Die Berliner Gründer wollen die Vorauswahl von Bewerbern mit Hilfe Künstlicher Intelligenz vereinfachen. Investoren steuern nun einen Millionenbetrag bei. 

Fehlendes Spezialwissen, zu wenig Erfahrung, Schwächen in der Präsentation: Wer auf der Suche nach einem neuen Job eine Absage kassiert, erfährt bislang häufig nichts über die Hintergründe. Das Berliner Start-up Moberries will mehr Transparenz schaffen – und Kandidaten im Bewerbungsprozess nicht nur mit potenziellen Arbeitgebern zusammenbringen, sondern auch Feedback geben.

Um auf dem Markt für Personaldienstleistungen wachsen zu können, hat Moberries vor Kurzem einen mittleren einstelligen Millionenbetrag von Investoren erhalten. Zur genauen Summe will sich die junge Firma nicht äußern. Geschäftsführer Terence Hielscher verweist im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer auf laufende Gespräche zu weiteren potenziellen Investments. Geldgeber der aktuellen Finanzierungsrunde sind die Abu Issa Investment Group aus Katar, der halbstaatliche Frühphasenfinanzierer High-Tech Gründerfonds (HTGF), die Venture-Capital-Gesellschaft Littlerock mit Sitz in Düsseldorf, der Münchener Risikokapitalgeber 42CAP sowie mehrere Business Angels. Bereits 2017 hatte Moberries in einer Finanzierungsrunde 1,8 Millionen Euro erhalten.

Automatisierter Filter

Seit zwei Jahren tritt das Start-up aktiv an Personalabteilungen bei Unternehmenskunden heran. Das Versprechen: Die Vorauswahl von Kandidaten für offene Stellen zu vereinfachen und zu beschleunigen. Um Bewerberprofile zu Beginn des Prozesses automatisiert zu beurteilen, trainiert Moberries einen selbstlernenden Algorithmus. Die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) greift dabei auf Daten aus den Personalabteilungen zurück – etwa zu den Gründen für eine Ablehnung. Auf der Basis filtert die Software die eingehenden Bewerbungen und bringt schließlich Kandidaten und Arbeitgeber zusammen. Für Bewerber ist das Angebot kostenlos, Unternehmenskunden zahlen eine monatliche Nutzungsgebühr oder anteilig im Erfolgsfall.

Das frische Kapital soll nun dabei helfen, das Vertriebsteam aufzustocken, um auf dem deutschen Markt wachsen zu können. Von insgesamt 20 auf 30 Mitarbeiter soll das Unternehmen in nächster Zeit wachsen. Ein Fokus liegt auf dem von Moberries entwickelten Chatbot Jobbot.me, den die junge Firma unter anderem über soziale Netzwerke verbreiten will. Im Chat sollen Bewerber zum Beispiel erfahren, warum sie vom Arbeitgeber abgelehnt wurden und darauf basierend Tipps für die Weiterbildung erhalten. Mehr als 1,5 Millionen Nutzer konnte das Start-up damit nach eigenen Angaben bislang gewinnen.

Start in Katar geplant

Um auf dem umkämpften Markt bestehen zu können, bemüht sich das Gründerteam aus Terence Hielscher und Mo Moubarak um Unterstützung: So kooperiert das Start-up beispielsweise mit dem Softwarekonzern SAP. Der Geldgeber aus Katar soll den Zugang zu weiteren internationalen Märkten in der Region öffnen: „Wir sind in Katar noch nicht gestartet, haben das aber vor. Da wir weltweit expandieren wollen, ist die Abu Issa Investment Group ein starker Partner“, sagt Hielscher zu WirtschaftsWoche Gründer. Wie die Zusammenarbeit mit dem Investor konkret aussehe, werde sich erst in den kommenden sechs Monaten zeigen.