Mit einer kilometerbasierten Abrechnung will sich das Unternehmen von Wettbewerbern abheben. Nun soll die Flotte deutlich vergrößert werden.

Er hat den T-Shirt-Händler Spreadshirt aufgebaut, das soziale Netzwerk StudiVZ und den Essenslieferdienst Delivery Hero mitgegründet: Lukasz Gadowski gehört zu den bekanntesten Internetunternehmern in Deutschland. Auch als Investor ist Gadowski schon lange tätig – beteiligt hat er sich in den letzten Jahren etwa an dem Food-Start-up Mymüsli, dem Flugtaxi-Unternehmen Volvocopter und der Baumachinen-Plattform Klarx. Jüngstes Investment des Seriengründers ist ein Carsharing-Dienst: Miles Mobility.

Wie WirtschaftsWoche Gründer erfuhr, hat das Berliner Start-up gerade fünf Millionen Euro eingesammelt. Demnach waren neben Gadowski die Wagniskapitalgesellschaften Inventure Partners, WestTech Ventures und Weller Venture Capital sowie weitere Berliner Business Angels an der Finanzierungsrunde beteiligt. Mit dem frischen Kapital will das Start-up seine Flotte vergrößern.

Expansion in weitere Städte

Miles war im Mai 2017 unter dem Namen Drive By in Berlin an den Start gegangen und ist seit dem vergangenen Oktober auch in Hamburg vertreten. Aktuell sind über 300 Fahrzeuge in der Flotte. „Das wollen wir nun deutlich erweitern“, sagt CEO Timo Nührich. Der Ex-Audi-Manager hatte das Start-up zusammen mit Alexander Eitner und Florian Haus gegründet. Auch der Start in weiteren europäischen Städten soll bald erfolgen. Welche das sein werden, will Nührich aber noch nicht verraten. Im Zuge der Expansion soll auch das aktuell 50-köpfige Team deutlich wachsen.

Das Start-up bietet ein stationsloses Carsharing an. Anders als die großen Anbieter Drivenow und Car2Go, die von den Muttergesellschaften BMW und Daimler gerade zusammengelegt werden, rechnet Miles Fahrten statt nach Minuten nach gefahrenen Kilometern ab. Je nach Fahrzeugklasse kostet ein Kilometer 79 Cent bis 1,19 Euro. „Indem wir den Zeitdruck beseitigen, können wir viel Stress auf den ohnehin überlasteten Straßen verhindern“, sagt Nührich.

Außer für kurze Fahren können Nutzer die Fahrzeuge für längere Zeiträume bis zu einem Monat mieten. Damit greift Miles auch klassische Autovermietungen an. Als Bestätigung seiner Idee sieht Nührich den jüngsten Vorstoß von Sixt: Der Autovermieter, der bis Anfang 2018 an Drivenow beteiligt war, hatte in Berlin kürzlich ein ganz ähnliches Angebot gestartet. Abheben von den Konkurrenten will sich Miles auch dadurch, dass das Start-up neben Klein- und Kompaktwagen auch Transporter in seiner Flotte hat.

Wachstumsmarkt Carsharing

Carsharing in Deutschland gilt als Wachstumsmarkt. Laut dem Bundesverband CarSharing waren im vergangenen Jahr 2,46 Millionen Kunden bei über 180 Anbietern angemeldet – ein Plus von 16,6 Prozent gegenüber 2017. Stationslose Angebote gibt es demnach aktuell in sieben Städten. Start-ups wie Getaway, an dem der Energieversorger Innogy seit August beteiligt ist, und Turo aus den USA wollen außerdem private Autobesitzer dazu animieren, ihre Fahrzeuge zu vermieten.

Umstritten ist, ob durch Carsharing tatsächlich mehr Menschen auf ein eigenes Auto verzichten, wie die Anbieter gerne argumentieren. Kritiker befürchten, dass vor allem Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln ersetzt werden. Zudem ist der Anteil an Elektrofahrzeugen ist in den Flotten der Carsharing-Dienste bislang gering.

Auch bei Miles haben alle Fahrzeuge bislang einen Verbrennungsmotor. „Elektromobilität lässt sich für uns noch nicht wirtschaftlich darstellen“, sagt Nührich, „zudem gibt es noch zu große Lücken bei der Ladeinfrastruktur“. Offen lässt er, ob Miles langfristig auch andere Fahrzeuge – etwa Fahrräder oder elektrische Tretroller – in seine Flotte integrieren will. Einen Anknüpfungspunkt gäbe es in dem Segment zu dem jüngsten Start-up des neuen Hauptinvestors: Mit Flash will Lukasz Gadowski auf dem umkämpften Markt für E-Scooter mitmischen.