Im Hintergrund blinkt auf den kleinen Leinwänden das Telekom-Magenta, auch die Strahler an den Seiten tauchen die Gesichter im Saal in die telekomeske Farbe. Genauso konzerngefärbt zeigt sich auch die Runde. Kritische Fragen? Fehlanzeige. Auf dem Podium herrscht Wohlfühlatmosphäre, eine Diskussion kommt nie zustande. Telekom-Chef Höttges nutzt das Panel, das als Highlight der Start-up-Nacht gilt und auch in die drei anderen Standorte übertragen wird, als Werbeplattform für seinen eigenen Konzern, schießt gegen Rocket Internet („Berlin muss lernen: E-Commerce ist nicht die einzige Innovation der Welt“) und biedert sich bei den Start-ups an („Ich bin nur die Elefantenlady, ihr seid die Anführer“). Was für ein Weltbild hinter so einem Satz steckt, ist da noch eine ganz andere Frage.

Der „Löwe“ Thelen, der seinen schwarzen Kapuzenpullover für die Diskussionsrunde extra gegen ein dunkelblaues Hemd getauscht hat, gibt sich den Konzernies gegenüber völlig handzahm, empfiehlt die Kooperation mit großen Unternehmen („Jedes Start-up sollte mit den Großen zusammenarbeiten“), lobt die Telekom, die ihm einst mit seinem ersten webbasierten Start-up half, und erzählt im Plauderton, dass sich Microsoft stark gewandelt habe („Selbst ich habe heute Microsoft Software auf meinem iPhone“).

„Ich glaube, wir haben kein Geldproblem“

Philippa Pauen darf dann noch erzählen, wie toll es ist, mit einem großen Konzern wie Coca Cola als Investor zusammenzuarbeiten; Jäger von Microsoft darf davon schwärmen, wie großartig die Integration von 6Wunderkinder funktioniert und Lufthansa-Innovation-Hub-Leiter Schneider darf die hauseigene App Time to gate loben und erzählen, was für einen großen Mehrwert die Daten daraus schaffen. Dass sowohl die Telekom als auch die IBB, die Lufthansa und Microsoft Sponsoren des Events sind, überrascht wohl wenig. Die Zuschauer und Gründer in dieser einlullenden Atmosphäre zu Fragen zu animieren, gelingt nur vereinzelt.

Dafür, dass sich die Veranstaltung die „Lange Nacht der Start-ups“ nennt, geht es in der Diskussionsrunde auch erstaunlich selten um die jungen Unternehmen und ihre Probleme. Selbst der oft zitierte Finanzierungsengpass in der deutschen Start-up-Szene kommt kaum zur Sprache. Später darauf angesprochen, sagt Höttges gegenüber WirtschaftsWoche Gründer nur: „Ich glaube, wir haben kein Geldproblem. Wenn Sie als Start-up das Geld in Europa nicht bekommen, erhalten Sie es woanders.“