Das Unternehmen ist auf die computergestützte Objekterkennung spezialisiert – und zielt damit auf Kunden aus der Gastronomie und der Industrie.

Es ist ein technologischer Mega-Trend: Mittels Künstlicher Intelligenz (KI) lernen Computer, Dinge in der physischen Welt zu erkennen. Nötig dafür sind oft zigtausende Trainingsstunden, in denen Menschen zunächst manuell relevante Objekte in Fotos und Videoaufnahmen markieren. Diese Arbeit auf ein Minimum reduzieren will MoonVision. Das Wiener Start-up beansprucht für sich, Algorithmen entwickelt zu haben, die für bestimmte Anwendungen auch mit wenig Ausgangsdaten verlässliche Ergebnisse liefern.

Gegründet im August 2017, hat MoonVision Anfang vergangenen Jahres erste Business Angels als Investoren gewonnen. Nun gibt es eine neue Finanzspritze: Der österreichische Wagniskapitalgeber Arax Capital Partners investiert eine Million Euro in das Start-up, wie die Unternehmen heute bekannt gaben. Damit soll die Internationalisierung, die Produktentwicklung und der Ausbau des aktuell 15-köpfigen Teams vorangetrieben werden.

Feuertaufe auf dem Oktoberfest

Erste Pilotprojekte hatte das Start-up in der Gastronomie realisiert. So kam die Software im Ammer-Festzelt beim Münchener Oktoberfest 2017 zum Einsatz. Eine Kamera filmte dort den Küchenausgang. Die Software identifizierte die Gerichte – der Festzelt-Betreiber konnte so prüfen, ob alle Speisen richtig abgerechnet worden. Das Telekommunikationsunternehmen A1 nutzt die Lösung, um die Abrechnung in der Kantine zu beschleunigen.

„Unsere Algorithmen funktionierten dort besonders gut, wo es darum geht, Dinge zu zählen oder Oberflächen zu erkennen“, sagte MoonVision-CEO Florian Bauer im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. „Neben der Gastronomie ist die Produktion ein interessantes Feld für uns.“ Bauer betont, dass das Training der Algorithmen wesentlich schneller vonstatten geht als bei bisherigen Lösungen – und dennoch verlässlichere Ergebnisse liefert.

Audi unter den Kunden

Erste Kunden aus der Industrie kann das Start-up bereits vorweisen. So setzt Audi die Software von MoonVision ein, um sich an Lagerplätzen in Ingolstadt einen Überblick zu leeren Transportbehältern zu verschaffen. Das Technologieunternehmen Miba will dagegen mit Hilfe des Start-ups die Wartung von Gleitlagern beschleunigen – indem der Computer die Oberflächen analysiert und daraus Rückschlüsse auf den Zustand zieht.

Für jede neue Anwendung muss das Start-up seine Algorithmen anpassen. Künftig sollen technisch versierte Kunden das weitgehend selbst erledigen können. Dazu will MoonVision in den kommenden Tagen eine „Online-Toolbox“ starten. Über die Cloud-Plattform lassen sich Videos hochladen, aus denen die Software Bilddaten extrahiert. Damit wird dann – mit menschlicher Unterstützung – die Künstliche Intelligenz (KI) trainiert. Das fertige Datenmodell können Unternehmen entweder in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum betreiben.