Das Start-up bringt vordergründig Kleinstläden und Großhändler auf einem Marktplatz zusammen. Zahlende Kunden sind aber Konsumgüterhersteller.

Papierlisten, Anrufe und Nachrichten bei WhatsApp: „Erschreckend ineffizient“ und nicht mehr zeitgemäß sei der Bestellprozess zwischen Kiosken und Großhändlern, sagt Uwe Hölzer. Sein Start-up Magaloop will das nun ändern – mit einem digitalen Marktplatz. Per App kann man dort von Tabakwaren über Getränke bis zu Kaugummis alles aus dem typischen Kiosk-Sortiment ordern. Für Nachbestellungen genügt es, mit der Smartphone-Kamera den Barcode des Produktes zu scannen und auf dem Display die gewünschte Menge zu wählen.

So einfach die Idee klingt, so komplex ist die Umsetzung. Schuld sind die unübersichtlichen Strukturen: Den unzähligen Kiosken, Spätis und Büdchen in Deutschland stehen rund 5000 bis 6000 Lieferanten gegenüber. Die sind oft lokal oder regional tätig, mitunter auch nur für einen bestimmten Kiez und eine einzelne Warenkategorie, erklärt Hölzer: „Der Markt ist extremfragmentiert und bisher kaum digitalisiert.“ Erst wenige Branchenriesen wie Lekkerland, Metro oder Handelshof bieten überhaupt flächendeckend Online-Bestellungen an.

Finanzierungsrunde in Höhe von sechs Millionen Euro

Losgelegt hat das 2018 gegründete Start-up zunächst in Berlin. Seit dem Jahreswechsel ist Magaloop auch im Rhein-Main-Gebiet, in Nordrhein-Westfalen und Hamburg vertreten. Immerhin knapp 50, überwiegend größere Lieferanten konnte das Start-up bisher auf seinen Marktplatz locken. Schneller lassen sich die Kioskbetreiber überzeugen: Mehr als 2000 haben sich inzwischen bei der App registriert – auch weil Nutzer Prämien für das Werben neuer Kunden bekommen. „Wir profitieren da stark von der Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt der Gründer.

Magaloop-CEO Uwe Hölzer. Foto: privat

Magaloop-CEO Uwe Hölzer. Foto: privat

Nun will das bisher 30-köpfige Start-up den Vertrieb stark ausbauen – ermöglicht durch eine kräftige Finanzspritze. Sechs Millionen Euro haben Bestandsinvestoren gerade in das Unternehmen gesteckt. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde vom Schweizer Bestandsinvestor Redalpine. Beteiligt waren auch Atlantic Food Labs aus Berlin, Market One Capital (Luxemburg), die Londoner VC-Firma Piton Capital, Bitburger Ventures und FJ Labs aus New York.

Das Vertrauen der Investoren dürfte dadurch bestärkt worden sein, dass das Start-up auch in der Coronakrise wachsen konnte. Branchenexpertise können die Gründer ohnehin vorweisen: Hölzer hat vor einem Intermezzo als Geschäftsführer des Möbelhauses Porta jahrelang im Handel gearbeitet – zuletzt in leitenden Funktionen beim Großhändler Metro. Für Magaloop tat er sich mit Michael Högemann zusammen, einem der Dawanda-Gründer. Das Portal war einst als Marktplatz für selbstgemachte Dinge stark gewachsen, gab nach anhaltend hohen Verlusten aber vor drei Jahren auf.

Konsumgüterhersteller als Kunden

Magaloop will bei Kiosken und Großhändlern damit punkten, dass der Bestellprozess für beide Seiten schneller geht – und über die App nicht mehr kostet. Geld verdienen will das Start-up nicht über Handelsmargen oder Provisionen, sondern mit Diensten für Konsumgüterhersteller. „Wir bieten einen einzigartigen Kanal, über den die Hersteller direkt die vielen unabhängigen Händler erreichen können“, sagt Hölzer. Diese seien nicht alleine wegen des Umsatzes wichtig: Der unabhängige Einzelhandel sei entscheidend für die Markenbildung.

Kunden bei Magaloop sind auf Seiten der Konsumgüterhersteller bisher neben anderen Red Bull, Veltins, Voelkel und Diageo. Ihnen bietet das Start-up etwa an, mit Kampagnen gezielt zu werben. Basieren soll das auf Datenanalysen: So kann das Start-up angeben, wo einzelne Marken bisher kaum im Großhandel eingekauft werden. Nachteile für die Kiosbesitzer gebe es durch die Auswertungen keine, verspricht Hölzer. Im Gegenteil: Nutzen sie Magaloop für ihre Bestellungen, sammeln sie „Cashback-Punkte“, die sie sich auszahlen lassen können. Der Gründer spricht vom „Robin-Hood-Gedanken“: Die großen Konzerne zahlen für einen neuen Zugang zu den Kleinhändlern, die ziehen daraus einen finanziellen Vorteil.

Start-up sucht nach Logistik-Partnern

Das Geschäftsmodell bringt mit sich, dass Magaloop umso wertvoller für die großen Branchenplayer ist, umso größer das Netzwerk ist. Das Start-up strebt deswegen eine schnelle Internationalisierung an. Die ersten Schritte könnten dabei nach Osteuropa führen, so der Gründer. Doch auch Asien und Südamerika seien wegen der vielen unabhängigen Kleinsthändler attraktiv. Das internationale Marktpotenzial ist groß: Rund 70 Millionen unabhängige Händler gibt es Schätzungen zufolge weltweit. „So unterschiedlich die Strukturen sind – ein Smartphone hat jeder Ladenbesitzer“, sagt Hölzer.

In Deutschland liegt vorerst der Fokus darauf, das Netz der Großhändler zu verdichten. Hölzer macht keinen Hehl daraus, dass er mit der Zahl der angeschlossenen Partner noch nicht zufrieden ist. Für das Start-up ist wichtig, dass Herstaeller kleine Händler möglichst flächendeckend erreichen können. Wo das über Großhändler nicht gelingt, könnte das Start-up auch selbst in die Belieferung einsteigen. „Für Produkte, die nicht vom Angebot der Großhändler abgedeckt werden, schauen wir uns perspektivisch nach Logistik-Partnern um, damit wir auch hierfür eine geeignete Distribution anbieten können“, kündigt Hölzer an.