Das Start-up hilft Unternehmen, die Routineaufgaben und Auswertungen automatisieren wollen. Damit setzen die Berliner auf den „No-Code“-Trend – und überzeugen früh internationale Investoren.

Ist es nun eine Rechnung, eine Bestellung, ein Rezept oder sind es Kundendaten? 45 verschiedene Dokumententypen kommen regelmäßig per Mail beim Hörgerätevermittlers Audibene an – und müssen von den Mitarbeitern sortiert werden. Seit kurzem hilft dabei Software: Ein kleines KI-Tool durchforstet die PDFs und erkennt, in welchem digitalen Ordner das Dokument richtig ist: „Das spart den Mitarbeitern etwa 15 bis 20 Prozent ihrer Arbeitszeit“, sagt Thilo Hüllmann. Er ist Mitgründer von Levity. Das Start-up ermöglicht es Unternehmen wie dem Hörgerätehersteller, sich mit wenig Aufwand ein eigenes Programm mit KI-Unterstützung zusammenzustellen.

Damit erweitert das Berliner Team das stetig wachsende Angebot der sogenannten „No-Code“-Software. Dahinter verbergen sich verschiedene Software-Module, mit denen Unternehmen nach dem Baukastenprinzip passende Programme zusammenbasteln können. Statt Codezeilen, die nur von Programmierern verstanden und geschrieben werden können, wird dabei meist auf grafische Oberflächen gesetzt. So sollen mehr Mitarbeiter in der Lage sein, sich hilfreiche Anwendungen zusammenzubasteln.

KI-Tools übernehmen Routineaufgaben

Je wichtiger Software in Unternehmen wird, desto größer ist der Bedarf an individualisierten Programmen. Das Berliner Start-up Ninox ist in dem Segment genauso unterwegs wie die Siemens-Tochter Mendix. Die junge Tech-Firma Bryter ist mit einem Fokus auf den Rechtsmarkt gestartet und erweitert nun ihr Angebot. Levity spezialisiert sich nun auf Anwendungsfälle, in denen es um vergleichsweise simple Machine-Learning-Szenarien aus unstrukturierten Daten geht. Der Hörgerätehersteller lud etwa zu Beginn etwa 100.000 PDFs hoch, mit der die Software die Unterschiede zwischen den Dokumententypen lernte. Nun sei das Programm nur in etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle noch unsicher und lege das Dokument einem Mitarbeiter vor, sagt Hüllmann.

Entstanden ist das Start-up, als Hüllmann und sein Mitgründer Gero Keil zunächst an einer Idee arbeiteten, bei der unstrukturierte Texte systematisch ausgewertet werden sollten – und ein passendes Tool nur schwer zu finden war. Zukünftig will man vor allem Unternehmen helfen, die Routineaufgaben automatisieren wollen. Dabei kann es etwa um KI-Hilfe bei der Erkennung von Kundenanfragen oder Schlagwörtern gehen. „Unser Fokus liegt auf Mittelständlern, die Vorgänge automatisieren wollen, aber keine eigenen Programmierer haben und kein Geld für IT-Dienstleister“, sagt Hüllmann. Auf ein ähnliches Ergebnis, wenn auch eine andere Technologie, setzen auch die Anbieter von sogenannter Robotic-Process-Automation (RPA).

1,4 Millionen für das Start-up

Aktuell ist das Start-up mit seinen zwölf Mitarbeitern dabei, nach und nach die ersten Testkunden auf seine Plattform zu lassen. Das hilft dem im Jahr 2020 gegründeten Levity, nach und nach kleinere Stolpersteine in der Technik aus dem Weg zu räumen. Im Frühjahr wolle man dann das Angebot regulär an den Markt bringen, sagt Hüllmann. Konsequent richtet sich das junge Start-up dabei international aus. Trotz Hauptsitzes in Berlin ist das Unternehmen als sogenannte Inc. in den USA registriert. Dort sehen die Gründer großes Potenzial für ihre Anwendung.

Bestärkt werden sie in ihrer Ausrichtung auch von den ersten Investoren. Etwa 1,4 Millionen Euro sind bereits an Levity geflossen. So haben sich die Frühphaseninvestoren System.One und Discovery Ventures an dem Start-up beteiligt, außerdem noch Martin Henk, Mitgründer des Software-Start-ups Pipedrive. Angeführt wurde die erste Finanzierungsrunde jedoch von Gil Dibner mit seinem in London ansässigen Fonds Angular Ventures und tiefen Kenntnissen des US-Marktes: Software wie Levity „demokratisiere die Vorteile von Künstlicher Intelligenz“ lässt sich Dibner in einer Pressemeldung zitieren. Für die nächste Finanzierungsrunde setzen die Gründer darauf, dass sich jenseits des Atlantiks Geldgeber finden: „Unser Fokus für die nächste Finanzierungsrunde wird wieder die USA sein“, sagt Hüllmann.