Viele Mitglieder, viele Kooperationen, enge gesetzliche Regelungen: In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute: Was wünschen sich MediaTech-Start-ups?

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute berichtet Andrea Peters, Vorstandsvorsitzende media.net berlinbrandenburg e.V. und Geschäftsführerin des MediaTech Hub Potsdam.

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Wenn man an Potsdam und vor allem den Standort Babelsberg denkt, kommen den meisten eher alteingesessene und traditionelle Unternehmen wie das Studio Babelsberg oder die UFA in den Sinn.. Deshalb freuen wir uns, dass die Verbindung zwischen den Start-ups, die wir beispielsweise durch unser MediaTech Lab an den Standort holen konnten, und den alteingesessenen Unternehmen sehr gut läuft, es herrscht eine große Offenheit. Es gibt keine Konkurrenz im Sinne von “Alt gegen Neu”, sondern es sehen alle als Mehrwert an, dass sich der Standort weiterentwickelt.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Start-ups dazu kommen würden. Was wir gerade fördern, ist die Zusammenarbeit mit den Hochschulen am Standort, damit sich noch mehr Ausgründungen ergeben. Dafür rufen wir noch in diesem Jahr einen Accelerator ins Leben. Außerdem organisieren wir Hackathons, damit sich die Studierenden der drei Universitäten und Fakultäten Filmuniversität Babelsberg, Universität Potsdam und das Hasso-Plattner-Institut kennenlernen und wir so die Bereiche Kreativität, Technologie und Management verknüpfen können. Mit der Investitionsbank des Landes Brandenburg arbeiten wir an einem Fonds, der speziell für Startups des Accelerators eine Seed-Finanzierung möglich macht.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
Mit der UFA, dem Filmstudio Babelsberg und der Filmuniversität haben wir drei internationale Leuchttürme in der Region, die entscheidend für den Bereich MediaTech sind. Sie haben Babelsberg geprägt, der Stadtteil ist praktisch ein Synonym für Film und TV. Gleichzeitig steht er für Veränderung: vom Stumm- zum Tonfilm, von Schwarz-Weiß zu Farbe, von analog zu digital. Nun entstehen aus dem Bereich MediaTech heraus völlig neue Möglichkeiten und Märkte – wir überschreiten dabei die Grenzen unserer bisherigen Branche. VR gab es bis vor wenigen Jahren als Science Fiction, jetzt wird es bspw. mit dem „begehbaren Film“ Realität: bewegte Bilder verlassen 2D und werden 3D. Unsere Zielgruppen und Kunden sind nicht mehr primär der Entertainment- und Mediensektor, sondern verstärkt Industrie, im Prinzip alle Wirtschaftszweige, auch die Verwaltung, Politik und Bildung.

Und auf welchen Ort/welche Region blicken Sie neidisch?
Es gibt natürlich Standorte, die durch gewisse Incentives im Tech-Bereich oder Steueranreizmodelle einen sehr großen Wettbewerb darstellen. Länder wie Frankreich, Kanada, oder UK, aber auch immer mehr osteuropäische Länder bieten sowohl für Produktion als auch für die Ansiedlung der Unternehmen steuerliche Vorteile und werden so sehr attraktiv. Der Wettbewerb findet mittlerweile auf internationaler Ebene und nicht mehr nur in Deutschland statt.

Regulierung: Welches neue Gesetz würde helfen? Oder welches bestehende Gesetz müsste weg (oder sich ändern)?
In unserem speziellen Medienumfeld ist es ganz klar das Thema Finanzierung, besonders mit Blick auf den internationalen Wettbewerb. In Deutschland gibt es festgelegte Fördertöpfe, und wenn die leer sind, sind sie leer. Wie schon gesagt, gibt es in anderen Ländern steuerliche Anreizmodelle, die natürlich nicht einfach enden. Große international Produktionen machen beispielsweise alles, was digitale Effekte angeht, u. a. in Kanada, da sie dort 45% Steuererlass bekommen. Da sind wir dann nicht mehr wettbewerbsfähig.

Kooperationen: Sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?

Freund, absolut. Der ganze Standort Babelsberg baut darauf auf. Es gibt Konzerne wie die UFA mit Bertelsmann dahinter, aber auch viele kleine und mittelständische Unternehmen und nun kommen nach und nach die Startups dazu. Es ist also ein gewachsener Standort, der nicht künstlich entstanden ist. Daher ist es auch für die Startups attraktiv, dass sie nicht unter sich bleiben, sondern dass sie den Zugang zu den großen Unternehmen bekommen. Als wir die Startups für unser Lab ausgewählt haben, haben alle die Nähe zu den etablierten Unternehmen als einen Grund für die Bewerbung genannt.

Was wird das nächste große Ding in diesem Themenbereich (des Hubs)?

Für uns wird besonders spannend, wie wir mit einer Technologie wie Virtual oder Augmented Reality die Erfahrungen, die wir damit im Medienbereich gemacht haben, auf andere Industrien übertragen können. VR wird in der Industrie letztlich eine größere Rolle als im Entertainment Bereich spielen, weil es dort in Arbeitsprozesse eingebunden werden kann und nicht als reines Medium zur Präsentation genutzt wird. Das merken wir auch an den Nachfragen aus der Industrie: Das volumetrische Studio, die Volucap GmbH, das mit seiner 360°-Technologie den Film begehbar macht, erhält jetzt schon sehr viele Anfragen aus dem Bereich Tourismus, der Automobilbranche und der Gesundheitsbranche.