Denn gerade bei Tabus geht es um sensible Themen, die von jeder Person anders wahrgenommen werden. Wer versucht daran etwas zu ändern, kann potenzielle Kunden im schlimmsten Fall sogar vergraulen. Den meisten Nutzern sei es schon unangenehm genug, solche Produkte überhaupt zu benötigen.

Marketing für Produkte in der Tabuzone kann aber auch humorvoll oder kreativ sein – wenn dabei Beschwerden oder Leiden nicht ins Lächerliche gezogen werden. Mit Sprüchen wie „Die schönsten Eier sind vegan“ und dem Hashtag „make magic happen“ bewirbt etwa das Start-up Einhorn seine fair produzierten Kondome.

Nicht zuletzt geht es beim Marketing auch stets um aktuelle Trends: Neben dem anhaltendes Top-Trend Nachhaltigkeit, setzt Ooshi auf die noch recht jungen, weiblichen Bewegungen für mehr Selbstbestimmung und „Body Positivity“. In den USA und Australien läuft das Geschäft mit ähnlichen Produkten und Konzepten im Bereich „Female Health“ bereits erfolgreich. Gleiches erhoffen sich Ernst und Zeller nun auch vom deutschen Markt: Sein Marktvolumen schätzen sie auf rund 500 Millionen Euro.

Punkten mit dem Produkt selbst

Bei der Werbung enden die strategischen Überlegungen bei Start-ups mit diesen Herausforderungen jedoch nicht. Zudem lässt etwa die Produktgestaltung Spielraum für Werbestrategien: Sie sollte attraktiv und neutral sein, ohne das vermeintliche Tabu zu betonen, sagt Holzmüller.

Einhorn verkauft etwa die Kondome up in auffällig bunten und mit Illustrationen von jungen Künstlern gestaltete Verpackungen, die an Chipstüten erinnern sollen. Das hat einen Grund: Einigen ist es unangenehm Kondome zu kaufen und sie versuchen die Packung auf dem Kassenband zu verdecken. Daher packt das Start-up die Kondome direkt in eine von Chipstüte – so sollen sie nicht mehr wie Medizinprodukte aussehen.

Auch Zeller und Ernst haben darauf bei der Entwicklung ihrer Period-Pantys geachtet: Optisch unterscheiden sie sich nicht von üblicher Damenunterwäsche. Langfristig streben sie mit Ooshi die Expansion ins Ausland an. Der erste Schritt in die richtige Richtung scheint gemacht: Eine jüngst abgeschlossene Crowdfunding-Kampagne brachte Ooshi eine Summe von knapp 48.000 Euro ein– das eigentliche Ziel lag bei 10.000 Euro.