Inzwischen arbeiten rund 200 Subunternehmen für Movinga. „Wir sind der Flixbus der Umzugsbranche“, sagt Knutzen. Das Start-up hat so Zugriff auf 1500 Lkw. Das Wachstum ist gigantisch. Im Mai zog Movinga nach Berlin. Damals beschäftigten Knutzen und Maslowski gerade mal zwei weitere Praktikanten von der WHU bei Koblenz, wo auch sie wenige Wochen zuvor ihr Studium abgeschlossen hatten. Seitdem explodiert das Geschäft. Heute organisiert die auf mehr als 300 Beschäftigte gewachsene Mannschaft Umzüge auch in der Schweiz, Österreich, Großbritannien, Frankreich und Italien.

Die selbst entwickelte Technik ist das Herzstück von Movinga. Durch die optimierten Routen und die Auslastung freier Kapazitäten ihrer Partnerfirmen schafft es das Unternehmen, Preise für Umzüge anzubieten, die deutlich unter dem Marktschnitt liegen. Gleichzeitig entfällt bei Movinga die zeit- und kostenaufwändige Angebotsberechnung für einen Neukunden. Traditionell kommen Vertreter von Umzugsfirmen persönlich bei einem Kunden vorbei, um den Aufwand und Preis für den Transport abzuschätzen. Bei Movinga erledigt das die Software.

Alles was dafür nötig ist sind ein paar Infos zum Haushalt, sprich: Personenzahl, Wohnungsgröße in Quadratmetern, Etage, ob ein Aufzug vorhanden ist und wie viele Meter der Lastwagen entfernt parken kann. „Das reicht in den allermeisten Fällen aus, um ein fixes Angebot zu machen“, sagt Knutzen. Dieser Festpreis werde danach auch nicht geändert, verspricht Knutzen. „Wir setzen auf Seriosität und Qualität“. Der durchschnittliche Umzug: ein Zwei-Personen-Haushalt für 1100 Euro durch Deutschland.

Briten wissen nicht, wie groß ihre Wohnung ist

Nun steht vor allem die internationale Expansion auf dem Programm. Der Gang nach Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Skandinavien ist bereits in Arbeit. Danach wollen sich die Gründer an einen besonders großer Markt wagen: „Die USA haben wir in der Pipeline.“ Movinga ist bereits in diversen Auslandsmärkten aktiv. Vor allem der britische Markt sei interessant. „Jeder vierte Umzug dort geht ins Ausland“, so Knutzen. Für die Briten musste die Software neu programmiert werden. „In Deutschland und anderen Ländern kennt jeder Einwohner die Quadratmeterzahl seiner Wohnung“, so Knutzen. „In England nicht. Dort müssen wir andere Fragen stellen, um ein Angebot machen zu können.“

Ein Selbstläufer ist Movinga trotz des bisherigen Erfolgs dennoch nicht. Inzwischen gibt es Nachahmer wie das Start-up Movago – ebenfalls aus Berlin. Doch der Markt hat Platz für mehrere Wettbewerber. Movinga-Gründer Knutzen schätzt ihn auf fast sieben Milliarden Euro ein. Allein in Deutschland würden jedes Jahr rund neun Millionen Bundesbürger umziehen.

Und auch kuriose Ware bewegt Movinga gerne: Vor Weihnachten transportierte das Unternehmen einen Hubschrauber von Ramstein nach Hawaii. Auftraggeber: das US-Militär.

Steckbrief

Movinga
Start: Januar 2015 in Vallendar, im Mai Umzug nach Berlin
Geschäftsführung: Finn Haensel, Chris Maslowski, Bastian Knutzen, (Foto v. l.)
Mitarbeiter: 320
Finanzierung: rund 35 Millionen Euro, u. a. Earlybird
Märkte: Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Schweiz, Österreich