Das Betreiben von Partnervermittlungs-plattformen ist lukrativ, aber der Markt ist umkämpft. Ein Start-up will sich nun durchsetzen – sogar international.

Deutschland ist eine Single-Gesellschaft. Fast 17 Millionen Alleinstehende leben hierzulande, nur ein Viertel von ihnen gibt an, diesen Weg freiwillig gewählt zu haben und nicht auf der Suche nach einem Partner oder eine Partnerin zu sein. Bleiben also rund 12 Millionen Menschen, die gerne jemanden kennenlernen würden – notfalls auch mit ein bisschen Hilfe. Ein erfolgsversprechender Markt also für Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Singles zusammenzubringen.

Und ein lukrativer noch dazu: Einer Prognose zufolge ist der Online-Umsatz für Dating Services in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und soll dieses Jahr bei rund 212 Millionen Euro im Jahr 2020 liegen. Rund 22 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen in Deutschland haben schon einmal Online-Dating ausprobiert und sind auch bereit kostenpflichtige Angebote zu nutzen. 

Online-Umsatz für Dating Services stiegt stetig an

Dominiert wird der Markt hierzulande von großen Anbietern wie Parship oder Elitepartner, die offensiv im Fernsehen und an S-Bahnhaltestellen um neue Kunden werben. Sind die großen Stücke des Kuchens also schon verteilt? Arne Kahlke und Paul Uhlig glauben das nicht. Die beiden sind Gründer von Lemon Swan. Vor knapp drei Jahren ist die Online-Partnervermittlungsplattform an den Markt gegangen, eigenen Angaben sind aktuell rund 250.000 Mitglieder registriert, davon 48 Prozent Männer und 52 Prozent Frauen.

Corona sorgte für Anstieg der Nutzerzahlen

Während der Ausbruch der Corona-Pandemie viele Start-ups in eine Krise gestürzt hat, bedeutete das erzwungene Zurückziehen in die eigenen vier Wände für LemonSwan eine positive Entwicklung: „Die Nutzerzahlen sind seit der Gründung 2018 stetig gestiegen, aber gerade in den letzten Monaten hat die Zahl der Neuanmeldungen um 30 Prozent zugenommen. Während der strengen Kontaktbeschränkungen haben viele Online-Singles digitale Angebote neu für sich entdeckt und nutzen gelernt und wir können sehen, dass die Nachfrage auch nach den Lockerungen nicht abnimmt”, sagt Arne Kahlke.

Kahlke weiß, wovon er spricht. Er hat reichlich Erfahrung im Verkuppeln von Menschen. So baute er nicht nur das Marketing von Parship auf, sondern gründete 2004 auch den LemonSwan-Konkurrenten ElitePartner und verkaufte das Unternehmen nach ein paar Jahren an ProSiebenSat1. Er weiß also, was funktioniert – und was nicht. Entgegen dem Trend des schnellen und oft verpflichtungsarmen  Kennenlernens, den Apps wie Tinder befeuern, will er mit Lemonswan diejenigen ansprechen, die “mit ehrlichen Beziehungsabsichten den Partner fürs Leben suchen”. Zwar sei der Matching-Prozess ähnlich wie bei ElitePartner und Parship – auch LemonSwan arbeitet mit einem psychologischen Persönlichkeitstest und einem Matching-Algorithmus – doch zusätzlich werden sogenannte Türsteher/innen eingesetzt, die die Angaben der neuen Mitglieder überprüfen, indem diese sie mit passenden Dokumenten nachweisen müssen. Erst danach wird man auf der Plattform zugelassen. So soll vermieden werden, dass sich schwarze Schafe auf der Seite herumtreiben, den Nutzern soll eine gewisse Sicherheit garantiert werden.

Frisches Kapital für internationale Expansion

Arne Kahlke und Paul Uhlig sind sich sicher, dass sie mit diesem Ansatz auf dem richtigen Weg sind. Und auch die Investorenszene scheint das so zu sehen: Nach einer Kapitalspritze im Januar 2019 erhielt das Start-up nun erneut frisches Kapital in siebenstelliger Höhe. Zum aktuellen Kreis der Geldgeber zählen Altinvestoren wie BPO Capital und NWZ Online sowie Tipp24-Gründer Jens Schumann und das LemonSwan Management. Die genaue Summe wollte die Geschäftsführerin des Start-ups, Sabine Schöler, auf Nachfrage von WirstchaftsWoche Gründer nicht nennen. 

Mit dem Geld will LemonSwan nicht nur im ersten Quartal des neuen Jahres im deutschsprachigen Raum profitabel werden, sondern auch international expandieren. Zunächst stehe ab Mitte des Jahres Zentraleuropa im Fokus, anschließend wolle man sich auf den asiatischen Markt wagen, so Sabine Schöler. Japan beispielsweise gilt als Hochburg der Single-Haushalte, in China gibt es sogar einen Singles-Day, der jedes Jahr im November begangen wird. Es gibt also noch viel zu tun für LemonSwan.