Mit einer dreistelligen Millionensumme will Kry die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben – auch in Deutschland. 

Die Liste der Investoren ist lang, international – und klangvoll: Unter anderem haben der Wagniskapitalgeber Creandum aus Stockholm und der Berliner VC Project A in den letzten Jahren Geld in das schwedische Start-up Kry gesteckt.

Nun gab der schwedische Telemedizin-Anbieter Kry eine weitere Finanzierung in Höhe von 140 Millionen Euro bekannt. Angeführt wird die Runde von dem kanadischen Pensionsfonds Ontario Teachers.  Auch Altinvestoren wie Index Ventures, Creandum und Accel sind mit an Bord. 

Expansion soll vorangetrieben werden

Wie in der Vergangenheit soll das frische Kapital zur europaweiten Expansion genutzt werden. Das 2014 gegründete Unternehmen ist bereits in Großbritannien, Norwegen, Frankreich aktiv und seit Anfang Dezember 2019 auch in Deutschland. Bislang allerdings nur für Privatzahler. Ein Angebot für Kassenpatienten soll folgen.

Kerninvestor Project A zeigte sich im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer sehr zufrieden mit der Entwicklung des Start-ups:  “Wir sind seit vielen Jahren überzeugt davon, dass digitale Angebote wie Kry den Zugang zu medizinischer Versorgung sowie deren Qualität auch hierzulande enorm verbessern können. Die Service-Komponente ist gigantisch, das erkennen Ärzte und Patienten”, sagt Thies Sander, Partner bei Project A und Beiratsmitglied bei Kry. “Das „Digitale-Versorgung-Gesetz“ hat 2019 das deutsche Gesundheitswesen für Unternehmen wie Kry geöffnet – auf diese politische Entscheidung können wir wirklich stolz sein. Jetzt wird spannend zu sehen, wie sich der Markt entwickelt.”

Diagnose via Smartphone

Kry will mit seiner App Kosten, Wartezeit und Aufwand für Patienten minimieren. Über das Smartphone können sich Nutzer in einer Video-Sprechstunde von Ärzten virtuell behandeln lassen und Fragen zu ihren Beschwerden stellen. In erster Linie geht es dabei um allgemeinärztliche Behandlungen, etwa Erkältungen, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Fieber und Magenbeschwerden. Die Ärzte haben dann die Möglichkeit  ein Rezept, eine Krankschreibung oder eine Überweisung an einen Facharzt auszustellen. Eigenen Angaben zufolge haben bereits über eine Million Patienten Kry genutzt.

Teilnehmende Ärzte besitzen deutsche Approbation

Aktuell arbeitet eine zweistellige Zahl von Ärzten in Deutschland für das Start-up – alle mit deutscher Approbation und Ausbildung auf Facharztniveau – die unter der Woche von 7 bis 22 Uhr und an Wochenenden von 8 bis 20 Uhr erreichbar sind.

Neben Kry stehen noch weitere Anbieter bereit, um das deutsche Gesundheitssystem zu digitalisieren, darunter das Münchner Start-up Teleclinic und Zava aus Großbritannien, die zuletzt dank einer 28-Millionen-Euro-Finanzierung den Weg nach Deutschland fanden.

In Schweden, dem Heimat von Kry, wird unterdessen schon weiter gedacht: Dort wird aktuell der Vorschlag diskutiert dass die Netz-Ärzte in jeder Region des Landes zumindest eine physische Praxis eröffnen sollen – als Ergänzung zu der Online-Behandlung.