Das Stuttgarter Start-up macht die Beschaffung von Metallteilen effizienter. Dank einer umfangreichen Finanzierungsrunde sollen nun weitere Bearbeitungsmethoden und Länder erschlossen werden.

Die Stimmung könnte besser sein: Mehr als jedes zweite deutsche Fertigungsunternehmen spürt durch die Corona-Krise einen negativen Einfluss auf das Geschäft. Das zeigt eine Umfrage vom Meinungsforschungsinstitut Forsa und dem Internet-of-Things-Spezialisten Relayr aus dieser Woche. 100 deutsche Firmen aus dem produzierenden Gewerbe wurden dafür befragt. Eine erste Antwort auf die Unsicherheit der vergangenen Wochen: Ebenfalls mehr als jedes zweite Unternehmen will in Zukunft die Flexibilität erhöhen.

Diese Botschaft wird auch das Start-up Laserhub gerne hören. Die Stuttgarter sind seit Mitte 2017 mit einer Plattform am Markt, die Maschinen- und Anlagenbauern bei der Beschaffung von Metall- und Blechteilen helfen will. Die Kunden laden dafür Konstruktionszeichnungen hoch und definieren die Materialbeschaffenheit, Laserhub erstellt daraus automatisiert ein Angebot. Die Corona-Krise hat sich auf das eigene Geschäft bereits durchaus positiv ausgewirkt: „Wir haben ein starkes Momentum in den vergangenen Wochen gespürt“, sagt Mitgründer Christoph Rößner.

Digitale Bestellung statt Telefon & Fax

Die Dateien laufen vom ersten Hochladen bis zur Lieferung durch einen Logistiker digital durch das System – ein Unterschied zum Suchen und Abstimmen per Telefon oder gar Fax, wie es in der Branche lange üblich war. „Viele Aufträge werden gar nicht mehr händisch angefasst“, berichtet Rößner. „Die Branche ist in der Fertigung sehr industrialisiert, aber in der Administration oft noch sehr handwerklich“.

Dabei wirbt das Start-up damit, die Effizienz für beide Seiten erhöhen zu können. Maschinenbauer mit Materialbedarf kommen schneller an ihre Teile und müssen sich nicht auf einzelne Lieferanten verlassen. Die eigentliche Produktion übernehmen dann angeschlossene Lohnfertiger, die so ihre Maschinen besser auslasten können.

Immer mehr Milliardenmärkte erschließen

In den vergangenen Monaten hat Laserhub das Angebot dabei ausgebaut. Kürzlich wurde CNC-Drehen mit aufgenommen, auch Rohrlaserschneiden ermöglicht das Start-up mittlerweile. Fräsen soll bis Jahresende dazukommen. Hinter jeder dieser Fertigungsarten steckt jeweils ein milliardenschwerer Markt, von dem sich Laserhub als digitaler Vermittler einen kleinen Teil sichern will. Das ehrgeizige Ziel: „Wir wollen der digitale Komplettanbieter für individuelle Metallteile werden“, sagt Rößner.

Auf dieses Modell und das Markpotenzial sind auch Risikokapitalgeber neugierig. Laserhub hat jetzt eine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Neu an Bord ist dabei die Münchener Venture-Capital-Gesellschaft Acton Capital. Die Bestandsinvestoren Project A und Point Nine schießen ebenfalls neues Kapital zu. Wie hoch die aufgenommene Summe ist, will das Start-up auch auf Nachfrage nicht verraten. Nachdem bereits im vergangenen Jahr ein mittlerer siebenstelliger Betrag geflossen ist, ist nun eine Finanzierung im höheren einstelligen Millionenbereich gelungen.

Um sich mehr vom Markt zu sichern, will das Start-up nun stärker in andere europäische Länder wachsen. Bislang bietet Laserhub seine Leistungen in Deutschland, Österreich und Frankreich an. Für Frankreich habe man dabei ein neues Netzwerk aufbauen müssen, berichtet Rößner. „So haben wir nun eine Art Drehbuch für weitere Auslandsmärkte entwickelt.“

Wettbewerb der digitalen Anbieter

Der aggressive Wachstumskurs rührt auch daher, dass einige andere Digitalunternehmen mit einem ähnlichen Angebot Maschinenbauer und Lohnfertiger verbinden wollen. Kreatize sammelte kürzlich einen Millionenbetrag ein, um sich explizit auf den österreichischen Markt zu stürzen. Aus den USA arbeitet sich Xometry auch in Europa vor. Dazu kommen Angebote wie Orderfox, Techpilot oder Facturee, die sich derselben Branche tummeln. „Wir gehen davon aus, dass der Einkaufsmarkt in fünf Jahren ganz anders aussehen wird“, ist Rößner überzeugt. Gleichzeitig hofft er darauf, dass die Anzahl der digitalen Anbieter hoch bleibt, um die Marktanteile gemeinsam zu vergrößern: „Der gemeinsame Wettbewerber im Markt ist der Status Quo“.