Ohne Geld, ohne Innovation, ohne Team – Gründen muss nicht kompliziert sein. Solopreneure starten alleine durch. Wie geht das? Wir haben neun Tipps zusammengestellt.

Mit einer Nahrungsergänzung für das Kurzzeitgedächtnis hat er sein Geld gemacht. Bis zu 14 Stunden am Tag arbeitete der US-Amerikaner Tim Ferriss jeden Tag. Frustriert von seiner Zeit im Hamsterrad nahm er sich eine Auszeit und ging nach Europa. Anstatt alle paar Minuten seine Mails zu checken, entwickelte er ein System, um lästige Aufgaben mit Tools aus dem Internet zu automatisieren. Die Mails kontrollierte Ferriss nur einmal pro Tag. Seine Erfahrungen sammelte er in dem Buch „4 Hours Workweek“. Ferriss zeigte, wie sich ein Unternehmen aufbauen lässt – alleine und mit nicht viel Aufwand. Solopreneur ist die Wortneuschöpfung für diese Einzelkämpfer.

Das Hamburger Ehepaar Ehrenfried und Brigitte Conta Gromberg beobachtet das Phänomen seit Längerem, die beiden organisieren regelmäßig Solopreneur-Days. Zwei Bücher zu dem Thema haben sie bereits veröffentlich. Anfang März ist ihr Buch „Solopreneur – Alleine schneller am Ziel“ erschienen. WirtschaftsWoche Gründer hat neun wichtige Tipps aus dem Buch zusammengestellt.

1. Auftragsrichtung umkehren

In Deutschland gibt es immer mehr Einzelunternehmer. Doch das ist nicht mit einem Solopreneur gleichzusetzen. Der Paketbote, der als Selbstständiger tagtäglich Pakete schleppt, ist von einem Auftraggeber abhängig. Auch andere Selbstständige wie Architekten sind auf Auftraggeber angewiesen. Ihr Deal: Arbeitszeit gegen Geld.

„Ein Solopreneur kehrt die Auftragslage um. Er wird zum Anbieter eines Produktes oder Programms, das viele Kunden buchen können. Somit kann er skalieren. Plötzlich ist es möglich, dass mehrere Kunden zeitgleich die gleiche Lösung in Anspruch nehmen. Und was zwei können, können auch – wenn ihr Business wächst – 100 oder 1.000 Kunden tun“, schreiben die Autoren im Solopreneur-Buch.

2. Management-Weisheiten vergessen

Unternehmer-Legende Richard Branson wird immer wieder auf Konferenzen als Ratgeber eingeflogen und schreibt Büchern wie „Like a Virgin: Secrets They Won’t Teach You at Business School“. Mit diesen Vorschlägen sollte ein Unternehmer vorsichtig sein. In dem Buch der Conta Grombergs heißt es dazu: „Passen Sie als Solopreneur auf, sich keine Gedanken einzufangen, die nicht zu Ihrer Rolle gehören. Nehmen wir zum Beispiel den einen Ratschlag von Richard Branson, „nur die Besten einzustellen“. Das funktioniert als Milliardär mit rund 400 Unternehmen. Als Solopreneur können Sie diesen Rat vergessen.“ Die tatsächliche Tätigkeit der Gründer hat meist wenig mit den Googles oder Amazons gemein.

 3. Seine Rolle als Solopreneur finden

An anderen erfolgreichen Solopreneur-Biographien können sich die angehenden Unternehmer orientieren. Dafür haben die Buchautoren fünf verschiedene Typen von Solopreneuren herausgearbeitet.

  • Der Produzent stellt etwas her oder lässt etwas produzieren.
  • Der Händler vertreibt ein Sortiment. Prominentes Beispiel ist Günter Faltin mit seiner Teekampagne. Seine Idee: Er verkauft Darjeeling-Tee in großen Packungen. Ohne Schnick-Schnack und zu einem günstigen Preis.
  • Zu den Experten zählt etwa Eugen Simon. Er tourt mit dem Programm Gedankendoping durch Deutschland. Bei seinen Seminaren zu Persönlichkeitsentwicklung waren bislang über 30.000 Teilnehmer.
  • Torsten Kucklick ist ein Problemlöser. Er hat mit seinem Start-up Ultrapress einen Baukasten für WordPress-Websites entwickelt.
  • Der Kreative schafft ein Erlebnis und vermarktet es. Das kann zum Beispiel ein Wellness-Angebot sein.

4. Ohne fremdes Geld wachsen

Geld von der Bank macht Gründer abhängig – und angreifbar. „Viele Solopreneure sind Bootstrapper und arbeiten ganz aus dem eignen Cashflow“, schreiben die Autoren. Ein Trick, wie so etwas funktionieren kann: Tim Ferriss arbeitete mit einem ausgeklügelten System. Er schloss mit seinen Zulieferern Verträge ab, deren Zahlungsdatum spät lag. Später als die Zahlung seiner Kunden. So musste er seine Rechnungen immer erst bezahlen, wenn seine Kunden bereits überwiesen hatten. Auf eine Vorfinanzierung konnte er verzichten.

5. Um die Welt reisen

Das Bild von dem Arbeitsplatz am Strand – im Liegestuhl mit dem Laptop auf dem Schoß – ist eigentlich ein Mythos. Die Sonne lässt einen die Buchstaben und Zahlen auf dem Bildschirm kaum erkennen. Trotzdem ist es möglich, von einem anderen Kontinent zu arbeiten. Genauso gut können die Solopreneure auch zuhause arbeiten – wie es die beiden Autoren machen, die aus Jesteburg bei Hamburg kommen.

Für das Buch lassen sie zwei digitale Nomaden zu Wort kommen: „Man darf das ortsunabhängige Arbeiten nicht mit einer Weltreise vergleichen. Wer von unterwegs mit seinem Laptop arbeitet, reist langsam, bleibt immer wieder auch länger an einem Ort und braucht eine verlässliche Internetverbindung“, schreiben Felicia Hargarten und Marcus Meurer, die gemeinsam die Konferenz für Digitale Nomaden organisieren. Über den Reiz des Arbeitens überall in der Welt schreiben sie: „In neuen Umgebungen wird man kreativer und die räumliche Entfernung zur ‚gewohnten Welt’ lässt einen mutiger werden. Wir haben beim Reisen viele andere spannende Entrepreneure kennengelernt und waren an den schönsten Orten der Erde.“

6. Keine Innovationen zum Selbstzweck

Die Zeichen in der Start-up-Welt stehen auf Team. Accelatoren bringen Teams zusammen, verschiedene Gedankenkulturen sollen zusammenkommen. Ein wichtiges Argument für ein Team ist der kreative Austausch und die Suche nach Innovationen. Dazu merken die Autoren an: „Innovation ist nicht der alles entscheidende Punkt. Natürlich können Sie als Solopreneur durch eine Innovation punkten. Auch ein Patent ist nicht zu verachten.“

Doch es geht auch ohne große Erfindung: „Suchen Sie aber keine Innovation um der Innovation willen. Viele, viele Geschäftsideen werden erfolgreich, weil jemand eine bestehende Sache ein wenig liebevoller, besser, gesünder, stärker oder einfach nur in einer anderen Branche macht. Machen Sie Ihr Ding und machen Sie es einen Tick besser als andere oder an einer anderen Stelle als andere.“

7. Mut zum Alleingang

Auf die Frage, warum sie alleine gründen, antworten viele Solopreneure: Weil es niemanden gibt, der mir reinredet. Oft haben sie in ihrem bisherigen Berufsleben schon schlechte Erfahrungen mit Kollegen, Chefs oder Mitgründern gemacht. Die Arbeit im Team wird von vielen romantisiert. Im Buch heißt es: „Trauen Sie sich, die Formel ‚Team ist das Allheilmittel’ zu hinterfragen. Die innere Kündigung vieler Menschen auf ihrem Arbeitsplatz rührt ja daher, dass sie dort – obwohl in einem Team – nicht den optimalen Entfaltungsraum haben.“ Sie kommen zu dem Schluss: „Viele Teams gelingt es nicht, zusammen Geld zu verdienen. Es wird mehr Aufwand als Produktivität erzeugt. Betriebswirtschaftlich kein gutes Konzept.“

8. Geschäftsidee muss zum eigenen Leben passen

Es ist wichtig, den Beruf und die Geschäftsidee auf sein Leben abzustimmen. Dafür plädieren die Autoren an mehreren Stellen: „Angenommen Sie wollen Globetrotter werden und reisen, dann ist es nicht klug, einen Bierzeltverleih aufzumachen. „Wir trafen ein Selbstständigen, der das in jungen Jahren getan hat. Sein Kommentar dazu: ‚Die saublödeste Idee, die ich je hatte’. Die gesamte schöne Jahreszeit war er bis spät in der Nacht unterwegs. Nach drei Jahren war er froh, alle Zelte wieder loszuwerden. Gelegenheits-Ideen bringen oft Kopfschmerzen.“

9. Die richtigen Tools nutzen

So einfach wie Tim Ferriss die Arbeit in seinem Buch beschreibt, ist sie nicht. Die Solopreneure arbeiten mehr als vier Stunden pro Woche. Doch das Ziel ist es, möglichst viele Aufgaben in Tools im Internet auszulagern und zu automatisieren: „Läuft ein Prozess in sich geschlossen, spricht man von einem passiven Einkommen. Solche passiven Einkommen sind aber selten vollautomatisiert. 100 Prozent Automatisierung hat bisher niemand geschafft, den wir kennen.“ So kommen beispielsweise Anfragen von Kunden, die Technik kann streiken und die Steuer muss gezahlt werden. Für alle Probleme gibt es jedoch Programme und Dienste, die helfen. In den beiden Büchern der Conta Grombergs gibt es verschiedene Hinweise zu den Tools.

Kritik zum Buch

Unternehmer, die mit dem Gedanken spielen, als Solopreneur durchzustarten, können in dem Buch „Solopreneur – alleine schneller am Ziel“ einiges lernen. Viele Fallbeispiele illustrieren den Werdegang von erfolgreichen Solopreneuren. Das Buch gibt einen umfassenden Überblick zum Thema.

Ein paar Negativ-Beispiele von Solopreneuren fehlen in dem Buch allerdings – Themen wie Vereinsamung in einer digitalisierten Gesellschaft könnten Einsteigern helfen, genau diese Fehler nicht zu machen. Denn wie die Autoren richtig anmerken: Ein Leben als Solopreneur ist keine Ideologie.

 

Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg
Solopreneur. Alleine schneller am Ziel.
Smart Business Concepts
286 Seiten, 14,90 Euro
ISBN-10: 3943895076
EAN: 9783943895070
Mehr Infos unter www.smartbusinessconcepts.de