Spielzeiten auf dem Handy regulieren

Ist das noch gut gemeinte Kontrolle oder schon der Beginn einer paranoiden Überwachung? David Spanier ist jedenfalls nicht der einzige, dem die Angst der Eltern um ihre Kinder die Idee zu einem Start-up gegeben hat. Der Münchner Benjamin Gilg hat eine App entwickelt, die die Surfmöglichkeiten von Kindern auf ihren Smartphones einschränkt. „Eltern können damit die Surf-und Spielzeiten auf den Telefonen ihrer Kinder regulieren oder Seiten sperren, damit keine unerwünschten Einkäufe getätigt werden können.“

 Entstanden ist „Protect your kid“ im Rahmen eines Business-Wettbewerbs an der LMU München, wo Gilg, 25, Physik studierte. Er und seine Mitgründer, ein BWLer und ein Informatiker, selbst kinderlos, wussten von Bekannten wie sehr Eltern die Sorge um die Handynutzung des Nachwuchses umtreiben kann. Und auch dass diese bereit sind für Hilfe zu zahlen. 3,90 kostet die App monatlich, wenn man sich für ein Jahresabo entscheidet. Mehrere hundert habe man schon verkauft, sagt Gilg. Im Google Play Store allerdings liest man neben positiven Kommentaren der Eltern auch so manche Bewertung, die weniger begeistert klingt. „Verärgerte Kinder vergeben gerne mal nur einen Stern, was ja aber eigentlich für unser Produkt spricht“, sagt Benjamin Gilg lachend.

Für ihn ist der Einsatz der App durch die Eltern durchaus gerechtfertigt: „Ich selbst durfte als Kind auch nur eine Stunde am Tag Computer spielen – nur ohne die App können Eltern eine solche Vorgabe heutzutage natürlich nicht mehr so einfach überprüfen.“

Von Kindern zu Senioren

Auch David Spanier lässt Kritik an seiner Idee nicht zu: „Wir haben den Tracker jedenfalls nicht als Dauer-Überwachungsinstrument entwickelt, der die Eltern in einen Ortungswahn stürzt. Am Ende liegt es aber an ihnen, wie intensiv sie die Möglichkeit nutzen.“

Er jedenfalls geht in seinen Planungen bereits weiter und überlegt derzeit die Uhr für eine weitere Gruppe einzusetzen: „Für ältere Leute, speziell für Demenzkranke und ihre Familien, könnte sie interessant sein.“