Von Berlin aus will das Start-up Patienten für seine Behandlungsplattform gewinnen. Auf den deutschen Markt wagen sich die Gründer aber noch nicht.

Für den Aufbau eines digitalen Krankenhauses hat Medbelle sechs Millionen Euro von Investoren erhalten. Mit dem frischen Kapital wolle das Start-up mit Sitz in Berlin in weitere Medizinbereiche wie Orthopädie und Fertilitätsmedizin vordringen und im englischsprachigen Raum wachsen, sagte Mitgründer und Managing Director Leander de Laporte im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Bisher ist Medbelle ausschließlich in Großbritannien verfügbar. In Deutschland wolle die junge Firma erst in einigen Jahren aktiv werden, so de Laporte. Als Grund nennt er komplexere rechtliche Rahmenbedingungen.

Medbelle richtet sich mit einer App an Patienten, die sich auf eigene Kosten von einem Arzt behandeln lassen wollen. So lassen sich über die Vermittlungsplattform derzeit vor allem Schönheits- oder Augenoperationen buchen. Dabei registrieren sich die Nutzer, geben im Kundenprofil ihre medizinischen Daten an und bekommen Ärzte für die gewünschte Behandlung vorgeschlagen.

Über die App lassen sich dann eine Kostenaufstellung und die Finanzierungsmöglichkeiten abrufen sowie ein Termin vereinbaren. Im Hintergrund bucht das Start-up die Behandlungsräume in einer kooperierenden Praxis oder Klinik und sendet die medizinischen Daten an den Arzt. Auch die Abrechnung mit dem Patienten läuft über die Plattform. Für medizinische Fragen, etwa nach dem Eingriff, stellt das Start-up jedem Nutzer eine Fachkraft als Ansprechpartner zur Seite.

Bisher konnte Medbelle nach eigenen Angaben rund 30.000 Nutzer gewinnen. Bis 2020 sollen es 150.000 werden, daher investiert die junge Firma nun mit Hilfe der neuen Finanzierung verstärkt ins Marketing. 2016 gegründet, sind inzwischen 37 Mitarbeiter mit der Weiterentwicklung der Plattform beschäftigt. Im nächsten Schritt plant die Firma, in den USA anzugreifen. Fast das gesamte Team hält Medbelle jedoch in Berlin, da dort nach Ansicht von de Laporte medizinische Fachkräfte einfacher zu finden sind als in Großbritannien.

Niedrigste Einstiegsschwelle in Großbritannien

Das Geschäftsmodell des Start-ups ähnelt dem eines gewöhnlichen Krankenhauses. Dabei verfolge Medbelle das Ziel, Kosten durch schlankere, digitale Abläufe zu sparen, sagte der Mitgründer. Derzeit nutzt die junge Firma Besonderheiten des Gesundheitssystems in Großbritannien: So rechnen dort viele Ärzte im Bereich der Selbstzahler-Behandlungen direkt auf freiberuflicher Basis ab. Deutlich komplizierter wird es, wenn Krankenkassen beteiligt sind. „In Gesprächen mit Versicherern in Großbritannien haben wir erste positive Signale erhalten, daher bin ich zuversichtlich, dass eine Zusammenarbeit in den nächsten zwei bis drei Jahren klappt“, so de Laporte.

Als starkes Signal wertet er auch die Beteiligung der VC-Gesellschaft des Versicherers Signal Iduna, Signals Venture Capital, in der aktuellen Finanzierungsrunde. Zu den weiteren Investoren gehören Talis Capital, Mutschler Ventures, die IBB Beteiligungsgesellschaft sowie Cavalry Ventures. Trotz des herannahenden Brexits rechnet Medbelle nicht mit rechtlichen Schwierigkeiten. Die Richtlinien für das Gesundheitswesen behalte das Start-up weiterhin im Blick, auch die sensiblen Patienteninformationen würden nach den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung verarbeitet.