Auch die EU sieht laut „Aktionsplan Unternehmertum 2020“ ältere Menschen als eine Zielgruppe, um das Gründertum in Europa langfristig aufrecht zu erhalten.

Ältere Gründer vor allem in High-Tech-Sektor und Dienstleistungsbranche

Im High-Tech-Sektor deutet sich die Entwicklung besonders stark an: Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stellte schon 2012 fest, dass – wenn man die Informations- und Kommunikationstechnologie weglässt – über 40 Prozent der Gründer im High-Tech-Sektor älter als 45 Jahre sind. Für Unternehmertum selbst im Rentenalter spricht eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). 40 Prozent der über 65-Järhigen, die noch arbeiten, sind demnach selbständig oder im Familienunternehmen tätig. Bei den unter 65-Jährigen seien es hingegen nur elf Prozent.

Was früher „Ältere“ waren, sind heute Menschen mittleren Alters

Ab welchem Alter ein Gründer als „alt“ gilt, ist schwer zu sagen: Manche Soziologen unterscheiden zwischen den noch fitten „jungen Alten“ (ab 50 oder 60) und den schon labileren „alten Alten“ (ab 70 oder 80). Andere kritisieren diese Unterscheidung, denn jeder Mensch altere anders.

Die EU und die OECD verwenden den Begriff „Senior Entrepreneur“ für die Altersklasse ab 55 Jahren. Das RKW zieht die Unterscheidung von Gründern schon bei 45 Jahren, spricht aber von Gründern „ab dem mittleren Alter“ oder „in der zweiten Lebenshälfte“. Denn was früher „ältere“ Menschen waren, seien heute Menschen im mittleren Alter. Der Begriff „Mature Entrepreneur“ (reiferer Gründer) zielt in die gleiche Richtung.

Konsumgüter für die Silver Ager

Unabhängig von solch definitorischen Fragen wird das Durchschnittsalter der Gründer sehr wahrscheinlich ansteigen. Denn nicht nur der Anteil der „Älteren“ an der Gesamtbevölkerung wächst, auch die Gründungsfreude innerhalb der Altersgruppen dürfte sich verändern. Schließlich leben wir entgegen mancher Vorurteile nicht nur immer länger, sondern wir bleiben dabei auch länger gesund und haben länger Lust, uns zu selbstverwirklichen.

Noemí Fernández Sánchez vom RKW sieht darüber hinaus Treiber von der Nachfrageseite. Eine alternde Gesellschaft benötige neue Konsumgüter und Dienstleistungen. Und wer wäre besser geeignet, Konsumgüter für die Gruppe der sogenannten Silver Ager zu konzipieren, als die Silver Ager selbst? Die Zweistärkenbrille – eine Fernbrille und Lesebrille, ähnlich der Gleitsichtbrille – zum Beispiel hat Benjamin Franklin im Alter von etwa 70 Jahren erfunden – weil er sie selbst gut gebrauchen konnte.