken beim Einkaufen mehr nach als früher. Die Bilder von brennenden Fabriken in Bangladesch lassen viele von ihnen nicht unberührt. Sie wollen wissen: Wo werden meine Schuhe hergestellt, woher kommen das Leder und der Stoff, wo wurde die Baumwolle angebaut und wie sehen die Arbeitsbedingungen der Näherinnen aus?

Die Anzahl der neuen grünen Labels steigt dementsprechend. Ein Umdenken unter den Designern beobachtet auch Magdalena Schaffrin, die den Green Showroom gegründet hat, eine Messe für nachhaltige Labels, die immer während der Berliner Fashion Week stattfindet: Im Jahr 2009 mit 16 Labels gestartet, stellen dort mittlerweile 165 Brands aus. „Auch immer mehr konventionelle Marken und Einzelhändler nehmen grüne Linien in ihr Sortiment auf.“

Doch die Modewelt wäre nicht die Modelwelt, wenn nicht eine Regel nach wie vor gelten würde: In erster Linie zählt das Design. „Schließlich ist es das entscheidende Kriterium, das bei den Kunden den Kaufimpuls auslöst – diesen Punkt kann auch der Nachhaltigkeitsgedanke nicht in den Hintergrund rücken“, sagt Andrea Noelle von Beliya.

Magdalena Schaffrin gibt ihr Recht und warnt vor zu viel Euphorie: „Die Situation für Startups im Modebereich ist generell schwierig, neun von zehn Labels scheitern – auch, weil potentielle Geldgeber eine Investition in die Modebranche als Risikoanlage bewerten, aber wenn sich Startups durchsetzen können, dann bin ich überzeugt, dass es grüne Labels sein werden. Ihnen gehört die Zukunft.“

Das glaubt auch Marina Steinbach, allerdings mit Einschränkung: „Bei den Kunden klafft noch ein großer Graben zwischen dem Bewusstsein für gute, nachhaltige und fair produzierte Produkte und dem Willen dafür auch zu bezahlen. Bis sich das ändert, wird es wohl noch einige Jahrzehnte dauern.“ Und das, sagt die Unternehmensberaterin, erschwere auch für junge Designer die Situation enorm. „Ein Label aufzubauen, das zu Einhundertprozent grün ist, ist sehr schwer. Ein Designer muss schließlich auch immer ein Betriebswirt sein und sich überlegen, wie viel Nachhaltigkeit sich am Ende überhaupt rechnet.“