Die Zahl junger Digitalfirmen, die KI einsetzen, steigt stark an, zeigt eine neue Studie. Jenseits der großen Gründerzentren sind die Start-ups noch rar gesät.

Spracherkennung, 3D-Kartengestaltung, Roboterprogrammierung: In vielen Anwendungsfällen kann das sogenannte Maschinelle Lernen weiterhelfen – hier erweitern die Algorithmen mit jeder Entscheidung ihren Wissenschatz. Deutsche Start-ups, bei denen so eine Software im Kern des Produkts steht, sind zuletzt deutlich sichtbarer geworden: 214 junge Unternehmen finden sich auf der aktuellen Landkarte zur Künstlichen Intelligenz (KI) von Applied AI. Vor einem Jahr zählte die Initiative, die von dem Gründerzentrum UnternehmerTUM unterhalten wird, nur 132 solcher Start-ups.

Anspruch auf Vollständigkeit erheben die Münchener dabei nicht. Ihre Sammlung basiert auf Auswertung öffentlicher Quellen und einer Beurteilung durch Investoren. Eine Erhebung des Insituts der deutschen Wirtschaft kam Ende des vergangenen Jahres jedoch zu ähnlichen Ergebnissen: Die Kölner Forscher zählten deutschlandweit 164 KI-Start-ups.

KI für Autos und Produktion

Gerade im KI-Bereich ist die Beurteilung nicht immer einfach: Viele Unternehmen werben mit schlauer Software, ein tatsächliches Urteil ist ohne Kenntnisse des Codes jedoch schwer zu treffen. Funktionieren die Algorithmen wie geplant und gewünscht, können sie viele bislang manuelle Prozesse übernehmen – das reicht von der Bearbeitung von Kundenanfragen bis hin zur Steuerung eines fahrerlosen Fahrzeugs. Nach Auswertungen von Applied AI steigt der Anteil der Start-ups, die sich mit ihrer Software traditionellen deutschen Wirtschaftsbranchen annehmen.

5,6 Prozent der gezählten Start-ups werden dem Bereich Industrie und Fertigung zugerechnet (im Vorjahr waren es 3,8 Prozent), bei Transport und Moblität legte der Anteil von 6,1 auf 9,3 Prozent zu: Die Tatsache, dass sich Start-ups zunehmend auf deutsche Kernindustrien fokussieren ist eine gute Nachricht“, sagt Andreas Liebl, Geschäftsführer der Initiative. „Diese Entwicklung ist die Grundlage dafür, dass etablierte Unternehmen in dem Bereich international nicht den Anschluss verlieren.“

Geografisch ballen sich die KI-Start-ups vor allem an zwei Orten: 86 der 214 gezählten Unternehmen sitzen in Berlin, 57 in München. Mit weitem Abstand folgen Karlsruhe (hier dürfte das KIT eine wichtige Quelle sein), Hamburg und Köln – hier sind es jeweils nur wenige Start-ups pro Ort. Die Marktbeobachter von Applied AI sehen diese Konzentration eher als Sorge: Das zeige, dass sich viele Regionen schwer tun, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt Liebl.